Geldpolitik EZB fordert mehr Macht zur Bankenkontrolle

Die Europäische Zentralbank fordert als Konsequenz aus der Finanzkrise mehr Einfluss bei der Kontrolle von Banken. Die bisherige Aufgabenteilung unter vielen nationalen Notenbanken, glauben Experten, könnte zur Gefahr für die Ökonomie in der Euro-Zone werden.


Frankfurt am Main - In der europäischen Währungspolitik deuten sich neue Regeln an: Der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Lucas Papademos, sagte, die europäischen Währungshüter sollten "signifikant mehr Macht" zur Kontrolle der Banken in der Euro-Zone bekommen. Einem Bericht der "Financial Times" zufolge sagte Papademos, die EZB könnte die Kontrolle von Großbanken in Zusammenarbeit mit den nationalen Notenbanken übernehmen.

EZB-Zentrale in Frankfurt: Weitere Zinssenkung erwartet
AP

EZB-Zentrale in Frankfurt: Weitere Zinssenkung erwartet

Grund für den Vorstoß Papademos' sei die Befürchtung, dass die Euro-Zone angesichts der bisherigen zersplitterten Aufgabenteilung unter vielen Notenbanken nicht ausreichend geschützt sei. Eine Stärkung der EZB auf Kosten der einzelnen Notenbanken würde allerdings in den europäischen Hauptstädten nicht immer auf Zustimmung stoßen.

Rund einen Monat nach der größten Zinssenkung ihrer zehnjährigen Geschichte deutete Papademos eine weitere Lockerung der Geldpolitik an. Eine erneute Zinssenkung könnte notwendig werden, um die Konjunktur in der Euro-Zone zu stützen und die Gefahr einer Deflation einzudämmen. "Wir werden tun was notwendig ist, damit Preisstabilität gewährleistet bleibt", sagte der Währungshüter am späten Sonntagabend am Rande eines Treffens der American Economics Association in San Francisco. "Die Inflation dürfe für einen längeren Zeitraum nicht deutlich unter die Marke von 2,0 Prozent fallen."

Nach den jüngsten Analysen rechnet die EZB nach Papademos Worten mittelfristig allerdings noch nicht mit einem längerfristigen Abrutschen der Teuerungsrate unter diese Marke. In den vergangenen zwei Monaten hatte die Zentralbank den Leitzins bereits um 1,75 Prozentpunkte auf jetzt 2,50 Prozent gesenkt. Bei der nächsten Zinsentscheidung am 15. Januar rechnen Volkswirte mit einer erneuten Zinssenkung um mindestens 0,50 Prozentpunkte.

Im Kampf gegen die Rezession hatte die EZB zuletzt erst Anfang Dezember 2008 den Leitzins ungewöhnlich stark um 0,75 Punkte gesenkt. Laut jüngsten Prognosen sollen die Verbraucherpreise 2009 wieder stabil sein.

Die EZB teilte dem Bankensystem der Euro-Zone rund 216,1 Milliarden Euro zu. Es hätten insgesamt 600 Banken Gebote abgegeben, teilte die EZB am Montag in Frankfurt mit. Das Hautrefinanzierungsgeschäft war zu einem festen Zinssatz von 2,50 Prozent ausgeschrieben worden.

kaz/dpa-AFX



insgesamt 251 Beiträge
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Seite 1
Michael Giertz, 16.12.2008
1. Nix
Zitat von sysopHistorische Zinssenkung in den USA: Notenbankchef Ben Bernanke treibt die Leitzinsen weiter nach unten als von den meisten Experten erwartet. Künftig liegen sie zwischen 0 und 0,25 Prozent - so niedrig wie nie zuvor. Kann dies der kriselnden Wirtschaft helfen?
Nichts, wenn Banken keine Kredite ausgeben, weil sie jetzt ins andere Extrem verfallen und GAR keine Risiken mehr eingehen wollen.
Adran, 16.12.2008
2.
Zitat von sysopHistorische Zinssenkung in den USA: Notenbankchef Ben Bernanke treibt die Leitzinsen weiter nach unten als von den meisten Experten erwartet. Künftig liegen sie zwischen 0 und 0,25 Prozent - so niedrig wie nie zuvor. Kann dies der kriselnden Wirtschaft helfen?
Nein kann sie nicht.. hat shon die BoJ jahrelang probiert. Resultat, sie kann Zinsen erhöhen und senken wie sie will, dass interessiert keinen mehr. FED erleidet nun das gleiche Schicksal, und Heli-ben kann schon mal seine Hubschrauber starten! ;)
interessierter.leser, 16.12.2008
3. "Kostenloses" Geld
schafft kein Vertrauen sondern nur noch mehr Verunsicherung. In Japan ist dieses Experiment ueber lange Jahre hinweg schiefgelaufen, und in den USA wird es nicht anders sein. Allenfalls koennte man in den USA erwarten dass die Wirtschaft dort nach einer dank der 0+% kurzen Deflationsphase in der zweiten Jahreshaelfte 2009 direkt in die Hyperinflation schwenkt und damit auch den letzten Rest an Privatvermoegen ausradiert. Heli Ben hat seine letzte Karte ins Spiel gebracht und auch die wird nichts von dem bewirken was man sich davon erhofft.
Stramonium, 16.12.2008
4.
Zitat von sysopHistorische Zinssenkung in den USA: Notenbankchef Ben Bernanke treibt die Leitzinsen weiter nach unten als von den meisten Experten erwartet. Künftig liegen sie zwischen 0 und 0,25 Prozent - so niedrig wie nie zuvor. Kann dies der kriselnden Wirtschaft helfen?
die usa kann weder 0 Zins noch obama noch retten, die sind pleite, mangels fähigkeit zu wirtschaftlicher eigenleistung
Nihil, 16.12.2008
5.
Zitat von AdranNein kann sie nicht.. hat shon die BoJ jahrelang probiert. Resultat, sie kann Zinsen erhöhen und senken wie sie will, dass interessiert keinen mehr. FED erleidet nun das gleiche Schicksal, und Heli-ben kann schon mal seine Hubschrauber starten! ;)
Er startet sie schon. Steht alles im Artikel. Die Fed kauft den Giftmüll der Hypothekenanleihen auf und gibt dafür Dollar nicht zum Markt- sondern zum Nennwert. Demnächst kauft sie Staatsanleihen. Direkt vom Staat. Adios, Dollar, grüße den Zimbabwe-Dollar, sobald du ihn triffst.
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