Gel-Schinken Verbraucherschützer decken neue Lebensmittel-Tricks auf

Der Skandal nimmt kein Ende. Die Behörden in Rheinland-Pfalz haben erneut eine Reihe von Lebensmittelimitaten entdeckt: Jede dritte der überprüften Gaststätten tischt falschen Käse auf, bei Schinken liegt die Quote noch höher.


Mainz - Analogkäse, Gel-Schinken oder Fruchteis ohne Frucht: Bei Lebensmittelkontrollen in Rheinland-Pfalz sind die Behörden erneut auf zahlreiche Fälschungen gestoßen. Besonders häufig pfuschen die untersuchten Gaststätten demnach beim Käse, teilte das Landesuntersuchungsamt am Mittwoch in Mainz mit.

Echter Schinken: Immer häufiger werden stattdessen Imitate serviert
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Echter Schinken: Immer häufiger werden stattdessen Imitate serviert

So entdeckten die Behörden in acht von 23 angeblich mit Käse angebotenen Salaten weißen Kunstkäse aus Pflanzenfett. Dieser wird auch als Analogkäse bezeichnet. Außerdem untersuchten die Kontrolleure mit Käse überbackene Brötchen in Bäckereien. Hier fiel das Ergebnis weniger dramatisch aus: In einem von acht Produkten wurde ein Käseimitat entdeckt. Aber auch bei Fruchteis wurden die Fahnder fündig: Eine von 16 Proben wurde wegen zu geringen Fruchtgehalts bemängelt.

Der Behörde zufolge werden Verbraucher schon seit mehreren Jahren in die Irre geführt. Vor allem Formfleisch oder Imitat mit geringerem Fleischanteil werde ihnen als Schinken verkauft. Seit 2006 bis heute seien in Rheinland-Pfalz insgesamt 473 Schinkenproben untersucht worden, teilte das Landesuntersuchungsamt mit. Von 80 Proben aus der Gastronomie sei die Hälfte beanstandet worden. Von 393 Proben aus dem Handel seien dagegen nur 33 negativ aufgefallen.

Doch auch im Handel gibt es zahlreiche Verstöße: SPIEGEL ONLINE hatte am Freitag eine Liste der Verbraucherzentrale Hamburg mit Produkten auch von Markenartikelherstellern veröffentlicht, in denen Lebensmittelimitate verwendet werden, die aber nicht eindeutig als solche zu erkennen sind. Dabei handelt es sich zum Beispiel um künstlichen Käse oder Schinken, Schokokekse ohne echte Schokolade, einen Meeresfrüchtecocktail ohne echte Garnelen oder Vanilleeis ohne Vanille. Zwar sind diese Ersatzprodukte nicht gesundheitsschädlich, der Verbraucher wird nach Ansicht der Verbraucherzentrale aber trotzdem betrogen.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) forderte inzwischen mehr Kontrollen von den Ländern. Außerdem sollten die Namen von Gastronomen und Herstellern bei Verstößen gegen Kennzeichnungsregeln gemeldet werden.

yes/AFP

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Silvia, 09.07.2009
1.
Tja, ob Gesetze etwas bringen, ist fraglich. Noch mehr solcher abstrusen Gesetze, die krumme Gurken und nicht DIN-genormte Bananen verbieten, brauchen wir jedenfalls nicht. Ich denke, es muss grundsätzlich etwas passieren, damit man vom reinen Profitstreben endlich weg kommt. Das ist auch ein Umdenkprozess bei der Bevölkerung, dass sie nicht alles gedankenlos in sich hineinstopft. Also, da bin ich mittlerweile empfindlicher geworden. Mais kaufe ich nur noch aus biologischem Anbau, seitdem sich Gen-Mais breit macht. Und nachdem ich einmal einen Film über die Machenschaften von Monsanto gesehen habe, bin ich geprickt. Oder diese ganze Bio-Piraterie und dieses merkwürdige Patentwesen, dass es Großkonzernen erlaubt, uraltes Menschheitswissen für sich zu beanspruchen und zu vermarkten wie es z. B. beim Neem-Samen (http://umweltinstitut.org/gentechnik/patentierung/erfolg-gegen-biopiraterie-europaisches-patentamt-widerruft-endgultig-patent-auf-neem-ol-204.html) durch die Firma Grace versucht wurde, sowas finde ich widerwärtig. Das sind für mich alles Gangster. Das gehört sich einfach nicht! Und sowas versuche ich, wenn es irgend geht, mit meiner kleinen, wahrscheinlich in der Masse unbedeutenden Kaufverweigerung zu demonstrieren. Aber mehr kann ich nicht tun.
ender, 09.07.2009
2.
Zitat von sysopSchon wieder klagen Verbraucherschützer über die Qualität der Lebensmittel in Deutschland. Mal ist nicht drin, was draufsteht, dann werden Billigerzeugnisse zu überteuerten Preisen angeboten. Was denken Sie - muss das Lebensmittelrecht verschärft werden?
Die Lebensmittel sind gut. Die Richter sind schlecht. Wenn jemand etwas anderes draufsteht als drinnen ist, dann ist das schwerer gewerbsmäßiger Betrug. Es sei denn es ist etwas besseres drinnen als draufsteht. Man braucht kein anderes Lebensmittelrecht, sondern Richter, die Betrug als Betrug bestrafen. Ohne Ausnahme. ender
the Poodle chews it, 09.07.2009
3.
Zitat von sysopSchon wieder klagen Verbraucherschützer über die Qualität der Lebensmittel in Deutschland. Mal ist nicht drin, was draufsteht, dann werden Billigerzeugnisse zu überteuerten Preisen angeboten. Was denken Sie - muss das Lebensmittelrecht verschärft werden?
Eine Verschärfung des Lebensmittelrechtes verbessert weder die Lebensmittel selbst noch die Interessen des Verbrauchers. Der einzige Effekt ist der, daß Händler, die nicht den großen Handelsketten angeschlossen sind, unter'm bürokratischen Aufwand Fehler machen und Marktverbot (http://www.abendblatt.de/hamburg/article1087061/Marktverbot-Kunden-kaempfen-fuer-Haendler.html) erhalten...
Gaztelupe, 10.07.2009
4.
Zitat von sysopSchon wieder klagen Verbraucherschützer über die Qualität der Lebensmittel in Deutschland. Mal ist nicht drin, was draufsteht, dann werden Billigerzeugnisse zu überteuerten Preisen angeboten. Was denken Sie - muss das Lebensmittelrecht verschärft werden?
Es wäre viel interessanter, würden sich die Ansprüche des Verbrauchers verschärfen.
inci 10.07.2009
5.
Zitat von sysopSchon wieder klagen Verbraucherschützer über die Qualität der Lebensmittel in Deutschland. Mal ist nicht drin, was draufsteht, dann werden Billigerzeugnisse zu überteuerten Preisen angeboten. Was denken Sie - muss das Lebensmittelrecht verschärft werden?
nein, muß es nicht. es würde schon ausreichend sein, wenn die verbraucher einfach mal auf die packung schauen, was sie da eigentlich kaufen. so steht z.b. seit jahrzehnten schon auf den verpackungen als zutat "formschinken", sogar in pizzerien steht das auf der speisekarte. auch der analogkäse ist beim einkauf zu erkennen. da steht nämlich milcherzeugnis drauf und nicht käse. wer zu dämlich ist, den unterschied zwischen milcherzeugnis und käse nicht kennt, dem ist sowieso kaum zu helfen. gleiches gilt für formschinken. das war in den 70ern schon ein "skandal". überhöhte preise haben allerdings mit dem lebensmittelrecht nun so viel zu tun, wie eine kuh mit dem tanzen. überhöhte preise wird es immer geben, das liegt am system. das ist kapitalismus. es liegt am verbraucher selbst, ob er sich produkte zu überhöhten preisen kauft. es gibt, neben billigerzeugnissen, auch eine ganze reihe anderer produkte, die zu überhöhten preisen angeboten und verkauft werden. kauft der kunde ein produkt nicht, wird es vom markt verschwinden. kauft er es doch, bleibt es dem markt erhalten. alternativ kann man aber auch den "armen" verbraucher auch gerne weiter vor sich selbst schützen, und gründet eine staatliche preisfindungskommission, die einheitspreise für alle produkte festlegt. und so wie die welt derzeit gestrickt ist, halte ich das durchaus nicht für unrealistisch.
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