Germanischer-Lloyd-Übernahme Der Ex-Tchibo-Chef und die schweren Pötte

Einst machte er in Kaffee. Jetzt hat der Milliardär und Ex-Tchibo-Eigner Günter Herz sein Herz für dicke Pötte und für alles, was damit zu tun hat, entdeckt: Er übernimmt die Schiffklassifizierungs-Firma Germanischer Lloyd für eine halbe Milliarde Euro und verhindert so die feindliche Übernahme.


Hamburg - Herz hatte sein Angebot an die Aktionäre noch einmal erhöht und ein Wachstumsprogramm vorgestellt, um die Unabhängigkeit der Gesellschaft zu wahren und den Standort Hamburg zu sichern. Der Hamburger Milliardär bot so schließlich für die Schiffsklassifizierungsgesellschaft insgesamt 575 Millionen Euro und stach damit sowohl den französischen Konkurrenten Bureau Veritas (BV) als auch den TÜV Süd aus. Herz habe die Schwelle von 50 Prozent der Germanischer-Lloyd-Anteile überschritten, sagte Vorstand Hermann Klein im Anschluss an eine Aktionärsversammlung in Hamburg heute.

GL-Schiffbau-Ingenieur bei der Arbeit: Herz gilt bei dem Unternehmen als "Weißer Ritter"
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GL-Schiffbau-Ingenieur bei der Arbeit: Herz gilt bei dem Unternehmen als "Weißer Ritter"

Mit dieser "Hamburger Lösung" bleibe der Gesellschaft Germanischer Lloyd (GL) eine feindliche Übernahme des Unternehmens erspart, nun könne das Unternehmen sein erfolgreiches Geschäftsmodell fortsetzen, jubelte GL-Vorstand Rainer Schöndube bereits, nachdem das Unternehmen zunächst die Übernahme von lediglich mehr als 40 Prozent der GL-Anteile durch Herz gemeldet hatte. Die strategische Unabhängigkeit sei so gesichert. Auch der Hamburger Bürgermeister zeigte sich hoch erfreut: "Günter Herz verdient hohen Respekt dafür, dass er sich für dieses Unternehmen und die Sicherung der Arbeitsplätze engagiert", erklärte er.

Zuletzt schien der Wettlauf zwischen den drei Bietern festgefahren. Eröffnet hatte den Wettbewerb Bureau Veritas im November. Beim GL stufte man die Offerte als den Versuch einer feindlichen Übernahme ein und kündigte Gegenwehr an. Herz zog aus Lokalpatriotismus und wirtschaftlichem Kalkül nach. Am Montag einigten sich GL-Vorstand und Betriebsrat darauf, auch ein verbessertes Angebot der Franzosen abzulehnen. Ein Angebot des TÜV Süd war am Mittwoch ausgelaufen, am Donnerstag hatte das Unternehmen noch angekündigt, noch mal nachlegen zu wollen.

Die Aktionäre des GL hatten in den vergangenen Wochen hinter den Kulissen eine hektische Betriebsamkeit verbreitet, um die feindlichen Offerten zu verhindern. Schließlich waren die Banken, Versicherungen, Reedereien und Werften bereit, sich von ihren Anteilen zu trennen - Hauptstreitpunkt blieb das Geld. Vor allem die beteiligten Banken, allen voran die Commerzbank Chart zeigen wollten einen hohen Preis für das technische Überwachungsunternehmen erzielen. Über die Höhe der Angebote herrschte bis zuletzt keine vollständige Klarheit. Bureau Veritas soll rund 500 Millionen Euro geboten haben.

Herz gilt als einer der reichsten Deutschen. Viele Jahre stand der Milliardär an Spitze des Tchibo-Konzerns und baute den Kaffeeröster zum heutigen Handelskonzern um. Anfang 2001 gab Herz, der heute auch Großaktionär des Sportartikelherstellers Puma Chart zeigen ist, nach langem Familienstreit den Chefposten bei Tchibo ab und verkaufte im August 2003 seine Anteile für rund vier Milliarden Euro.

Der GL erwartet 2006 einen Jahresumsatz von rund 355 Millionen Euro und beschäftigt rund 3200 Menschen. Das Unternehmen ist in der technischen Überwachung weltweit führend und betreut rund 6000 Schiffe in 176 Niederlassungen in 74 Ländern.

ase/AP/dpa/mm.de



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