Gesamtmetall Beschäftigte müssen mit Reallohnverlust rechnen

Im Vorfeld der Tarifverhandlungen für 2006 hat Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser schon einmal die Kampflinie definiert. Seiner Auffassung nach müssen sich die rund 3,5 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie auf Reallohnverluste einstellen.


Berlin - Einen Inflationsausgleich könnten die Arbeitgeber nur bezahlen, wenn er vorher durch den Produktivitätszuwachs erwirtschaftet worden sei, sagte Kannegiesser der "Berliner Zeitung". Der Produktivitätszuwachs werde voraussichtlich zwischen einem und 1,4 Prozent liegen. Die Inflationsrate betrage zurzeit mehr als zwei Prozent. "Das heißt im Umkehrschluss, dass sinkende Reallöhne nicht auszuschließen sind", betonte der Gesamtmetall-Präsident.

Die IG Metall hatte gestern in ihrem traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg angekündigt, in der kommenden Tarifrunde bis zu fünf Prozent mehr Lohn fordern zu wollen. Diesen Vorstoß wies Kannegießer zurück. "In Zeiten, in denen die Wirtschaft kaum wächst und fast fünf Millionen Menschen ohne Job sind, können wir nicht über einen kräftigen Schluck aus der Pulle reden", betonte er. "Man kann nur das verteilen, was erwirtschaftet worden ist." Wo die Lohnsteigerung über die Entwicklung der Produktivität hinausgehe, werde weitere Wertschöpfung aus Deutschland verschwinden.

Mit welchem Angebot die Arbeitgeber in die Tarifrunde gehen werden, stehe noch nicht fest, sagte Kannegiesser.



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