Gewinnbeteiligung Köhler-Vorstoß spaltet Arbeitnehmerlager

Der Vorschlag von Bundespräsident Horst Köhler, die Arbeitnehmer angemessen am Gewinn ihrer Unternehmen zu beteiligen, stößt bei den Gewerkschaften auf ein geteiltes Echo. So melden IG Metall und Teile von Ver.di Bedenken an, während die IG BCE die Idee unterstützt.


Berlin - "Neben dem Arbeitsplatzrisiko können die Arbeitnehmer nicht auch noch das Kapitalrisiko tragen", sagte der IG-Metall-Gewerkschaftsvorsitzende Jürgen Peters. So bleibe den Arbeitnehmern bei Köhlers Beteiligungsvorschlag der Einfluss auf die Unternehmensgeschicke verwehrt, ergänzte er im ZDF. Die Folgen von Fehlentwicklungen müssten die abhängig Beschäftigten aber mittragen.

Warnstreik der IG Metall (bei VW): Kapitalrisiko für Arbeitnehmer
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Warnstreik der IG Metall (bei VW): Kapitalrisiko für Arbeitnehmer

Zurückhaltend äußerte sich auch der stellvertretende Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, Frank Werneke. Werneke sagte der "Netzeitung", es handele sich um einen gangbaren Weg, der aber nur in einem bestimmten Umfang umgesetzt werden könne. "Ich glaube aber nicht, dass das Lohnsystem in Deutschland grundsätzlich in diese Richtung geändert werden kann", sagte der Gewerkschafter. Es handele sich allenfalls um ein Instrument für große Konzerne, in denen die Arbeitnehmer über den Aufsichtsrat Einfluss nehmen könnten.

Der bayerische Ver.di-Landesbezirksleiter Josef Falbisoner warnte indessen vor Fehlentwicklungen. Mitarbeiterbeteiligungen hätten sich schon oft als der falsche Weg herausgestellt. Ein abschreckendes Beispiel sei unter anderem die Telekom, wo für die Beschäftigten der tarifliche Lohnverzicht mit Mitarbeiteraktien ausgeglichen werden sollte. "Das hat sich für die Arbeitnehmer überwiegend als Flop erwiesen, die meisten Beschäftigten haben draufgezahlt", sagte Falbisoner.

Dagegen sagte IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt dem "Handelsblatt": "Was der Bundespräsident hier anmahnt, kann ich alles unterstützen." Zustimmung für Köhlers Vorschläge kam auch aus der Wirtschaft und aus nahezu allen politischen Lagern. Mit ungewohnt konkreten Vorschlägen hatte sich der Bundespräsident zuvor in die Debatte um eine angemessene Lohnpolitik eingeschaltet. In einem gestern veröffentlichten Interview des Magazins "Stern" schlug er unter anderem vor, die Arbeitnehmer angemessen an der Produktivität ihrer Betriebe zu beteiligen.

Köhler betonte weiter, er halte "die Zeit für gekommen, die Ertragsbeteiligung der Arbeitnehmer oder ihre Beteiligung am Produktivvermögen wieder auf den Tisch zu bringen". In Zeiten der Globalisierung könnten solche Kapitalbeteiligungen in Arbeitnehmerhand dazu beitragen, "einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich entgegenzuwirken". Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssten heute begreifen, "dass sie im Betrieb angesichts des weltweiten Wettbewerbs im selben Boot sitzen".



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