Gesundheit Kliniken protestieren gegen Tarifabschluss

Katerstimmung nach dem Tarifabschluss: Allmählich dämmert es vielen Klinikmanagern, dass die Einigung mit ihren Ärzten viel Geld kostet. Viele Krankenhäuser geraten sogar in echte Existenznot.


Berlin - Nach dem Tarifabschluss für Klinikärzte schlagen die Krankenhäuser Alarm. Angesichts von Gesamtkosten in Milliardenhöhe, die auf die Häuser zukämen, müsse die Politik helfen und die Sparauflagen lockern, erklärte die Deutsche Krankenhausgesellschaft am Mittwoch in Berlin. "Sonst geraten die Krankenhäuser in eine aussichtslose Situation", warnte Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

Klinik in Minden: viele Krankenhäuser vor einer ausweglosen Situation
DPA

Klinik in Minden: viele Krankenhäuser vor einer ausweglosen Situation

Der Tarifabschluss für die Ärzte verschärfe die Kostenkrise, vor der die DKG immer gewarnt habe. "Lohnerhöhungen in einem Gesamtvolumen von acht Prozent sind von den Kliniken nicht zu bezahlen", meinte Baum. Für viele Krankenhäuser stelle sich die Existenzfrage. Denn der Gesetzgeber habe den erstattungsfähigen Kostenzuwachs für 2008 auf 0,64 Prozent begrenzt.

Die Tarifabschlüsse für Ärzte und für das nicht-ärztliche Personal koste die kommunalen Kliniken 2008 und 2009 dagegen insgesamt 1,5 Milliarden Euro. Dies sei mit Rationalisierung nicht rauszuholen, meinte Baum.

Auch der deutsche Städtetag erklärte: "In vielen Krankenhäusern werden sich die finanziellen Probleme nach dem Tarifabschluss massiv verschärfen, wenn das Krankenhausbudget in der jetzigen Form erhalten bleibt." Der Städtetag bezifferte die Kosten des Tarifabschlusses allein für die Ärzte an kommunalen Kliniken auf 300 Millionen Euro in zwei Jahren. Hauptgeschäftsführer Stephan Articus forderte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt auf, die bisherige Deckelung der Budgets aufzuheben. Sie sei nicht mehr zeitgemäß.

Arbeitgeber und der Marburger Bund hatten sich am Dienstagabend auf eine Tariferhöhung um knapp acht Prozent für die rund 55.000 Ärzte an kommunalen Kliniken geeinigt. Die Gehälter sollen rückwirkend zum 1. April um durchschnittlich vier Prozent und zum 1. Januar 2009 nochmals um durchschnittlich 3,8 Prozent steigen. Darüber hinaus werden die Gehälter der ostdeutschen Ärzte rückwirkend zum 1. April an das Westniveau angepasst. Ein drohender Ärztestreik wurde damit abgewendet.

mik/AP/dpa/ddp



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