Gestohlene Kontodaten Schäuble verspricht schärfere Gesetze gegen Datendiebe

Wolfgang Schäuble nimmt den Kampf gegen Datendiebe auf: Der Innenminister will die Gesetze gegen den Missbrauch von Kontoinformationen verschärfen. In Kürze geht die Vorlage ins Kabinett. Doch die Daten von Millionen Deutschen sollen bereits auf dem Schwarzmarkt im Umlauf sein.


München/Berlin - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) weist die Vorwürfe zurück, dass er sich zu viel Zeit mit schärferen Gesetzen für den Datenhandel lässt. "Ich hoffe nur, dass sich die Opposition, die mir vorgeworfen hat, ich sei im Winterschlaf, sich hinterher entschuldigt, wenn sie feststellt, sie hat nur dummes Zeug geredet", sagte Schäuble am Montag im Bayerischen Rundfunk.

Bundesinnenminister Schäuble: "Gesetze verschärfen"
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Bundesinnenminister Schäuble: "Gesetze verschärfen"

Schäuble zufolge wird sich das Kabinett am Mittwoch mit dem Thema beschäftigen und liegt damit im Zeitplan. "Das, was wir in der Öffentlichkeit an Skandalen hören, sind klare Gesetzesverstöße", so der Minister. "Deswegen ist es wichtig, dass wir den Vollzug der Gesetze verschärfen." Außerdem solle der Bürger in Zukunft grundsätzlich zustimmen, wenn derjenige, der seine Daten hat, diese Daten weitergeben will.

Schäuble wehrt sich damit gegen die Kritik der Linkspartei-Abgeordnete Petra Pau, die Mitglied im Innenausschuss des Bundestages ist: "Auf dem sogenannten Datengipfel von Bundesinnenminister Schäuble im September wurden für November neue Gesetze versprochen. Inzwischen ist Dezember. Der aktuelle Missbrauch von Kontodaten zeigt: Dieser politische Winterschlaf könnte Millionen Bürgerinnen und Bürger teuer zu stehen kommen", sagte sie.

Auch der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Sebastian Edathy (SPD), hat von der Bundesregierung eine rasche Reaktion verlangt. Noch vor Weihnachten solle die Regierung "ihren längst überfälligen Gesetzentwurf für schärfere Datenschutzvorschriften" vorlegen, sagte Edathy der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Der "außer Kontrolle geratene Datenhandel" müsse endlich gestoppt werden.

Nach einem Bericht der "Wirtschaftswoche" müssen im Extremfall rund drei Viertel aller deutschen Haushalte befürchten, dass ihre Bankverbindungen auf dem Schwarzmarkt für illegale Daten im Umlauf sind. Dem Blatt wurden die Bankdaten von rund 21 Millionen Menschen für knapp zwölf Millionen Euro angeboten. Eine CD mit 1,2 Millionen Kundendaten habe man als Muster erhalten und an die Staatsanwaltschaft Düsseldorf übergeben.

Außer Angaben zur Person wie etwa Geburtsdaten enthielten die Datensätze die Bankverbindung mit Kontonummer und Bankleitzahl, in einigen Fällen sogar detaillierte Angaben zur Vermögenslage. Mit den Daten könnten Unbekannte im Extremfall Geld von einem Girokonto abbuchen, ohne dass dessen Inhaber eine Einzugsermächtigung erteilt hat.

Erste Spuren führen nach Angaben des Magazins fast ausschließlich zu kleineren Callcenter-Betreibern. Vor allem auf umkämpften Massenmärkten wie Telekommunikation, Energieversorgung oder Kabelfernsehen arbeiteten viele Anbieter fast nur noch mit externen Dienstleistern und Callcentern zusammen. Diese erhielten die relevanten Kundendaten teilweise vom Auftraggeber.

Die Skandale der Vergangenheit

In den vergangenen Monaten waren mehrere große Fälle von Datenklau bekanntgeworden. So wurde der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein im August eine CD mit Daten von 17.000 Bundesbürgern zugespielt. Sie enthielt Namen, Geburtsdaten, Adressen, Kontoverbindungen und Telefonnummern. Eine Firma in Viersen in Nordrhein-Westfalen soll die Daten verkauft haben.

Wenig später berichtete der Bundesverband der Verbraucherzentralen, ihm seien in einem Scheingeschäft sechs Millionen Datensätze angeboten worden, davon vier Millionen mit Kontonummern. In Kiel tauchte eine CD mit 130.000 illegalen Datensätzen aus Callcentern auf.

Im Oktober hatte ein riesiger Fall von Datendiebstahl die Telekom erschüttert. Bei der Mobilfunksparte T-Mobile waren vor gut zwei Jahren 17 Millionen Telefonnummern und Adressen von Kunden entwendet worden. Möglich geworden war dies über Lücken in den Datenbanken, in denen die Angaben zu den Kunden gespeichert sind. Der Konzern berief daraufhin einen neuen Vorstand für Datenschutz.

cvk/Reuters/dpa

insgesamt 121 Beiträge
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Seite 1
who 12.09.2008
1.
Zitat von sysopHandy, Internet-Nutzung, Rabattkarten, Preisausschreiben: Brauchen wir eine stärkere Konzentration auf privaten Datenschutz? Oder ist die Angst vor der Verletzung der Privatsphäre übertrieben?
Nein, die Daten werden lediglich zu sorglos missbraucht...
hansmaus 12.09.2008
2. Lehrstück für die Stasi
Also die DDR ging definitiv zu früh unter denn die Stasi hätte an Vorradsdatenspeicherung, Handys, Autobahnmautstellen und Internet eine Nierenschale gebracht um den Sabber von Mielke und Co auf zu fangen, perfekter kann man garnicht überwachen wie es die Menschen heute freiwillig tun.
c-Row 12.09.2008
3.
Zitat von whoNein, die Daten werden lediglich zu sorglos missbraucht...
Das klingt fast so, als gäbe es auch "sorgfältigen Datenmissbrauch".
c-Row 12.09.2008
4.
Zitat von whoNein, die Daten werden lediglich zu sorglos missbraucht...
Das klingt fast so, als gäbe es auch "sorgfältigen Datenmissbrauch".
m*sh, 12.09.2008
5.
Zitat von whoNein, die Daten werden lediglich zu sorglos missbraucht...
Falsch. Die Daten werden zu sorglos preisgegeben. Denn der Missbrauch setzt voraus, dass die Daten vorhanden sind.
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