Genfood aus den USA "Versenkt Euren Reis im Ozean"

Weil in Europa immer mehr genmanipulierter Reis aus den USA auftaucht, ist die Aufregung groß. Keiner der Anbieter, der an Supermärkte und Großküchen liefert, will die US-Ware im Sortiment haben. Nun reagiert die Branche mit hektischen Kontrollen.
Von Tim Höfinghoff

Hamburg - Wenn US-Reishändler nach Good Old Europe reisen und ihre Ware anpreisen, stoßen sie auf wenig Gegenliebe. Auf ihre Frage, warum sie keine Abnehmer hierzulande finden, bekommen sie derzeit ungewohnte Antworten: "Versenkt Euren Reis doch im Ozean oder schickt ihn woanders hin", hat ein deutscher Kunde den US-Produzenten erst kürzlich zugerufen.

Solche drastischen Sätze seien nötig, erzählt ein Branchenkenner, denn die Lieferanten aus Amerika würden anders nicht begreifen, dass ihr genmanipulierter Reis "in Europa nicht erlaubt ist".

Ende August hatten die USA die europäischen Behörden gewarnt, dass in kommerziell angebautem Reis Spuren der gentechnisch veränderten Sorte gefunden wurden. Importeure von US-Langkornreis in der Europäischen Union (EU) müssen seither nachweisen, dass ihre Reislieferungen keine Spuren der genmodifizierten Sorte "LL 601" enthalten.

Gestern meldete die EU-Kommission, dass mehr als jede fünfte Probe Langkornreis in Europa den nicht zugelassenen Reis enthält. Auch in Frankreich und Schweden wurden in Reisproben Spuren von "LL601" entdeckt. In Deutschland ist laut EU kein genetisch veränderter Reis entdeckt worden. Auch das Bundesverbraucherministerium hat dazu keine Informationen.

Greenpeace sorgt für Aufregung

Doch Greenpeace schockte die deutschen Verbraucher mit der Meldung, in Aldi-Filialen gentechnisch veränderten Reis entdeckt zu haben. "Zwei Labore haben die DNA-Sequenz nachgewiesen", sagt Ulrike Brendel von Greenpeace. Dies sei ein Skandal für die Gentechnik-Industrie: Die Hersteller der genmanipulierten Pflanzen könnten deren Ausbreitung nicht verhindern.

Die Rechte am "LL601"-Reis hält Bayer. Das Unternehmen hatte den Pharmakonzern Aventis CropScience vor vier Jahren übernommen, der mit "LL 601" experimentiert hatte. Die Sorte wird nicht angebaut und nicht vermarktet - nun forschen die Unternehmen, wo der manipulierte Reis herkommt. Derweil fordert Greenpeace, die von Bayer CropScience angestrebte Zulassung einer weiteren Gen-Reissorte zu stoppen. Dabei geht es um "Liberty Link 62" (LL62). Dieser Reis enthält die gleiche gentechnische Veränderung wie "LL601". Bayer CropScience will, dass der Import von "LL62" nach Europa zugelassen wird.

Inzwischen hat Aldi den Reis aus dem Regal verbannt. Das Produkt "Bon-Ri" soll erneut untersucht werden, wie eine Sprecherin von Aldi Nord sagte. Kunden könnten den Reis in den Filialen zurückgeben und bekommen ihr Geld zurück. "Wir haben die Sorte vorsorglich aus den Regalen genommen, obwohl die von uns veranlassten Tests bislang keinerlei Belastung mit angeblich gentechnisch verändertem Reis ergeben haben."

Importeur des angeblich belasteten Reises ist die Reiskontor Handels GmbH, eine Tochter des Unternehmens Euryza. Mit diesem Reis seien acht der insgesamt 35 Verkaufsregionen von Aldi Nord beliefert worden. "Wir müssen uns jetzt überlegen, eventuell mit einer neuen Marke anzutreten", so die Aldi-Sprecherin.

Die Reiskontor Handels GmbH ließ mitteilen, dass "kein Reis, der nicht zweifelsfrei durch ein entsprechendes Zertifikat als einwandfrei eingestuft worden ist, in unserem Unternehmen aufgenommen, beziehungsweise verarbeitet oder ausgeliefert wird". Bisher lägen keine Untersuchungsergebnisse vor, die das Test-Ergebnis von Greenpeace bestätigen würden.

Keine Panik bei Uncle Ben's

Doch die deutschen Reisproduzenten sind nun in Aufregung: "Es scheint so zu sein, dass Verarbeiter und Anbieter europaweit betroffen sind", sagt Euryza-Geschäftsführer Rolf Dziedek. "Die Branche ist aufgeschreckt", berichtet auch Rolf Eick, Geschäftsführer von Rickmers Reismühle in Bremen. "Alle Kunden wollen nun von uns eine Bestätigung, dass wir keinen Reis aus den USA anbieten." Bisher sei in seinem Unternehmen kein Genreis aus den USA gefunden worden. "Wir wollen keinen Genreis", sagt Eick, "das ist ein Naturprodukt und das soll auch so bleiben."

"Es ist katastrophal", heißt es bei Müller's Mühle in Gelsenkirchen, einem der größten Reisanbieter in Deutschland, der auch Aldi zu seinen Kunden zählt. "Es wird wohl sehr schmerzlich für uns sein." Zumal einige Anbieter einräumen müssen, bisher nur "sporadische Tests" durchgeführt zu haben. Seit aber die Warnung aus den USA gekommen ist und Aldi die Regale ausräumt, hat ein hektisches Treiben in den Laboren begonnen.

Obwohl das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) keine Gesundheitsgefahr für Verbraucher sieht, fürchten die Reis-Anbieter teure Rückrufaktionen und verunsicherte Verbraucher. "Schließlich liefern wir auch für Babynahrung", sagt Rickmers Reismühle-Chef Eick.

Zudem schränkt das BfR ein: "Wir können keine eigene Risikoabschätzung angeben, weil die Reissorte nicht zugelassen ist", sagt ein BfR-Sprecher. Die US-Lebensmittelbehörde FDA habe auf Grund von Vergleichen mit anderen Pflanzen abgeschätzt, dass für "LL601" kein Gesundheitsrisiko erkennbar ist.

Bei all dem Ärger um Reis aus den USA gibt sich eine Firma gelassen: Masterfoods, die mit Uncle Ben's die wohl bekannteste Marke verkaufen, bieten nach eigenen Angaben "auf dem deutschen Markt keinen Reis aus den USA" an.

Mit dpa, Reuters, AFP

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