General Motors Wagoner kämpft gegen Renault-Allianz

Der US-Autogigant General Motors steht vor der wohl weitest reichenden Entscheidung in seiner Firmengeschichte. Der Verwaltungsrat berät zurzeit über die Forderung seines Großaktionärs Kirk Kerkorian, der auf eine Beteiligung von Renault und Nissan an General Motors dringt.


Detroit/Rüsselsheim - GM-Chef Rick Wagoner sucht nach Einschätzung von Kennern des Konzerns nach Mitstreitern gegen Kerkorian. Vor kurzem erst hatte er ein massives Sparpaket mit dem Abbau von 30.000 Jobs verkündet, das es in den nächsten Monaten durchzusetzen gilt. Neue Allianzen würden die Sache erheblich komplizieren. Zwar hatte GM erklärt, den Vorschlag objektiv prüfen zu wollen. Analysten gehen allerdings davon aus, dass Wagoner das Thema am liebsten beerdigen will.

GM-Designzentrum: Knallharte Konkurrenten
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GM-Designzentrum: Knallharte Konkurrenten

Wagoner wolle auf der Verwaltungsratssitzung seine Bedenken gegen das Bündnis äußern, die Allianz aber nicht rundweg ablehnen, heißt es. Die Skepsis des GM-Vorstandschefs dämpfe aber die Aussichten auf einen Erfolg der Gespräche noch vor deren Beginn, schrieb das "Handelsblatt".

Unterdessen warnte der oberste Arbeitnehmervertreter von General Motors in Europa, Klaus Franz, vor einer feindlichen Übernahme des Konzerns durch Renault und Nissan. "In dieser globalisierten Welt ist alles möglich, sogar eine feindliche Übernahme", sagte Franz, der auch Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Opel ist, der "Allgemeinen Zeitung" in Mainz. Eine Übernahme hätte dramatische Auswirkungen auf die deutsche GM-Tochter Opel, er sehe existenzielle Gefahren.

Franz betonte, GM und Renault seien "knallharte Konkurrenten" und hätten auch in der Entwicklung große Kapazitäten in Europa konzentriert. Der Opel-Gesamtbetriebsratschef warnte auch vor dem Einfluss der französischen Regierung auf Renault, die an dem Autobauer 15 Prozent hält. Renault habe eines seiner modernsten Werke in Belgien geschlossen, aber weniger profitable Standorte in Frankreich nicht angetastet.

GM leidet in Nordamerika unter einem schleichenden Verlust von Marktanteilen, hohen Gesundheitskosten für die Mitarbeiter sowie Pensionslasten. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern einen Rekordverlust von mehr als zehn Milliarden Dollar eingefahren.

Kerkorian hatte in der Vergangenheit mehrfach, die aus seiner Sicht zu schleppende Sanierung des Konzerns kritisiert.

Renault und Nissan hatten sich Anfang der Woche für Gespräche über einen Verbund mit GM ausgesprochen unter der Bedingung, dass der angeschlagene Autokonzern einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet. Bei einem Erfolg würde der mit Abstand größte Verbund mit einem Marktanteil von knapp 25 Prozent entstehen. Allerdings waren in Frankreich bereits erste Zweifel an dem Vorhaben laut geworden. Industrieminister Francois Loos nannte das Projekt zwar im Grundsatz positiv. Es sei aber große Vorsicht geboten, hatte er gesagt.

mik/AP



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