Genmais Unternehmen wollen Zulassung gerichtlich erzwingen

Was Umweltschützer können, können Unternehmer schon lange: Bisher haben vor allem Gentechnikgegner versucht, mit juristischen Mitteln den Anbau von Genmais zu verhindern. Nun ziehen die Produzenten vor Gericht, um von Verbraucherministin Renate Künast die Zulassung zu erzwingen.


Genmais: Als Lebensmittel in der EU erlaubt, doch das Saatgut ist nicht zugelassen
DPA

Genmais: Als Lebensmittel in der EU erlaubt, doch das Saatgut ist nicht zugelassen

Berlin - Der Name MON 810 erinnert wenig an Gemüse: Doch hinter dem Kürzel steckt eine Maissorte, die aufgrund gezielter Veränderung des Erbmaterials resistent gegen Schädlingsbefall ist. Die EU hatte den Mais bereits vor sieben Jahren zugelassen, doch die Genehmigung des in Deutschland zuständigen Bundessortenamts steht nach wie vor aus.

Mit einer einstweiligen Verfügung wollen nun mehrere Unternehmen, zu denen unter anderem der US-Saatgutkonzern Monsanto gehört, die Zulassung noch in diesem Sommer erzwingen, berichtet die "Berliner Zeitung". Sollten die Firmen Recht bekommen, könnte der Mais bereits im nächsten Frühjahr großflächig ausgesät werden. Die klagenden Unternehmen werfen Verbrauchsministerin Renate Künast, der das Bundessortenamt untersteht, politische Motive für die Verzögerung vor.

Ein Staatssekretär des Ministeriums erklärte dagegen die Haltung des Ministeriums mit einer rechtlichen Lücke bei der EU-Zulassung. Der Mais selbst sei in Brüssel zwar angemeldet, nicht jedoch das Saatgut. Damit sei die Voraussetzung für eine Zulassung in Deutschland nicht gegeben.

Bisher wird die umstrittene Maissorte in Deutschland nur auf einigen Versuchsfeldern angebaut. Umweltschützer hatten in den vergangenen Jahren mit teilweise aufsehenerregenden Aktionen vor dem Anbau gewarnt. Sie verweisen auf Studien, denen zufolge der Mais außer Schädlingen auch Raupen und Schmetterlinge schädigt. Außer Deutschland haben bisher auch die Slowakei, Polen und Ungarn dem Mais die Zulassung verweigert.



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