Gesundheitsreform Geld für Medizin? Ja, bitte!

Da soll noch einer sagen, die Deutschen sperrten sich gegen Reformen. Einer Umfrage zufolge finden 70 Prozent aller Bürger Zuzahlungen für Medikamente und medizinische Behandlungen in Ordnung. Auch Ärzte und Kliniken seien zu Veränderungen bereit.


Apothekerin: Dem Ruf nach mehr Eigenbeteiligung für medizinische Leistungen kommen die Deutschen offenbar gerne nach.
DPA

Apothekerin: Dem Ruf nach mehr Eigenbeteiligung für medizinische Leistungen kommen die Deutschen offenbar gerne nach.

Hamburg - Die große Mehrheit der Deutschen befürwortet einer Umfrage zufolge Selbstbeteiligungen im Gesundheitswesen. 70 Prozent akzeptierten die Zuzahlungen bei Arzneimitteln und einzelnen medizinischen Leistungen, geht aus einer am Mittwoch in Hamburg vorgestellten Forsa-Studie im Auftrag der Allianz Privaten Krankenversicherung hervor. Mehr als ein Drittel der Befragten sei sogar bereit, bei allen medizinischen Behandlungen einen Eigenanteil zu leisten. Für die Studie wurden Akteure des Gesundheitswesens aus Medizin, Wirtschaft und Politik sowie mehr als 500 Bürger befragt.

Zu einschneidenden Reformen seien auch die Ärzte bereit. So akzeptierten 40 Prozent der Mediziner, mit den privaten Krankenversicherungen auf Basis fester Verträge abzurechnen, die die Honorarhöhe detailliert regeln. Fast die Hälfte halte auch die Bezahlung per Fallpauschalen im ambulanten Bereich für sinnvoll. Die bisher geltende amtliche Gebührenordnung für Ärzte und Zahnärzte gehöre also auf den Prüfstand, folgerten die Experten.

Folgen der Gesundheitsreform kostet Regierung Stimmen

Ärzte und Kliniken sind nach der Untersuchung auch bereit, sich dem Wettbewerb in Sachen Qualität zu stellen: 84 Prozent von ihnen würden eine Fortbildungspflicht für Kassenärzte begrüßen. Zur Belebung des Wettbewerbs sollten nach Meinung der befragten Entscheider Monopole und staatliche Planungsinstrumente wie die Krankenhausplanung beseitigt werden.

Die Probleme der von der rot-grünen Regierung und der Union ausgehandelten Gesundheitsreform schaden Umfragen zufolge vor allem dem Ansehen von SPD und Grünen. In einer ebenfalls von Forsa durchgeführten Umfrage im Auftrag des Hamburger Magazins "Stern", erklärten 80 Prozent der Befragten, Rot-Grün sei schuld. 40 Prozent glaubten, die Krankenkassen seien verantwortlich. 31 Prozent der 1009 befragten Deutschen gaben der Opposition und 19 Prozent der Ärzteschaft die Schuld. Es waren Mehrfachnennungen möglich.

Der wöchentlichen Forsa-Umfrage im Auftrag des "Stern" und des Fernsehsenders RTL zufolge ist die SPD im Vergleich zur Vorwoche um einen Punkt auf 26 Prozent gefallen. Ebenfalls einen Punkt büßten die Grünen ein, sie liegen jetzt bei zehn Prozent. CDU/CSU und FDP stiegen um je einen Punkt auf 49 beziehungsweise sieben Prozent. Befragt wurden 2515 Menschen.



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