Geschäftstüchtiger Premier Berlusconi landet Millionen-Coup mit Fußball-TV

Zwei Euro - zu diesem Preis können die Italiener ab Herbst Heimspiele von Juventus Turin, Inter Mailand und AC Milan anschauen. Das Angebot stammt von Mediaset, dem Unternehmen des Premiers Silvio Berlusconi - der dem Deal politisch den Weg ebnete.


AC-Mailand-Spieler Inzaghi und Gattuso (Archivbild): Das Gesetz hilft Berlusconis Firma und es hilft seinem Fußballclub
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AC-Mailand-Spieler Inzaghi und Gattuso (Archivbild): Das Gesetz hilft Berlusconis Firma und es hilft seinem Fußballclub

Rom - Beim Bezahlfernsehen Sky des Medienmoguls Rupert Murdoch, das bisher sämtliche Fußballspiele der italienischen Liga für höhere Preise übertrug, wird hektisch nach Auswegen gesucht, seit Mediaset das Discountangebot publik machte. Das Berlusconi-Unternehmen versucht damit den Einstieg ins Pay-TV-Geschäft.

Viele fragen sich, wie Berlusconi es schaffen konnte, trotz der ständigen Vorwürfe wegen Interessenkonflikten, ein weiteres Mal die Konkurrenz abzuhängen. Die Antwort: Er hat ein Gesetz verabschieden lassen, das ihm in die Hände spielt. Dank des neuen, lange umstrittenen und im April letztlich doch verabschiedeten Mediengesetzes hat sich Mediaset die Übertragungsrechte im neuen digitalen Antennenfernsehen DVB-T (Digital Video Broadcast-Terrestrial) gesichert.

Davon profitieren zunächst nur die drei ohnehin reichen Clubs der ansonsten bankrotten Liga. Durch die Übertragungsrechte im DVB-T sollen in den nächsten drei Jahren 86 Millionen Euro in die Kassen der drei Mannschaften fließen. "Aber unsere Türen sind offen, wir sind natürlich bereit, auch Vertreter der anderen Serie-A-Clubs zu treffen", hieß es aus Mediaset-Kreisen. Berlusconis Firmenimperium ist nebenbei auch Besitzer eines der drei großen Vereine - des Meisters AC Milan.

Die Sky-Manager versuchen offiziell, den Mediaset-Vorstoß herunterzuspielen: "Wir blicken mit Zuversicht in die Zukunft, die Konkurrenz macht dem italienischen Pay-TV keine Angst." Bei Murdochs Sendern müssen die Kunden allerdings auf Abos zurückgreifen, die zwischen 47 und 55 Euro monatlich kosten. Bei Berlusconi brauchen sie lediglich eine vorbezahlte Karte zu erwerben und müssen nur dann die zwei Euro zahlen, wenn sie wirklich ein Spiel sehen wollen.

Für den Empfang der Spiele benötigt man einen Decoder, der ab Ende 2006 die analogen terrestrischen Anlagen komplett ersetzen soll. Für den Kauf des Geräts hat der Ministerpräsident in seinem Etat sogar Subventionen von je 150 Euro für die ersten 900.000 Käufer veranschlagt - das macht insgesamt 135 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die staatlichen Schulen werden mit 75 Millionen Euro unterstützt.

Bisher wurden 500.000 Decoder verkauft, bis Ende des Jahres hoffen die Mediaset-Macher auf mindestens eine Million Kunden.



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