Geld für Energie Der Star der Risikokapitalgeber hat grüne Phantasien

Die Meinung von Vinod Khosla zählt was in der Zunft der Risikokapitalgeber, er gilt als einer der besten. Dabei scheint er Geld zu verschleudern - er setzt auf die Entwicklung sauberer Energie. Im Interview erklärt er, warum sich das Geschäft trotzdem lohnt.


Die Förderung neuer Energien war bisher Sache von Regierungen und Großunternehmen. Glauben Sie wirklich, dass Energie eine gute Investition für Risikokapitalgeber ist?

Khosla: Es gibt jede Menge Möglichkeiten für Risikokapital. Doch natürlich ist nicht jedes Energieprojekt geeignet – manche benötigen sehr lange Zeitrahmen und große Budgets.

Warum sind Sie skeptisch gegenüber den Bemühungen, Energie aus Kohle sauberer und effizienter zu machen?

Khosla: Wie schnell werden die Energieanbieter wohl auf saubere Kohle-Technologien umsatteln? Alternativen zu Kohle und Öl kommen viel schneller voran. Gleichwohl ist saubere Kohle eine Option. Wir brauchen zuverlässige, prognostizierbare Energie, und viele Menschen glauben, Kohle könne das bieten.

Aber auch solarthermische Kraftwerke sind eine echte Option für die groß angelegte Gewinnung von Energie. Und wenn Energiespeicherung mit komprimierter Luft im großen Maßstab funktioniert, lässt sich Windenergie ausbauen. Ich denke, es wird ein Wettrennen zwischen Kohle mit CO2-Abscheidung, Windenergie und solarthermischer Energie geben.

Welche Vorteile bieten Biotreibstoffe?

Khosla: Biodiesel ist ein gutes Produkt – allerdings nur im großen Maßstab machbar, wenn es gelingt, ihn aus Biomasse statt aus Getreide zu gewinnen. Ein erster Schritt ist Ethanol, das man bald hauptsächlich aus Zellulose gewinnen wird. Ich denke jedoch, neue Treibstoffe wie Butanol werden auf der Bildfläche erscheinen. Ebenso wäre ich nicht überrascht, bald Biobenzin aus Getreide und später aus Biomasse zu sehen.

Wann werden Solarzellen effizient genug sein, um signifikant zur globalen Energieversorgung beizutragen?

Khosla: Setzen Sie "solar" nicht mit "photovoltaisch" gleich! Solarthermische Kraftwerke mit passiven Spiegeln zur Konzentration der Wärme profitieren von der Erfahrung mit traditioneller, dampfbasierter Stromerzeugung. Sie können für 500 Dollar pro Kilowatt auf 35 Prozent Wirkungsgrad kommen.

Damit Photovoltaik mit der Solarthermie konkurrieren kann, brauchen wir Dünnfilm-Solarzellen aus billiger Massenproduktion mit Wirkungsgraden von über 30 Prozent.

Stellt der Bau von Windkraftanlagen mit Hilfe von Kohleenergie nicht ihren Wert in Frage?

Khosla: Bei vielen Technologien braucht es heutzutage lange, bis sich die in sie investierte Energie auszahlt. Aber ist es wirklich ein Problem, wenn wir so viel Kohleenergie für die Herstellung von Solarzellen oder Windrädern einsetzen müssen, dass die Energiebilanz in einem Zeitraum von vier oder fünf Jahren noch nicht positiv ausfällt? Obendrein werden neuere Technologien besser sein und ihre Amortisationsdauer verkürzen.

Hat Nuklearenergie einen Platz in einer Zukunft der sauberen Energien?

Khosla: Nuklearenergie könnte eine Zukunft haben. Allerdings sind die politischen und regulatorischen Risiken hoch, und der zeitliche Vorlauf für neue Kernkraftwerke ist enorm. Ich glaube, wir brauchen ein großes Hochspannungsnetz auf Gleichstrombasis, in das wir Energie aus Kernkraft, Wind, Photovoltaik, Solarthermie, Biomasse, Abfallprodukten oder allem anderen einspeisen, was innovativen Leuten einfällt.

Was halten Sie von der Vision einer Wasserstoff- Wirtschaft?

Khosla: Wasserstoff macht meiner Meinung nach keinen Sinn. Es gibt Kräfte, die alles mögen, was noch so weit entfernt ist, dass heute keine echten Änderungen nötig sind. Wir sollten uns Wasserstoff in zehn Jahren noch einmal anschauen, aber heute sieht er mir nicht nach einer überzeugenden Option aus.

Interview: Jason Pontin



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