Gelungenes Referendum Panama-Kanal wird für Milliarden ausgebaut

Klinkenputzen, stundenlange Reden - in den letzten Wochen legten sich panamaische Politiker kräftig ins Zeug, um die Bevölkerung vom Ausbau des Panama-Kanals zu überzeugen. Nun brachte das Referendum eine Mehrheit. Doch die milliardenteuren Arbeiten werden schwer auf dem Landeshaushalt lasten.


Panama-Stadt - Panamas Staatschef Martin Torrijos jubelte: "Heute sind wir zum Herr über unser Geschick geworden", erklärte er gestern. "Heute haben wir den Grundstein für ein besseres Land gelegt." Wie die Wahlkommission nach Auszählung von 95 Prozent der Stimmen mitteilte, sind 78 Prozent der panamaischen Wähler dafür, den fast hundert Jahre alten Kanal auszubauen.

2,1 Millionen wahlberechtigte Panamaer waren am Sonntag aufgerufen, über die Erweiterung zu entscheiden. Die Kanalerweiterung soll mithilfe neuer Schleusen gigantischen Containerschiffen mit bis zu 12.000 Containern die Durchfahrt zwischen Pazifik und Atlantik ermöglichen und kostet über fünf Milliarden Dollar. Nach Ansicht von Experten wäre der Kanal in vier bis fünf Jahren zu eng geworden für die immer größer werdenden Stahlkolosse.

Die Kanal-Behörde versichert, der Ausbau werde durch höhere Durchfahrtgebühren finanziert und werde bis 2025 Einkünfte von 4,8 Milliarden Euro bringen. Kritiker befürchten Umweltschäden und glauben nicht an die niedrigen Kosten, die die Regierung veranschlagt. Der Ausbau wird nach Angaben der Gegner des Projekts etwa acht Milliarden Dollar kosten.

Zudem war im Vorfeld keineswegs sicher, dass die Bevölkerung sich im Referendum für den Ausbau entscheiden würde. Die arme Mehrheit der Einwohner - die Armutsquote in dem Staat, der nur rund drei Millionen Einwohner hat, liegt bei 40 Prozent - bekommt nur wenig ab vom blühenden Geschäft um den Kanal.

Der Verkehr im Panamakanal war in den letzten Jahren immer mehr gestiegen und die Lizenzen für die Durchfahrt sind heiß begehrt. Oft müssen Schiffe tagelang warten, bevor sie die Transitstrecke befahren dürfen. Inzwischen gibt es sogar Versteigerungen für Passage-Slots in letzter Minute, die den Reedereien bis zu 220.000 Dollar wert sind. Zurzeit nehmen rund 14.000 Schiffe pro Jahr die Abkürzung vom Pazifischen zum Atlantischen Ozean. Das Land müsse sich dem Wettbewerb stellen, argumentierte Staatschef Torrijos, andernfalls werde der Kanal zugunsten anderer Routen an Bedeutung verlieren.

Wirtschaftlich ist der Kanal für Panama von großer Bedeutung: Der Panama-Kanal trägt umgerechnet 1,1 Milliarden Euro zum Haushalt des mittelamerikanischen Staates bei. 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hängen von ihm ab. Die Kanalbehörde gilt als Staat im Staat; sie hat fast 9000 Angestellte. Der Ausbau würde nach Angaben der Regierung direkt 7000 neue Arbeitsplätze schaffen - und indirekt bis zu 35.000 weitere. Torrijos kann auf breite Unterstützung bauen: Die Privatwirtschaft unterstützt den Ausbau genauso wie die Kirchen und sogar die Mehrheit der Oppositionsparteien.

Den Panama-Kanal hatten zwischen 1904 und 1914 die Vereinigten Staaten gebaut; bis 1999 war er in ihrem Besitz. Zuvor war Frankreich mit einem ähnlichen Plan gescheitert. Der Kanal ist etwa achtzig Kilometer lang. Schiffe müssen seit seiner Eröffnung nicht mehr das Kap Horn an der Südspitze Südamerikas umfahren und sparen dadurch Zeit.

ase/AP/AFP/dpa



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