Geplatzte Bankenfusion Stühle in den Vorständen wackeln

Die Stimmen, die nach der geplatzten Fusion zwischen Deutscher und Dresdner Bank personelle Konsequenzen in den Führungsetagen der beiden Häuser fordern, werden immer lauter. Für Deutsche-Bank-Aufsichtsrat Gerhard Renner von der DAG, lautet die Frage nicht mehr ob, sondern nur noch wann.

Frankfurt am Main - "Da wird jetzt Tabula rasa gemacht. Das wird die Allianz nicht mit sich machen lassen", sagte Renner, der im Vorstand der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) ist. Der Dresdner-Großaktionär sei der große Verlierer des Scheiterns des Zusammenschlusses. Er rechne damit, dass vor allem dem Dresdner-Vorstandsvorsitzenden Bernhard Walter rasch der Chefsessel vor die Tür gesetzt werde oder dieser von sich aus zurücktrete. "Der Druck auf Walter und den gesamten Vorstand wird nun enorm. Da werden noch einige dumm aus der Wäsche gucken."

Das DAG-Vorstandsmitglied sieht ebenso die Stellung des Deutsche-Bank-Chefs Rolf Breuer erheblich geschwächt. "Auch sein Stuhl wackelt", sagte Renner, der im Aufsichtsrat der Deutschen Bank und der Allianz sitzt. Breuer könne nach der verpatzten Elefantenhochzeit nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. "Da gibt es auch für ihn jetzt kein zurück."

Breuer und Walter hätten ihren Geldhäusern einen erheblichen Imageschaden zugefügt. "Das stecken beide nicht so einfach weg." Vor allem die Dresdner Bank gerate nun unter Druck. Nach Einschätzung Renners wird sich die Allianz jetzt verstärkt auch bei ausländischen Investoren für ihre Dresdner-Anteile umschauen. "Das Roulettespiel geht jetzt weiter. Nur weiß niemand, wo die Kugel liegen bleibt", sagte Renner. Der Fusionszug im Bankgewerbe stehe weiter unter Dampf.

Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hat dem Breuer den Rücktritt nahe gelegt. Politiker legten aus weniger gewichtigen Gründen ihre Ämter nieder, sagte der Geschäftsführer der Vereinigung, Klaus Nieding. "Breuer hat sich weit aus dem Fenster herausgelehnt und ist nun herausgefallen."

Nieding bezeichnete den Deutsche-Bank-Chef als "Ankündigungsweltmeister". Er erinnerte an die ebenfalls von ihm groß angekündigte und dann geplatzte Bebauung des Frankfurter Messegeländes. Breuers Argument, dass man erst zum jetztigen Zeitpunkt die Stolpersteine einer Fusion mit der Dresdner Bank hätte bemerken können, weil vorher nur in kleinem Kreis verhandelt worden sei, wollte Nieding nicht gelten lassen. Schließlich hätte es sich nicht um eine feindliche, sondern um eine freundliche Übernahme gehandelt.

Breuer selber sieht keinen Anlass für einen Rücktritt. "Bemerkungen dazu kann ich nicht nachvollziehen", so der Chef der Deutschen Bank.