Geldwäsche-Ermittlungen Was wusste Präsident Putin?
Wiesbaden/Darmstadt - Dem Bundeskriminalamt (BKA) ist es nach eigenen Angaben erstmals gelungen, eine deutsche Aktiengesellschaft als mutmaßliche Geldwaschanlage der Russen-Mafia zu enttarnen. Nach Informationen von "manager-magazin.de" handelt es sich dabei um die Sankt Petersburg Immobilien und Beteiligungs AG (SPAG) mit Sitz im südhessischen Mörfelden-Walldorf.
Am Dienstag waren im Rhein-Main-Gebiet, in Hamburg und München insgesamt 28 Firmen und Wohnungen durchsucht worden. Markus Rese, Vorstand der SPAG, bestritt gegenüber manager-magazin.de die Vorwürfe: "Dies ist der Versuch, mit einer Schrotflinte in eine dunkle Scheune zu schießen, um irgend jemand zu treffen". Die Vorwürfe der Justiz seien ihm seit langem bekannt, und gegen sein Unternehmen werde bereits seit dem Jahr 2000 ermittelt. Doch bisher hätten die Untersuchungen nichts erbracht.
Der russische Präsident Putin, so Rese, sei tatsächlich Beirat des Unternehmens gewesen und sogar im Geschäftsbericht erwähnt worden. Diese Position habe Putin jedoch nur "ehrenhalber" angenommen. Putin sei bei der SPAG seines Wissens nie in Erscheinung getreten.
Auch die Baader AG wurde durchsucht
Unter den durchsuchten Objekten war auch die Baader Wertpapierhandelsbank AG im bayerischen Unterschleißheim, die laut IR-Sprecher Nico Baader eine rund 30-prozentige Beteiligung an der SPAG erworben und das Unternehmen 1997 an die Börse gebracht hatte.
Nico Baader gegenüber manager-magazin.de: "Diese Beteiligung ist durch den Kursverfall der SPAG-Aktie auf einen Restbuchwert von unter eine Million Euro gesunken. Unser Engagement bei der Sankt Petersburg Immobilien und Beteiligungs AG ist ein rein finanzielles Investment. Von den laut BKA kriminellen Handlungen des Unternehmens war uns nichts bekannt." Im Aufsichtsrat der SPAG sitzen laut dem Geschäftsbericht 2002 auch zwei Aufsichtsräte der Baader-Bank: Peter Schemuth und der Vize-Aufsichtsratsvorsitzende der SPAG, Horst Schiessl.
Vor einiger Zeit hatte bereits das amerikanische Nachrichtenmagazin "Newsweek" in seiner Ausgabe vom 3. September 2001 über die Verdachtsmomente berichtet. Der Artikel mit der Überschrift "A Stain on Mr. Clean" befasst sich vor allem mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, der damals einen Sitz im Beirat der SPAG hatte. Dieses Amt legte er nach sieben Jahren nieder, als er im März 2000 zum Präsidenten gewählt wurde.
Das hessische Unternehmen reagierte mit einem scharfen Dementi auf die Darstellung in "Newsweek". In einer Stellungnahme heißt es über den Artikel: "Irgendwelche Belege oder auch nur Indizien für diese abenteuerlichen Behauptungen werden nicht geliefert."
Lesen Sie hier, welche Vorwürfe BKA und Staatsanwaltschaft erheben
Vorwurf: Mehrere Millionen Euro gewaschen
Nach Angaben von BKA und Staatsanwaltschaft Darmstadt wird Verantwortlichen der südhessischen AG vorgeworfen, für eine mächtige Mafia-Gruppe aus St. Petersburg mehrere Millionen Euro in den legalen Wirtschaftskreislauf geschleust zu haben. Die so gewaschenen Gelder stammten laut BKA aus illegalen Geschäften wie Autoschiebereien, Menschenhandel, Alkoholschmuggel und Schutzgelderpressung.
Manager des Unternehmens sollen laut BKA zum Zweck der Geldwäsche ein komplexes Personen- und Firmengeflecht aufgebaut haben, zu dem auch Scheinfirmen in so genannten Offshore-Ländern mit ungenügenden Finanzkontrollen gehörten. Größere Geldsummen aus Russland wurden offenbar über eine Vielzahl von internationalen Konten geschleust und in Südhessen für Kapitalerhöhungen der AG genutzt, berichteten die Ermittler. Als Immobilieninvestitionen getarnt seien sie nach Russland zurückgeflossen.
Keiner der Verdächtigen in Haft
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sitzt derzeit keiner der Verdächtigen in Haft. Die Ermittlungen erstrecken sich auch auf den Verdacht der Untreue, da einige Kartellmitglieder offenbar einen Teil des Geldes für sich selbst abgezweigt haben.
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) soll eine Untersuchung gegen die Verantwortlichen wegen des Verdachts der Kursmanipulation und des Insiderhandels aufgenommen haben. Die Information wollte das Amt gegenüber manager-magazin.de allerdings nicht bestätigen. Sprecherin Sabine Reimer verwies auf das BKA und lehnte eine weitere Stellungnahme ab.
Die Sankt Petersburg Immobilien und Beteiligungs AG wurde 1992 gegründet und ist unter HRB 54431 beim Amtsgericht Darmstadt eingetragen. Gegenstand des Unternehmens ist nach eigener Auskunft "der Erwerb, die Verwaltung, Vermietung und Verpachtung, der Aufbau und Ausbau sowie die Veräußerung von Grundstücken, Immobilien und grundstücksgleichen Rechten".
Auf der Homepage der SPAG heißt es: "Zur Durchführung ihrer Investitionsvorhaben bedient sich die SP AG russischer Projektgesellschaften, an denen sie mehrheitlich beteiligt ist. Nachdem im Jahre 1997 das erste Projekt, das Business Center Inform Future GmbH fertig gestellt wurde, liegt der Schwerpunkt zurzeit auf der Entwicklung des Projekts Snamenskaja auf dem Nevskij Prospekt. Verfügbare weitere Projekte werden bei der Gesundung der russischen Wirtschaft weiter verfolgt."