Geldwäsche Banken zeigten auch 900 unschuldige Kunden an

Das Geschäft mit der Geldwäsche nimmt immer bedrohlichere Dimensionen an. Auch in Deutschland wächst die Zahl der Verdachtsfälle stetig. Die Banken verschärfen ihre Kontrollen und investieren Millionen, um dem illegalen Treiben Herr zu werden.

Frankfurt am Main - Von solchen Wachstumsraten kann die legale Wirtschaft derzeit nur träumen: Im Schnitt um 15 Prozent wächst das Geschäft mit der Geldwäsche jedes Jahr, schätzen die Ermittlungsbehörden. Mindestens eine Billion Dollar illegaler Gelder werden weltweit alljährlich in den legalen Geldkreislauf geschleust - 40 Prozent davon stammen allein aus dem Drogenhandel.

Geldwäsche hat sich zu einem blühenden Geschäft entwickelt - und zu einer immer größeren Bedrohung. Spätestens seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 sind die illegalen Geldtransaktionen auch als Finanzierungsquellen für Terroristen ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt.

Die Banken haben deshalb ihre Kontrollen der Zahlungsströme verschärft. Laut einer Studie der Unternehmensberatung KPMG haben seit 2001 rund 83 Prozent der Banken ihre Ausgaben für die Geldwäsche-Prävention um mehr als 60 Prozent gesteigert. Die meisten Mittel flossen dabei in technische Überwachungsmaßnahmen und Mitarbeiterschulung. Alleine die Deutsche Bank gibt dafür nach eigenen Angaben jährlich 15 Millionen Euro aus.

Mehr als 6500 Verdachtsfälle in Deutschland

Ein Ergebnis der Investitionen: Im vergangenen Jahr meldeten die Banken in Deutschland mehr als 6500 Verdachtsfälle bei den Ermittlungsbehörden. Immerhin 85 Prozent der Fälle erwiesen sich als stichhaltig und zogen weitergehende Ermittlungen nach sich, berichtete der hessische Innenminister Volker Bouffier (CDU) im Rahmen der "Euro Finance Week" in Frankfurt. Bei einfacher Geldwäsche sieht das Strafgesetzbuch eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren vor.

Das Geldwäschegesetz wurde zum Jahresbeginn erneut verschärft. Banken und Versicherungen sind seither verpflichtet, Vorkehrungen gegen die Geldwäsche zu treffen und den Behörden verdächtige Fälle zu melden. In einem ersten Schritt fischen elektronische Filter Transaktionen über 15.000 Euro heraus. Doch diese Grenze ist umstritten, schließlich ist es für die Täter ein Leichtes, ihre illegalen Geldbeträge in kleinere Summen zu stückeln und so die automatischen Kontrollen zu unterlaufen.

Wie weit darf die Kontrolle gehen?

Ohnehin bewegen sich die Banken bei ihren Kontrollen in einem Grenzbereich. Rolf Breuer, Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, sieht in den veröffentlichten Verdachtszahlen der Banken Anlass zur Kritik: Offensichtlich hätten die Banken in Anwendung der behördlichen Vorschriften auch rund 900 unschuldige Kunden angezeigt. Dies könne von den Kunden als Vertrauensbruch empfunden werden.

"Es muss vermieden werden, dass die Konten Unbescholtener blockiert werden", so Breuer. Im Blick auf die Verdachtsanzeigen stelle sich zudem die Frage, ob die Banken ihre Kunden darüber informieren sollten. Zumindest müsse sichergestellt werden, dass Bankkunden, die zu Unrecht angezeigt worden seien, von der Staatsanwaltschaft nichts über diese Anzeigen erfahren.

Internationale Transaktionen kaum zu überwachen

Dem Berliner Bundesfinanzministerium und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in Bonn warf Breuer vor, sie hätten sich auf dem internationalen Parkett zu wenig engagiert. So sei die zweite Anti-Geldwäsche-Richtlinie der Europäischen Union praxisfremd, kritisierte Breuer. Sie schreibe zum Beispiel vor, dass die Banken "politisch exponierten Personen" besondere Aufmerksamkeit widmen müssten. Völlig unklar sei, wer damit gemeint sei: "Der Bürgermeister von Hanau? Oder der Landesvorsitzende einer Partei?"

Größtes Problem für die Kontrolleure ist aber die internationale Verflechtung der illegalen Zahlungsströme. Experten attestieren den Banken besonders großen Nachholbedarf bei der Überwachung des grenzüberschreitenden Geldverkehrs. Transaktionen oder auch nur den Kontostand eines Kunden über mehrere Staatsgrenzen hinweg zu verfolgen sei schwierig und häufig sogar unmöglich.