Gescheiterte Umschuldung Chrysler steht unmittelbar vor der Insolvenz

Die Hedgefonds zeigten sich stur: Die Verhandlungen über einen Schuldenerlass für den Autobauer Chrysler sind am Abend gescheitert - kurz bevor eine letzte Frist der US-Regierung ablief. Laut "Wall Street Journal" ist ein Insolvenzantrag des Konzerns nun so gut wie sicher.

Washington - Der offizielle Insolvenzantrag des angeschlagenen US-Autobauers ist einem Zeitungsbericht zufolge in Kürze zu erwarten. Gespräche zwischen dem US-Finanzministerium und Chrysler-Gläubigern seien am Mittwochabend abgebrochen worden, berichtete das "Wall Street Journal" am Donnerstag unter Berufung auf mit den Diskussionen vertraute Personen. Damit sei ein Insolvenzantrag von Chrysler so gut wie sicher, hieß es unter Berufung auf diese Kreise weiter.

Chrysler-Werk in Warren, Michigan: Hedgefonds verweigern Zustimmung

Chrysler-Werk in Warren, Michigan: Hedgefonds verweigern Zustimmung

Foto: AFP

Zuletzt habe das US-Finanzministerium sein Angebot an die Gläubiger um 225 Millionen Dollar auf 2,25 Milliarden Dollar in bar erhöht, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Im Gegenzug hätten die Gläubiger aber auf ihre Ansprüche gegenüber Chrysler verzichten müssen, die sich auf insgesamt 6,9 Milliarden Dollar beliefen.

Die Bank JP Morgan Chase, die die Verhandlungen der Gläubigergruppe mit Chrysler führte, hatte den 45 betroffenen Banken und Hedgefonds eine Frist bis zum Mittwochabend (Ortszeit) gesetzt, um über das Angebot abzustimmen. Vier große Gläubigerbanken hatten einer Umschuldung des Unternehmens bereits zugestimmt. Eine große Zahl an Hedgefonds habe am Ende jedoch ihre Zustimmung verweigert, sagten mit den Gesprächen vertraute Personen. Die Hedgefonds hätten sich unbeweglich gezeigt.

Die US-Regierung hat Chrysler bis zu diesem Donnerstag Zeit für ein neues Sanierungskonzept gegeben, von dem sie weitere Hilfen für die ehemalige Daimler  -Tochter abhängig macht. Unter anderem fordert sie von Chrysler ein Bündnis mit Fiat   und massive Kostensenkungen.

US-Präsident Barack Obama hatte sich zuvor zuversichtlich über eine Chrysler-Rettung geäußert. Er sei sehr hoffnungsvoll, dass Chrysler sich als überlebensfähig erweisen könne, sagte der Präsident am Mittwoch vor Journalisten in Washington.

Arbeitnehmer und Banken hätten große Opfer gebracht. Dies habe die vielversprechende Möglichkeit eröffnet, dass Chrysler die angestrebte Allianz mit dem italienischen Autobauer Fiat realisieren könne. Die Übereinkunft sei für die aktive Belegschaft und die Ruheständler "schmerzhaft", gebe aber Chrysler eine Überlebenschance, sagte der Chef der grüßten Gewerkschaft UAW, Ron Gettelfinger, nach Abschluss der Verhandlungen in Detroit.

Allerdings seien die Arbeiten an letzten Einzelheiten zwischen beiden Unternehmen noch nicht beendet. Obama hatte offengelassen, ob Chrysler als Teil seiner Umstrukturierung Gläubigerschutz beantragen wird.

Fiat und Chrysler wollen ihre geplante Allianz nach Angaben aus informierten Kreisen noch am Donnerstag unter Dach und Fach bringen. Nach Angaben eines Gewährsmanns soll Fiat zunächst einen Anteil von 20 Prozent an Chrysler übernehmen und Chrysler im Gegenzug die Technologie für die Produktion von Kleinwagen und Motoren erhalten. Später könne der Anteil auf 35 Prozent steigen. Ein Fiat-Sprecher wollte sich zunächst nicht zu dem Abkommen äußern.

Die geplante Allianz sei ein Kernelement des Sanierungsplans, der bei Bedarf auch einem Insolvenzgericht vorgelegt würde, sagte eine über die Vorbereitungen informierte Person. Eine andere Person aus dem Verhandlungsumfeld sagte: "Chrysler wird überleben und nicht abgewickelt." Ob der Konzern sich unter Gläubigerschutz saniere oder nicht, sei aber noch offen.

Chrysler gehört mehrheitlich der US-Beteiligungsgesellschaft Cerberus. Eine Insolvenz nach Chapter 11 des US-Rechts erlaubt einem Unternehmen eine Umstrukturierung und die Weiterführung der Geschäfte unter Gläubigerschutz.

mik/Reuters/AFP/AP
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