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GEWERKSCHAFTEN »Gemeinsame Kasse«

aus DER SPIEGEL 50/1998

Harald Schartau, 45, IG-Metall-Chef in Nordrhein-Westfalen, über die Reform der Gewerkschaften

SPIEGEL: Eine gigantische Fusionswelle verändert die Wirtschaft. Was bedeutet das für die Gewerkschaften?

Schartau: Wir müssen die gewerkschaftliche Zersplitterung in Europa überwinden und uns wie die Unternehmen über Landesgrenzen hinweg zusammenschließen. Die internationale Konkurrenz um Arbeit und Arbeitsplätze nimmt zu. Nationale Regelungen verlieren angesichts weltweit agierender Unternehmen ihre Bindekraft.

SPIEGEL: Was heißt Zusammenschluß?

Schartau: Wir brauchen Fusionen der europäischen Gewerkschaften. Wer die Arbeits- und Lebensbedingungen im europäischen Maßstab gestalten will, muß europäische Gestalt annehmen. Ich will allerdings keine Multigewerkschaften, bei denen durch zentralistische Führung nationale Identitäten verlorengehen.

SPIEGEL: Sollen die Milliarden an Mitgliedsgeldern künftig in eine Kasse fließen?

Schartau: Wir brauchen gemeinsame Strukturen, die eine operative Zusammenarbeit erzwingen. Neben Schaltzentrale, Koordinierungsgremium und internationalem Personalaustausch gehört dazu vor allem eine gemeinsame Kasse. Alle bisherigen Kooperationen zeigen: Nur wer aus einer Kasse arbeitet, wächst auch wirklich zusammen. Wir haben keine andere Wahl.

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