Geldnot MobilCom will Festnetz-Sparte loswerden

Der Büdelsdorfer Telekommunikations-Konzern MobilCom will offenbar den Festnetz-Bereich an seine Internettochter Freenet abtreten. Analysten vermuten Geldnot.


Von einer Tasche in die andere: MobilCom will Freenet das Festnetz vermachen
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Von einer Tasche in die andere: MobilCom will Freenet das Festnetz vermachen

Düsseldorf - Ein MobilCom-Sprecher sagte, es gebe Überlegungen in diese Richtung. Wann der Verkauf stattfinden könnte und vor allem zu welchem Preis, stehe jedoch noch nicht fest.

Freenet-Chef Eckard Spoerr erklärte, die Übernahme solle durch eine Kapitalerhöhung finanziert werden und keinesfalls mit finanziellen Mitteln. "Wir haben einen fest definierten Business-Plan. Den wollen wir nicht gefährden", so Spoerr.

MobilCom hält derzeit 77 Prozent der Anteile an Freenet. Ein Verkauf hätte mehrere Vorteile: MobilCom könnte sich künftig auf das Kerngeschäft Mobilfunk konzentrieren und wäre zudem das verlustreiche Festnetz los. Mit dem Verkauf an Freenet würde zudem die Tochter gestärkt. Freenet hingegen könnte mit der Übernahme die Kontrolle über die ohnehin bereits genutzte Infrastruktur übernehmen und müsste sich nicht mehr nur mit einer Provision je Telefonminute zufrieden geben.

MobilCom braucht Geld

Neben diesen strategischen Überlegungen vermutet Ernst Scheerer von der Dresdner Kleinwort Wasserstein auch Geldnot bei MobilCom hinter dem Deal. Wahrscheinlich spekuliere der Büdelsdorfer Konzern nun auf eine Höherbewertung von Freenet. Mit der rechnet Scheerer allerdings kaum. Zwar könne es durchaus sein, dass Freenet nun schneller die Gewinnzone erreicht. Dass sich mit dem "langweiligen, stagnierenden Festnetzgeschäft" allerdings große Erfolge erzielen lassen, bezweifelt Scheerer.

Nach Angaben der "Financial Times Deutschland" verbuchte Freenet zwischen Januar und September des vergangenen Jahres einen Vorsteuerverlust von 12,8 Millionen Euro. MobilCom verlor im Festnetz knapp 3,9 Millionen Euro.

Die Aktien von MobilCom und Freenet büßten bis zum Mittag kräftig ein. MobilCom verlor rund 3,5 Prozent (24,48 Euro). Freenet verbilligte sich um rund fünf Prozent auf zwölf Euro.



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