Geplanter Börsengang Bahn erteilt Volksaktie eine Absage

Hedge- und Staatsfonds, die russische und die französische Eisenbahn - sie alle sind beim geplanten Bahn-Börsengang als Anleger willkommen. Der Konzern will vor allem institutionelle Investoren ansprechen. Die Idee einer Volksaktie ist damit endgültig gestorben.

Frankfurt am Main/Berlin - Bei der Bahn gibt man sich unbeeindruckt von den aktuellen Turbulenzen am Aktienmarkt. Es gebe keine Dax-Untergrenze, bei der der geplante Börsengang verschoben würde, sagte Finanzvorstand Diethelm Sack. "Ich glaube nicht, dass die Finanzmarktkrise etwas mit unserem Geschäft zu tun hat", sagte Sack. Es gebe genug Investoren, die ihr Geld in Qualität anlegen wollten.

Einen Plan B gibt es laut Bahn nicht. Der Gang an den Aktienmarkt, bei dem die Bahn 24,9 Prozent ihrer neuen Tochter DB Mobility Logistics (DB ML) an den Markt bringen will, sei weiter für den Herbst angestrebt, sagte Sack.

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn sagte in Berlin auf die Frage nach einer Verschiebung, falls die negative Marktentwicklung anhält: "Wir werden irgendwann ein Erstangebot machen und die Reaktion abwarten. Es ist nicht so, dass wir verkaufen müssen." Die Reaktionen auf die Roadshow seien "eigentlich sehr positiv". In der Zeitung "Die Welt" hatte Mehdorn zuvor seine Haltung bekräftigt: "Wenn ich nicht einen angemessenen Preis kriege, geht da nichts. Wir verschenken nichts."

"Keine Kampagne mit Prominenten"

Der genaue Zeitplan für den Börsengang soll Sack zufolge in den kommenden Wochen aufgestellt werden. Der Idee einer "Volksaktie", die die SPD laut Parteitagsbeschluss eigentlich wollte, erteilte Sack dabei eine ziemlich deutliche Absage. "Wir haben einen deutlichen Fokus auf internationale institutionelle Investoren, 80 bis 90 Prozent der Emission sollen an sie gehen", sagte der Finanzvorstand. Für Privatanleger werde es keine Rabatte geben, auch nicht für treue Bahnkunden. Auch seien keine groß angelegten Werbeaktionen geplant. "Wir machen keine Kampagne mit Prominenten", sagte Sack. Interessierte Anleger sollten aber durchaus die Möglichkeit zur Zeichnung haben. Für Mitarbeiter werde ein spezielles Programm aufgelegt.

Wann die Bahn ihre offizielle Werbetour bei den Investoren startet, wollte Sack noch nicht sagen. Klar sei aber, dass die Reise nicht nur durch Europa, sondern auch in den Nahen Osten, nach Japan und in andere asiatische Länder gehe. "Auch die russische Bahn und die französische können bei uns investieren, so wie alle anderen auch", sagte der Finanzchef und trat so Überlegungen entgegen, diese Bahngesellschaften könnten schon vor dem Börsengang einsteigen. Mit Blick auf die mögliche Anlegerstruktur sagte Sack, auch vor Hedgefonds und Staatsfonds könne sich die Bahn nicht verschließen, sie sei aber auf langfristig orientierte Anleger bedacht.

Der Erlös für die börsennotierte Tochter wird nach Bahn-Aussagen vornehmlich in die Wachstumssegmente Güterschienenverkehr und Logistik fließen und nicht so sehr in den als stabil, vor Konjunkturschwankungen resistenten Personenverkehr. In Osteuropa gebe es jede Menge Möglichkeiten für Kooperationen oder Übernahmen beim Güterschienenverkehr. Die Logistikbranche sei sehr fragmentiert und eine Konsolidierung stehe bevor. In beiden Bereichen werde die Bahn aktiv teilnehmen - "auch wenn hinter dem Emissionserlös noch keine konkreten Akquisitionsziele dahinter stehen." Für Bahn-Investoren ließ Sack durchblicken, dass sie wohl von Anfang an mit einer Dividende rechnen können. Die Höhe solle "angemessen" sein, sagte er nur.

ase/dpa-AFX/Reuters

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.