Geschmähter Minenkonzern Wie die "Gold Company" Bauern das Wasser abgräbt

Für nachhaltige Geschäftspraktiken ist der US-Minenkonzern Newmont Mining nicht gerade bekannt. In der Vergangenheit macht der Goldförderer durch Umweltskandale auf sich aufmerksam. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos wurde Newmont nun mit einem Schmähpreis prämiert.
Von Knut Henkel

Hamburg - Der Aufmarsch der Elite der internationalen Wirtschaftswelt hatte gerade erst begonnen, da traten schon die Kritiker auf den Plan: Alljährlich zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums im mondänen Alpenort Davos prämieren die globalisierungskritische Organisation "Erklärung von Bern" (EvB) und die Umweltorganisation Greenpeace auf einer Gegenveranstaltung das "gewissenloseste Unternehmen des Jahres" mit dem "Public Eye Global Award".

Am Mittwoch wurde der US-Bergbaukonzern Newmont Mining ausgezeichnet - und zwar gleich doppelt: Neben der Fachjury, die von umwelt- und globalisierungskritischen Organisationen mit Experten bestückt wurde, entschied sich auch das Publikum per Internet-Abstimmung für das US-Bergbauunternehmen.

Newmont ist eigenen Angaben zufolge einer der weltgrößten Goldproduzenten. 15.000 Beschäftigte und weitere 19.000 Leiharbeiter machten 2007 rund 5,5 Milliarden Dollar Umsatz, wovon 1,8 Milliarden als Gewinn übrigblieben. Anders als in anderen Bergbausektoren sind die Perspektiven für 2009 laut Newmont-Präsident Richard O'Brien "exzellent". Verantwortlich dafür ist der recht stabile Goldpreis, der derzeit bei 900 Dollar pro Feinunze liegt.

Angesichts der relativ niedrigen Produktionskosten in den Minen auf fünf Kontinenten von derzeit durchschnittlich 440 Dollar pro Unze kann O'Brien sich die Hände reiben. Wären da nicht die ständigen Vorwürfe, die sich das in Denver beheimatete Unternehmen von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen wie Fian International vorhalten lassen muss.

Fian, ein internationales Netzwerk, das sich für ein Grundrecht auf Nahrung einsetzt, unterstützt Menschen in Ghana, die sich von Newmont übergangen fühlen. Die Bevölkerung wehrt sich gegen die Pläne der "Gold Company", wie Newmont sich laut Firmenslogan nennt, eine weitere Mine namens Akyem im Osten Ghanas zu eröffnen. Für die benötigte Fläche von insgesamt 1915 Hektar würden nicht nur rund 10.000 Kleinbauern ihr Ackerland verlieren, heißt es in der Begründung zur Preisverleihung in Davos. Obendrein müssten etliche Hektar eines Waldschutzgebiets abgeholzt werden.

Dagegen regt sich in Ghana mehr und mehr Widerstand, denn der großflächige Goldabbau hat nach Aussage von Kritikern bereits vielen Bauern die Existenz genommen. Auch Newmont sei dafür mitverantwortlich, heißt es. So hätten für die 2006 eröffnete Ahafo-Mine zunächst rund zehntausend Menschen ihr Land oder ihre Häuser verloren.

Bauern für wenig Geld kostbares Land abgekauft

Aber auch diejenigen, die ihre Äcker nicht hergeben mussten, leiden. Denn der Wasserbedarf der Mine ist groß. Für die Bauern in der Region bleibt seitdem kaum genug Wasser übrig, sagt Fian-Bergbau-Expertin Ute Hausmann. Sie moniert, dass die Ahafo-Mine erst durch einen Kredit der Weltbank-Institution International Finance Corporation ermöglicht wurde. Auch bei Akyem kann Newmont auf internationale Unterstützung bauen, da die Mine zu einem Pilotprojekt - dem "Business and Biodiversity Offset Programm - zählt.

"Die Idee hinter dem Programm ist, die Zerstörung von Biodiversität durch alternative Projekte an anderer Stelle auszugleichen - in diesem Fall durch Wiederaufforstungsprojekte", erklärt Ute Hausmann. Auch die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau ist dabei mit im Boot.

Von der neuen Mine hat die Bevölkerung wenig zu erwarten. Das zeigen auch die Erfahrungen rund um die größte Goldmine Lateinamerikas. Yanacocha lieferte 1993 nahe der peruanischen Stadt Cajamarca in den Anden erstes Gold. "Für einen Apfel und ein Ei kaufte man den peruanischen Bauern damals den Grund und Boden ab, heute lässt sich in der einst fruchtbaren Region Landwirtschaft immer schwerer betreiben", erklärt Pfarrer Marco Antonio Arana.

Der katholische Pfarrer hat in den neunziger Jahren zusammen mit Biologen und Rechtsanwälten die Organisation "Grufides" gegründet. Grufides setzt sich gegen die Zerstörung der Umwelt rund um die Mine ein. Die ist nicht nur enorm landhungrig, sondern beansprucht auch große Mengen des verfügbaren Wassers der Region. Flüsse wurden umgeleitet, Seen angezapft und auch das Grundwasser. "Niemand in Cajamarca weiß letztlich, wie viel Wasser Yanacocha verbraucht und ob das Unternehmen für die Wasserentnahme zahlt", kritisiert Arana.

Auf Newmont folgten andere Minenbetreiber

Ein Dorn im Auge ist ihm auch, dass die riesige Mine, die gemeinsam von Newmont Mining und dem peruanischen Bergbaukonzern Minas Buenaventura betrieben wird, eine hochgiftige Zyanid-Lösung eingesetzt, um Gold aus dem Gestein zu extrahieren. Dabei wird nicht immer sorgfältig mit gefährlichen Substanzen umgegangen, wie ein Unfall zeigt: Ein Transporter der Yanacocha-Mine, an der übrigens auch die Weltbank fünf Prozent der Anteile hält, hatte auf einer Strecke von etwa 40 Kilometern 151 Kilogramm Quecksilber verloren. Drei Bergdörfer waren betroffen.

Der Unfall ereignete sich im Juni 2000, damals rühmte sich der Betreiber, Minera Yanacocha, besonders schnell reagiert zu haben. Allerdings soll ein von ihm beauftragtes Unternehmen den unwissenden Bauern der Region Geld dafür gezahlt haben, dass sie das Quecksilber einsammelten - ohne jede Schutzkleidung und ohne sie darüber zu informieren, wie toxisch die flüchtige Substanz ist.

"Es gab Bauern, die das Quecksilber als wertvolle Substanz betrachteten und mit nach Hause nahmen", erklärt Pfarrer Arana. Unter den Spätfolgen der Vergiftung litten heute noch zahlreiche Menschen. Grufides hilft ihnen dabei, ihre Rechte gegen den in der Region nahezu allmächtigen Minenbetreiber geltend zu machen.

Doch der Konzern hat in Cajamarca Gesellschaft bekommen, denn aufgrund des Rohstoffreichtums in der Region haben sich weitere Bergbauunternehmen angesiedelt - aus Sicht des Pfarrers Arana alles andere als eine positive Entwicklung, denn "nur einige wenige profitieren vom Reichtum, während der Rest in Armut lebt und unter der Umweltzerstörung zu leiden hat".

Eine Kritik, auf die Newmont Mining nicht gut zu sprechen ist. Ein Sprecher verweist auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE auf die Umwelt- und Sozialberichte des Konzerns. Den Schmähpreis von Davos will er nicht kommentieren.