Gesundheitsreform Bund und Ärzte liefern sich Schlagabtausch

Die deutschen Mediziner nutzen den Ärztetag zur Generalabrechnung mit Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und klagen über überbordende Bürokratie. Die Ministerin fordert von den Ärzten ihrerseits mehr wirtschaftliches Denken.


Arzt: Versorgung nicht mehr sichergestellt
DDP

Arzt: Versorgung nicht mehr sichergestellt

Berlin - "Wir erleben eine weitere Bürokratisierung des ärztlichen Alltags und eine Konzentration der Versorgungslandschaft", klagte Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, vor den Delegierten. Die Gesundheitsreform habe administrative Behandlungsprozesse erzeugt. "Schon lange kann nicht mehr jeder so behandelt werden, wie es nach den Regeln der ärztlichen Kunst geboten wäre." Die statistische Rationierung "ist gleichsam das verborgene Prinzip, mit dem die Beitragssatzstabilität erkauft worden ist".

Die meisten der bürokratischen Auswüchse seien "durch die Vertragsgestaltung in der Selbstverantwortung entstanden", konterte Gesundheitsministerin Schmidt. Die SPD-Politikerin betonte vor 250 Delegierten: "Es muss erlaubt sein, über den sinnvollen Einsatz auch der Ressourcen zu reden." Es sei "kein Widerspruch, ein guter Arzt zu sein und gleichzeitig wirtschaftlich zu handeln".

Die Ministerin räumte ein, es gebe einen Ärztemangel auf dem Land, vor allem in Ostdeutschland, und forderte die Mediziner zu gemeinsamen Strategien dagegen auf. Hoppe hatte zuvor betont, dass es schon heute erhebliche Probleme gebe, die ärztliche Versorgung in Teilen des Landes sicherzustellen.

Vor dem Tagungshotel protestierten am Vormittag rund hundert Ärzte mehrerer Universitätskliniken gegen ihre Arbeitsbedingungen. Mehrere Länder planen, die Wochenarbeitszeit bis auf 42 Stunden zu erhöhen, das Weihnachtsgeld auf 60 Prozent zu kürzen und das Urlaubsgeld komplett zu streichen.



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