Geldtransportfirma US-Investor schluckt Heros

Wegen Betrügereien der Führungskräfte musste die deutsche Geldtransportfirma Heros Insolvenz anmelden. Jetzt zeichnet sich eine bittere Lösung für das Unternehmen ab.


Hannover - Ein amerikanischer Finanzinvestor will die nach dem Unterschlagungs-Skandal zusammengebrochene Heros-Gruppe übernehmen. Sieben Wochen nach der Insolvenz des Hannoveraner Werttransportunternehmens habe der Gläubigerausschuss die Erlaubnis für einen Vertragsabschluss mit MatlinPatterson gegeben, teilte das Pressebüro des US-Unternehmens heute in Frankfurt am Main mit.

Heros-Geldtransporter: Der Betrieb soll künftig unter amerikanischer Führung weiterlaufen
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Heros-Geldtransporter: Der Betrieb soll künftig unter amerikanischer Führung weiterlaufen

Preis der Rettung ist allerdings ein massiver Stellenabbau: Mindestens 1600 der bundesweit zuletzt 4600 Arbeitsplätze bei Heros sollen gestrichen werden. Weitere Beschäftigte sollen von einer noch zu gründenden Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft übernommen werden. Damit wollen die neuen Investoren nach Darstellung des vorläufigen Heros-Insolvenzverwalters Manuel Sack die Möglichkeit schaffen, bei dem erwarteten Wachstum "flexibel" auf den künftigen Personalbedarf reagieren zu können.

Der Investor habe sich verpflichtet, das Unternehmen mit frischem Kapital auszustatten und den Betrieb flächendeckend fortzuführen, hieß es heute.

Per Schneeballsystem in die Pleite

Bei Deutschlands größtem Geldtransportunternehmen sollen laut Staatsanwaltschaft durch eine Art Schneeballsystem innerhalb mehrerer Jahre Millionen unterschlagen worden sein. Der Gesamtschaden wurde zuletzt auf 350 Millionen Euro beziffert. Zu den Geschädigten gehören die Handelsriesen Edeka und Rewe, allein letztere beklagt 160 Millionen Euro Schaden.

Vier von zehn Beschuldigten sitzen in Untersuchungshaft. Ihnen wird schwere Untreue und gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. Auch gegen einen früheren Rewe-Mitarbeiter wird wegen Manipulation ermittelt. Er soll Geld von Heros erhalten haben, damit er schwieg, wenn das Geldtransportunternehmen Kundengelder verspätet überwies.

Ende Februar meldete die Heros-Gruppe für alle 23 Tochtergesellschaften Insolvenz an.

Das Beteiligungsunternehmen MatlinPatterson ist den Angaben zufolge spezialisiert auf den Erwerb von Unternehmen, die einer finanziellen Neuausrichtung bedürfen. Nach Aussage von Mitbegründer Mark Patterson sieht das Unternehmen in der Übernahme von Heros eine langfristige Investition. Insolvenzverwalter Sack erklärte, die wichtigsten Voraussetzungen seien nun geschaffen, um die Heros-Gruppe wie geplant zum 1. Mai in neue Hände zu geben.

kaz/AP/dpa/Reuters



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