Geplanter Antrag Vattenfall will AKW Brunsbüttel länger am Netz halten

Der Energiekonzern Vattenfall Europe will sein Atomkraftwerk in Brunsbüttel doch über 2009 hinaus am Netz halten . Als Begründung dafür muss der Klimawandel herhalten.


Berlin – Der Antrag werde Thema der Pressekonferenz sein, zu der der Konzern kurzfristig für Heute eingeladen habe, sagte ein Branchenvertreter laut Nachrichtenagentur Reuters. Das Unternehmen hatte bereits angekündigt, einen Antrag auf Laufzeitverlängerung für den Reaktor zu stellen und dies mit dem Klimaschutz zu begründen.

AKW Brunsbüttel: Erst in der nächsten Legislaturperiode vom Netz?
DDP

AKW Brunsbüttel: Erst in der nächsten Legislaturperiode vom Netz?

Brunsbüttel müsste nach dem Atom-Ausstiegsbeschluss im Jahr 2009 vom Netz und damit noch in dieser Wahlperiode. Im vergangenen Jahr hatten bereits die Konzerne RWE Chart zeigen für Biblis und EnBW Chart zeigen für Neckarwestheim entsprechende Anträge gestellt.

Im Interview hatte der Chef des schwedischen Mutterkonzerns Vattenfall Chart zeigen, Lars Josefsson, angekündigt, man werde den Verlängerungsantrag für Brunsbüttel mit dem Kampf gegen den Klimawandel begründen. "Wenn man die Zahlen anschaut, wird es sehr schwierig, die Klimaziele ohne Atomkraft zu erreichen", hatte Josefsson betont, der auch Klimaberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist. "Diese Debatte wird sich sicherlich zuspitzen", hatte er vorhergesagt. Vattenfall könnte nach dem Atomgesetz nicht genutzte Laufzeiten von Stade, das bereits abgeschaltet ist, auf Brunsbüttel übertragen.

Dann würde der Reaktor zehn Monate länger laufen können und müsste erst 2010 vom Netz, also erst in der nächsten Wahlperiode. Da Stade älter als Brunsbüttel ist, wäre ein solcher Antrag anders als die Anträge von RWE und EnBW, wo Strom von moderneren Kraftwerken übertragen werden soll, unproblematisch.

Vattenfall bräuchte allerdings dafür zum einen die Zustimmung von E.on Chart zeigen, das zwei Drittel an Stade gehalten hat. Zum anderen wäre dies nur eine sehr kurze Verlängerung, die dann offensichtlich nur auf neue politische Mehrheiten nach einer Bundestagswahl 2009 setzen würde.

Der SPD-Vize-Fraktionschef Ulrich Kelber sagte: "Wenn Vattenfall die Verlängerung mit dem Klimaschutz begründen will, ist das ein dreister Etikettenschwindel." Es gehe dem Unternehmen nur darum, abgeschriebene Kraftwerke weiterlaufen lassen zu können.

Der schwedische Staatskonzern Vattenfall hatte zuletzt wegen Störfällen bei seinem Reaktor Forsmark Schlagzeilen gemacht. In diesem Zusammenhang war auch die Sicherheit von Brunsbüttel in die Diskussion geraten. An Brunsbüttel ist auch der E.on-Konzern zu einem Drittel beteiligt.

RWE und EnBW hatten bereits Anträge für die AKW Biblis A und Neckarwestheim I gestellt, so dass die Anlagen über die Wahlperiode hinaus laufen könnten. Zwischen Union und SPD ist der Atomausstieg umstritten, gilt aber dem Koalitionsvertrag zufolge wie noch von Rot-Grün beschlossen weiter.

Die EU hatte den Druck beim Klimaschutz auf Deutschland erhöht, indem sie Deutschland erheblich weniger Rechte für den CO2-Ausstoß zugebilligt hatte, als die Bundesregierung ursprünglich an Versorger und Industrie verteilen wollte. Dies hatte auch die Debatte über die Nutzung der Atomkraft neu entfacht.

Am Freitag war aus Regierungskreisen bekannt geworden, dass RWE mit einem Teil seines Antrags für die Verlängerung von Biblis gescheitert sei. Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte sich bereits skeptisch zu dessen Chancen geäußert.

itz/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.