Gewinnwarnung Leica schafft die Vorgaben nicht

Der Kamerahersteller Leica kommt nicht aus der Krise. Angesichts der mauen Verkäufe schraubt das Traditionsunternehmen die Erwartungen für das Gesamtjahr zurück. Zudem wird der Vorstandschef ausgewechselt.


Leica-Kamera: Enttäuschender Auftragseingang

Leica-Kamera: Enttäuschender Auftragseingang

Frankfurt am Main - Der Auftragseingang vor der Messe Photokina sei unter den Erwartungen geblieben, teilte die Gesellschaft am Donnerstagabend in Frankfurt mit. Leica rechnet nun für das Geschäftsjahr 2004/2005 mit einem Verlust. Ursprüngliche hatten die Verantwortlichen ein ausgeglichenes operatives Ergebnis angepeilt.

Das wichtige Weihnachtsgeschäft werde entscheiden, in welchem Maße die Umsatz und Ergebnisauswirkungen des zweiten Quartals abgemildert werden könnten, hieß es. "Im letzten Quartal werde wir wieder kräftig zuschlagen", beteuerte Vorstandschef Hanns-Peter Cohn.

Leica werde die Ausfälle des zweiten Quartals aber nicht ausgleichen können. Nach eigenen Angaben lag der Umsatz um rund fünf Millionen Euro unter dem Vorjahreszeitraum, als Leica 27,8 Millionen Euro umsetzte.

Wechsel im an der Spitze

Allerdings wird Cohn dem Unternehmen nicht mehr lange zur Verfügung stehen. Neuer Vorstandsvorsitzender des hessischen Unternehmens soll Ralf Coenen werden, der bislang im Vorstand die Ressorts Technik, Kooperationen sowie Vertrieb Asien verantwortet.

Amtsinhaber Cohn wie auch Coenen betonten, dass die Personalie nicht im Zusammenhang mit der Gewinnwarnung stehe. "Der Wechsel ist von langer Hand vorbereitet", sagten die beiden Manager. Cohn kehrt nach sechs Jahren an der Spitze von Leica zum Schweizer Möbelhersteller Vitra zurück und übernimmt dort die Führung.

Der Vorstandswechsel bedeutet nach den Worten von Coenen keine Abkehr von der bisherigen Strategie. "Ich werde konsequent die Dinge weitermachen, die wir angefangen haben", sagte er.

Dem Unternehmen macht vor allem der Übergang zur digitalen Fotografie zu schaffen, deren Marktanteil explosionsartig wächst. Coenen sieht allerdings weiterhin Platz für die Produkte des Traditionskonzerns. Dies habe sich bei der diesjährigen Photokina gezeigt, wo verstärkt jüngere Messebesucher den Stand von Leica besucht hätten, sagte Coenen.

Ungeachtet der Ergebniskorrektur plant Leica keine Ausweitung des laufenden Sparprogramms. An seinem Stammsitz in Solms hat die Gesellschaft 105 Stellen abgebaut. "Weitere Kündigungen darüber hinaus sind nicht geplant", sagte Coenen.



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