Gestörtes Verhältnis Deutsche Börse kündigt ihre "FTD"-Abos

Die "Financial Times Deutschland" hat einen prominenten Abo-Kunden verloren: die Deutsche Börse. Die Macher der "FTD" vermuten, dass die Kündigung im Zusammenhang mit mehreren Artikeln steht, in denen Börsenchef Werner Seifert scharf kritisiert wird. Die Börse selbst will sich zu dem Vorgang nicht äußern.

Hamburg - Schlechte Presse ist Werner Seifert gewohnt. Spätestens seit der Vorstandschef der Deutschen Börse   zum zweiten Mal binnen vier Jahren mit der Übernahme der London Stock Exchange gescheitert ist, kann ihm die Morgenlektüre nicht mehr allzu viel Freude bereiten. Seither gilt er Wirtschaftskommentatoren als überforderter "Zauberlehrling" ("Börsenzeitung") und "Elefant im Porzellanladen" ("Frankfurter Allgemeine"), dessen "Ignoranz" ("Die Welt") unverzeihlich sei.

Besonders geärgert hat sich Seifert offenbar über die "FTD". Die ging mit dem Manager hart ins Gericht. Der Oberbörsianer sei "laut, störrisch und zuletzt verzweifelt". Die geplatzte Fusion mit London nannte das Blatt "Seiferts schwerste Niederlage - aber nicht seine erste". Schließlich jage "bei der Deutschen Börse seit zwei Jahren ein Misserfolg den nächsten".

Die Frankfurter kündigten daraufhin Ende März laut "FTD" ihre etwa 30 Abonnements. Die Redaktion wurde von der Kündigung nach Angaben des Chefredakteurs Steffen Klusmann völlig überrascht: "Wir haben nie eine klare Ansage von denen bekommen." Weder die Pressestelle noch das Management der Börse hätten sich im Zusammenhang mit der Fusionsberichterstattung jemals beschwert. Börsensprecher Frank Hartmann erklärte auf Anfrage, zu den vom Unternehmen abonnierten Zeitungen sage man grundsätzlich nichts.

Angeblich landen unliebsame "FTD"-Artikel auch nicht mehr im hausinternen Pressespiegel der Börse. "Nach unseren Informationen kaufen etliche Börsenmitarbeiter das Blatt deshalb jetzt am Kiosk", so Klusmann. Sprecher Hartmann dementiert das entschieden. Der Chefredakteur findet, sein Blatt habe sich in Sachen Börse "bei der Berichterstattung nichts vorzuwerfen". Jene Stücke, die Seifert und seinen Aufsichtsratschef Rolf Breuer kritisierten, seien im Meinungsteil der Zeitung erschienen.

Klusmann betont zudem, dass man zur Pressestelle des Unternehmens ein sehr gutes Verhältnis habe. Dass die "FTD" in der Deutschen Börse bald wieder ausliegt, ist dennoch unwahrscheinlich. Gestern hat Lucas Zeise, der Finanzkolumnist der Zeitung, nochmals nachgelegt. Breuer und Seifert seien bei dem Versuch gescheitert, eine kohärente Unternehmensstrategie zu entwickeln, heißt es da. "Seifert", resümiert der Autor, "war schon 2000 fällig."

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