Gfk-Konsumklima Deutsche lassen sich Weihnachts-Kauflaune nicht verderben

Das Weihnachtsgeschäft brummt: Bislang konsumieren die Verbraucher laut GfK-Studie trotz Rezession und Finanzkrise auf stabilem Niveau. Doch immer mehr Bürger machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz.


Berlin - Die Kauflaune der Verbraucher stabilisiert sich trotz Rezession und Finanzkrise. Das Konsumklima werde im Januar konstant bleiben, prognostizierten die Marktforscher der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Montag nach einer Umfrage unter 2000 Deutschen. Das GfK-Barometer bleibe mit 2,1 Punkten unverändert. Im November und Dezember war es jeweils leicht gestiegen.

Hamburger Einkaufszentrum: Der Konsum bleibt stabil
AP

Hamburger Einkaufszentrum: Der Konsum bleibt stabil

Während sich die Kauflaune zum Weihnachtsfest trotz der Finanzkrise noch einmal verbesserte, beurteilen die Bundesbürger die weitere Wirtschaftsentwicklung erneut skeptischer als im Vormonat, wie aus der am Montag veröffentlichten GfK-Konsumklimastudie für Dezember hervorgeht.

Gestützt wurde das Konsumklima vor allem von der sinkenden Inflation und einer höheren Anschaffungsneigung. Zwar machten sich die Befragten mehr Sorgen um ihren Arbeitsplatz und gingen von sinkenden Einkommen aus, schrieben die Experten. Stark gefallene Benzin- und Heizölpreise schonten jedoch das Haushaltsbudget. Dies könne für eine bessere Stimmung bei den Verbrauchern sorgen. Zudem trage eine tendenziell rückläufige Sparneigung zu einem besseren Konsumklima bei. "Allerdings führen Produktionseinbrüche, Kurzarbeit sowie Meldungen über drohende Entlassungen dazu, dass sich mehr und mehr Konsumenten auch persönlich von der Krise betroffen fühlen", hieß es.

Die Konjunkturaussichten schätzen die Verbraucher erneut schlechter ein. Das entsprechende Barometer sank im Dezember auf minus 32,4 Zähler, das sind 2,3 Punkte weniger als im November. "Die konjunkturelle Entwicklung stimmt die Konsumenten nachdenklich", sagte Gfk-Chef Klaus Wübbenhorst.

Derzeit gebe es kaum Anlass, diesen Pessimismus aufzugeben, schrieb die GfK. Experten erwarten 2009 einen kräftigen Konjunktureinbruch. Das Wirtschaftsministerium hält im schlimmsten Fall sogar ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um drei Prozent für möglich. Im bisher schwächsten Jahr 1975 ging das Bruttoinlandsprodukt um 0,9 Prozent zurück.

Dennoch hält die GfK für das kommende Jahr einen Anstieg des privaten Verbrauchs von 0,5 Prozent weiter für möglich. Die Kaufkraft werde von der sinkenden Inflation und den zuletzt guten Tarifabschlüsse gestützt. Allerdings hänge die Entwicklung des Konsumklimas maßgeblich davon ab, wie scharf die Rezession ausfalle.

Experten sind positiv überrascht, dass das Konsumklima nicht gefallen ist: "Die Deutschen lassen sich Weihnachten nicht von der Finanzkrise vermiesen. Die Rezession ist bei ihnen noch kaum angekommen", sagt Sebastian Wanke von der DekaBank. Wenn aber die Arbeitslosigkeit zu Jahresbeginn steige und sich die schlechten Nachrichten fortsetzen, dann werde sich auch die Konsumstimmung deutlich eintrüben. Exportweltmeister Deutschland wird dem Experten zufolge den globalen Abschwung besonders deutlich zu spüren bekommen.

Pessimistisch gibt sich Matthias Huth von der LBBW: "Man darf in die Zahlen nicht so viel positives hineininterpretieren. Die Anschaffungsneigung ist relativ bescheiden, die Konjunkturerwartungen sind extrem negativ. Große Impulse von Seiten des Konsums würde ich für das kommende Jahr nicht erwarten."

Zur Stabilisierung des Konsums fordert die GfK deshalb zusätzliche staatliche Maßnahmen: "Wir brauchen ein zusätzliches Konjunkturprogramm", sagte Wübbenhorst. Dabei müsse die Regierung "klotzen und nicht kleckern". Er plädiert für ein "schnelles und entschlossenes" Handeln. Der Umfang des Programms sollte dabei im zweistelligen Milliardenbereich liegen.

cvk/Reuters/dpa/AP/ddp

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