Gespräche in Detroit General-Motors-Chef vertröstet Rüttgers

Immerhin, es gibt Hoffnung: GM hat die Aufgabe von Standorten in Deutschland noch nicht beschlossen. Dies versicherte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Rüttgers nach Gesprächen mit Konzernchef Wagoner - Opel soll erst mal einen Sanierungsplan ausarbeiten.

Detroit - Bereits in den nächsten Wochen wird es ernst: Dann wird Opel nach dem Willen der GM-Spitze einen Plan zur langfristigen Sanierung des Unternehmens ausarbeiten, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) nach seinem Treffen mit GM-Chef Rick Wagoner.

Rüttgers bei General Motors: Keine Bestandsgarantie für Opel-Standorte

Rüttgers bei General Motors: Keine Bestandsgarantie für Opel-Standorte

Foto: DPA

In dem Gespräch hat Wagoner Rüttgers nach dessen Angaben versichert, dass es keinen GM-Beschluss zur Schließung von Opel-Standorten in Deutschland gibt. Die Nachrichtenagentur dpa hatte ursprünglich sogar berichtete, dass GM laut Rüttgers keine Werkschließungen in Deutschland plane, korrigierte dies jedoch später wieder.

"Es gibt keine Entscheidung zur Schließung von Standorten in Deutschland, auch nicht Bochum", zitierte die Agentur dann Rüttgers. Opel betreibt in Deutschland Werke in Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern und Eisenach.

Zur Rettung der deutschen GM-Tochter seien viele Optionen denkbar - unter anderem der Neuzuschnitt von Opel unter Hereinnahme von Vauxhall und Saab, um Opel eine wettbewerbsfähige Größe zu geben, oder die Beteiligung anderer Industrieunternehmen, sagte Rüttgers.

Nähere Details könne man jetzt sinnvoll noch nicht diskutieren, betonte Rüttgers. Erst müsse der Plan fertig werden. Er müsse auch die Anforderungen des GM-Managements an Einsparungen und Restrukturierungen erfüllen.

Trotz der vagen Aussichten sagte Rüttgers: "Es ist uns ein Stein vom Herzen gefallen". Nordrhein-Westfalens IG-Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard, der an dem Gespräch teilgenommen hatte, zeigte sich ebenfalls zufrieden. "Wagoner ist offen für eine Beteiligung Dritter und eine Herauslösung von Opel", sagte er. Wagoner selbst wollte nach dem Gespräch nicht vor die Presse treten. Er habe aber die Arbeit und den Einsatz der deutschen Opel-Standorte gelobt, sagte Rüttgers.

An den Gesprächen über den Plan sollten sich auch der Bund und die Arbeitnehmervertretungen beteiligen. "Wir regen an, dass der Bund jetzt die Initiative ergreift angesichts von 30.000 Opel-Arbeitsplätzen in Deutschland." Rüttgers schlug vor, dass neben der Führung von Opel Deutschland und Europa auch Arbeitnehmervertreter eingebunden werden.

Der CDU-Politiker knüpfte eventuelle öffentliche Hilfen für Opel an den Erhalt von Unternehmensstandorten in Deutschland. Außerdem müsse auch in Zukunft sichergestellt werden, dass Opel Deutschland den Zugriff auf Technologien und Markenrechte behalte, die in Deutschland entwickelt worden seien.

Der vom Untergang bedrohte US-Mutterkonzern General Motors will weltweit 47.000 Jobs abbauen, davon 27.000 außerhalb der USA. Nach dem von GM vorgelegten Rettungsplan sollen die europäischen Tochtergesellschaften Opel, Saab und Vauxhall Arbeitskosten von insgesamt 1,2 Milliarden US-Dollar einsparen. Die Produktionskapazität müsse an die sinkende Nachfrage angepasst werden, betonte Forster. Von allen Beteiligten müssten Opfer gebracht werden.

Was die Sparpläne aus Detroit für Opel bedeuten könnten, machte Betriebsratschef Klaus Franz vor dem Gespräch deutlich: Er fürchtet fatale Auswirkungen und sagte Werkschließungen und Massenentlassungen voraus. Damit würde GM Opel an die Wand fahren: "Dies hätte katastrophale Folgen für die GM-Marken und -Unternehmen in Europa und würde deren Ende bedeuten."

Opel selbst schließt auch eine Beteiligung des Staates oder eines Investors an dem Traditionsunternehmen nicht mehr aus. Unter bestimmten Bedingungen sei das Unternehmen zu Verhandlungen über "Partnerschaften und Beteiligungen mit Dritten" bereit, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von Management und Betriebsrat. Beide Seiten beschlossen, umgehend Verhandlungen über ein Sanierungskonzept aufzunehmen.

GM forderte bei der Vorlage seines Sanierungskonzept von der US-Regierung weitere Hilfszahlungen. Insgesamt seien 16,6 Milliarden Dollar zusätzlich zu den bereits gewährten Notkrediten von 13,4 Milliarden Dollar erforderlich. Schon im März benötige GM zwei Milliarden Dollar. Konkrete Angaben zu den Folgen für die Opel-Standorte in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern machte GM nicht, ebenso wenig über die britische Tochter Vauxhall. Saab soll nach Möglichkeit verkauft werden. Der ebenfalls schwer angeschlagene US-Autokonzern Chrysler benötigt nach eigenen Angaben zusätzlich fünf Milliarden Dollar vom Staat, 3000 Arbeitsplätze sollen abgebaut werden.

In einem sind sich Experten einig: Opel hat sich nicht selbstverschuldet in diese bedrohliche Lage gebracht, die Rüsselsheimer haben ihre Hausaufgaben gemacht. Sie bauen gute und attraktive Autos. Hingegen haben die Mutter in Detroit eine verfehlte Modellpolitik mit großen Spritschluckern, die weltweite Finanzkrise und Milliardenverluste an den Rand der Insolvenz gebracht.

cvk/cai/dpa/reuters/AFP/AP
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