Geldquelle Überweisungen in Entwicklungsländer sollen billiger werden

Für Entwicklungsstaaten sind Überweisungen ihrer Landsleute aus dem Ausland die wichtigste Kapitalquelle - bedeutender noch als Entwicklungshilfe. Doch Migranten zahlen für die Transfers teils horrend hohe Gebühren. Das will die Bundesregierung nun mit einer Internetseite ändern.

Berlin - Geldüberweisungen von in Deutschland lebenden Ausländern aus Entwicklungsländern in ihre Heimat sollen billiger werden. Das kündigten Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (beide SPD) heute in Berlin an. Die sieben führenden Industrieländer und Russland (G8) hatten bereits 2004 vereinbart, die Kosten von Geldtransfers in Entwicklungsländer um die Hälfte zu senken. Das Ziel ist allerdings noch nicht erreicht.

Wieczorek-Zeul sagte, die Kosten sollten durch mehr Wettbewerb verringert werden. Dazu wurde nun der Internet-Service "Geldtransfair" gestartet, mit dem Migranten die günstigsten Transferwege für Überweisungen in ihre Herkunftsländer wählen können. Unter der Adresse www.geldtransfair.de  werden die Konditionen mehrerer Anbieter in Herkunftsländer wie Albanien, Ghana oder Vietnam aufgelistet.

Der Ministerin zufolge konnten zum Beispiel in Großbritannien durch größere Kostentransparenz die Gebühren für Überweisungen nach Indien um 40 Prozent gesenkt werden. Einen ähnlichen Effekt erhofft sich das Ministerium von dem deutschen Internetportal. So werden alleine für die Türkei 99 Angebote aufgelistet. Demnach kostet etwa bei der Sparkasse Bochum eine Überweisung von 100 Euro 40 Euro Gebühren, im Online-Banking der Postbank nur 1,50 Euro.

Nach Schätzungen der Weltbank haben die jährlichen Überweisungen von Migranten weltweit in Entwicklungsländer einen Umfang von mehr als 300 Milliarden US-Dollar. Diese Summe ist nach Steinbrücks Angaben mehr als doppelt so hoch wie alle Entwicklungshilfezahlungen in aller Welt zusammen. "Migrantentransfers" seien damit die wichtigste Kapitalquelle der Entwicklungsländer. 2004 stellten die G8 auf ihrem Gipfel fest, dass die Transaktionskosten 15 Prozent und mehr betragen, weshalb hohe Summen oft noch in bar transportiert werden.

Welche Bedeutungen die Transfers für die Heimatländer haben, wird am Beispiel Serbiens deutlich. Nach Angaben der dortigen Zentralbank haben die 700.000 im Ausland lebenden Serben 2006 drei Milliarden Dollar nach Hause geschickt, davon kamen alleine 300 Millionen Dollar aus Deutschland. Zentralbank-Gouverneur Radovan Jelasic sagte, nur die Hälfte dieses Betrages sei überwiesen worden, die andere Hälfte dagegen in bar gekommen.

kaz/dpa-AFX/Reuters

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