Gescheiterte Rettung AgfaPhoto droht der Zusammenbruch

AgfaPhoto steht vor der Abwicklung. Nachdem die Übernahme durch die britische Photo-Me-Gruppe scheiterte, gibt es für den Traditionshersteller von Fotomaterialien kaum noch Hoffnung.


AgfaPhoto-Film: 1715 Arbeitsplätze auf der Kippe
DPA

AgfaPhoto-Film: 1715 Arbeitsplätze auf der Kippe

Leverkusen/Düsseldorf - Die Abwicklung werde noch heute beginnen, sagte Unternehmenssprecher Thomas Schulz in Leverkusen. Wegen der engen Liquiditätslage könne an allen Standorten bundesweit nur noch "ausproduziert werden". Zum Jahresende sei Schluss für AgfaPhoto. Damit stehen alle verbliebenen 1715 Arbeitsplätze auf der Kippe.

Die Verhandlungen über die Übernahme durch die britische Gruppe Photo-Me waren zuvor gescheitert. AgfaPhoto hatte gestern zwar das lang ersehnte Gebot der britischen Fotofirma erhalten. Gläubigerausschuss und die Geschäftsführung wiesen die einzige Offerte für das Gesamtunternehmen am Abend jedoch als unannehmbar zurück.

"Der vorliegende Vertragsentwurf enthielt zu viele Unzumutbarkeiten", sagte Insolvenzverwalter Andreas Ringstmeier. Das Angebot habe sich nicht nur dramatisch verschlechtert, sondern sei gegenüber AgfaPhoto auch als "nicht verhandelbar" präsentiert worden, bedauerte Geschäftsführer Hans-Gerd Jauch. "Das Angebot wäre in letzter Konsequenz sogar auf einen negativen Kaufpreis hinausgelaufen", fügte Unternehmenssprecher Schulz hinzu. Insbesondere die angestrebte, rechtlich zwingende Arbeitsplatzgarantie sei in dem Vertragsentwurf von Photo-Me nicht mehr aufgetaucht.

Durch den Verkauf an Photo-Me hatte die Geschäftsführung rund 400 Arbeitsplätze erhalten wollen. Mit der Zurückweisung des britischen Angebots hat AgfaPhoto kein Geld mehr für den Kauf benötigter Grundstoffe, um die Produktion länger fortzuführen

Alle Hoffnungen des Unternehmens ruhen nun auf Gesprächen mit denjenigen Investoren, die nur an einzelnen Teilen des Unternehmens Interesse gezeigt hatten, darunter dem japanischen Foto-Konzern Fuji. Fuji hat Interesse an der Großlaborgerätesparte und meldete dies auch bereits vorsorglich beim Bundeskartellamt an. Es gebe noch mehrere andere Interessenten für weitere Teile des Unternehmens, hieß es. Ob und wie viele Arbeitsplätze dadurch gerettet werden könnten, sei derzeit aber nicht absehbar.



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