Gewalt in Tibet Sponsoren halten an Olympia-Engagement fest

Menschenrechtler warnen vor einer "Olympiade des Völkermords", Adidas, McDonald's und Coca-Cola bangen um ihr Image. Dennoch halten die Konzerne an ihrem Engagement bei den Olympischen Spielen fest - schließlich haben sie schon Millionen Euro für Werbung investiert.

Peking - Samsung  , Lenovo   und Coca-Cola   sind wohl die ersten Sponsoren, die den Druck von Menschenrechtsorganisationen und Öffentlichkeit spüren werden: Sie finanzieren den olympischen Fackellauf, der noch in diesem Monat beginnen wird und quer durch Tibet führen soll, bis hin zum Mount Everest. Aktivisten haben von den Konzernen eine Absage gefordert, um so gegen das Vorgehen chinesischer Sicherheitskräfte gegen tibetische Demonstranten zu protestieren.

"Wir haben keine Pläne unsere Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Fackellauf zu ändern", teilte Coca-Cola in Peking mit. Der koreanische Konzern Samsung teilte mit, die Olympischen Spiele seien nicht der geeignete Anlass für Demonstrationen. Man hoffe, dass alle Besucher das einsehen werden.

Das Veranstaltungskomitee in Peking betonte, dass der geplante Staffellauf mit der olympischen Flamme wie geplant stattfinden werde. Die Passage am höchsten Punkt der Erde im Mai werde ein Höhepunkt der Feierlichkeiten sein.

Mit dem Geld der Sponsoren und Marketingeinnahmen wollen die Organisatoren die rund 2,1 Milliarden Dollar Betriebskosten wieder einspielen. Kosten für Neubauten und Infrastruktur sind dabei nicht eingerechnet. Die zwölf Hauptsponsoren, darunter Adidas  , Omega, McDonald's   und Coca-Cola, sollen jeweils rund 100 Millionen Dollar bezahlt haben. Ihnen geht es dabei um die globale Werbewirkung und ihre Positionierung auf dem riesigen chinesischen Markt. Daher vermeiden die meisten jede Geste oder Äußerung, die Pekings sensible Funktionäre verärgern könnte. Ihr Logo soll schließlich die Werbebanden in den Stadien, die Anzeigetafeln und Schirmmützen der Funktionäre zieren.

Doch nun werden die Spiele zunehmend mit Chinas Politik in Verbindung gebracht - und die Konzerne geraten zwischen die Fronten. Wie vereinbar ist der Kommerz mit der Unterdrückung von Menschrechten und Gewalt?

"Wir müssen alle sehr vorsichtig sein, wie wir darüber sprechen", sagte der China-Präsident der Beratung für Sportmarketing Helios, Chris Renner. Zu seinen Kunden gehören zum Beispiel der Computerhersteller Lenovo und der deutsche Volkswagen-Konzern. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, hat angesichts der Lage in Tibet "ernste Besorgnis" ausgedrückt, aber jede Politisierung zurückgewiesen.

Kritik wächst seit Monaten

Doch nicht erst seit den Auseinandersetzungen in Tibet steht China heftig in der Kritik: Wegen der Unterstützung des Regimes im Sudan und der Weigerung entschlossen auf ein Ende der Gewalt in der Bürgerkriegsprovinz Darfur hinzuwirken, steht die Volksrepublik international schon lange am Pranger. Hollywood-Regisseur Steven Spielberg kündigte deswegen vor wenigen Wochen seine Mitarbeit an der Eröffnungszeremonie in Peking. Die Schauspielerin und Darfur-Aktivistin Mia Farrow sprach offen von der "Olympiade des Völkermords". In dem afrikanischen Land, das ein wichtiger Öllieferant Chinas ist, sind in den vergangenen Jahren nach UN-Schätzungen mindestens 200.000 Menschen getötet worden.

China ist nicht das erste Land, das als Ausrichter der Olympischen Spiele in den Mittelpunkt rückt und Proteste auf sich zieht: 1996 in Atlanta wurde gegen Diskriminierung von Homosexuellen demonstriert, vier Jahre später in Sydney dominierten Proteste von Aborigines und Umweltschutz-Aktivisten die Szene. Doch die Vorwürfe gegen China sind weit größer: Unterdrückung des eigenen Volkes von 1,3 Milliarden Menschen, Ignorieren des Völkermordes im Sudan und schließlich auch die Lage in Tibet. Selten waren die Rufe nach einem Boykott der Spiele seit dem Endes des Kalten Krieges so laut.

Noten für Olympia-Sponsoren

Die US-Organisation Dream for Darfur vergibt daher Noten für Olympia-Sponsoren: Die Bestnote erreichte der Elektronikkonzern General Electric   (GE), größtenteils weil das Unternehmen medizinische Ausrüstung und Geld für Unicef in Darfur spendete. Darüber hinaus teilte der Konzern jedoch mit: "Es ist nicht die Rolle von GE, die Spiele zu nutzen, um politischen Einfluss auszuüben."

Als Protest gegen die repressive Politik Pekings im eigenen Land verbreiten Menschenrechtsorganisationen längst ganz andere Bilder von Olympia: Anstatt der fünf Olympia-Ringe sind darauf Handschellen zu sehen.

sil/AP

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