Glänzende Jahresbilanz Vodafone-Chef Sarin kündigt Rücktritt an

Die Regulierer der EU haben dem deutschen Ableger des Mobilfunkriesen Vodafone im abgelaufenen Geschäftsjahr arg zugesetzt. Der Gesamtkonzern blieb davon fast unbeeindruckt - die Briten steigerten ihren Gewinn unerwartet deutlich um 5,7 Prozent. Das blieb aber nicht die einzige Überraschung.


London - Seinen Vortrag zur Jahresbilanz leitete Vodafone-Chef Arun Sarin am Dienstag mit der Ankündigung seines Rücktritts ein. Vodafone sei strategisch für einen Führungswechsel positioniert, er habe seine Ziele erreicht, gab er kurz zu Protokoll. Der 53-Jährige will nach fünf Jahren an der Konzernspitze sein Amt mit Ablauf der Hauptversammlung am 29. Juli abgeben. Er werde von dem bisherigen Vize- und Europachef Vittorio Colao ersetzt, teilte der Mobilfunkkonzern mit.

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Laut "Financial Times" kommt Sarins Rücktritt für viele in der Branche überraschend. Sarin habe noch vor wenigen Monaten Gerüchte dementiert, wonach er das Unternehmen 2008 verlassen würde. Zudem könne er auf eine Erfolgsbilanz verweisen. Dazu gehöre vor allem, dass Sarin 2007 die Übernahme der Mehrheit bei Hutchison Essar, dem viertgrößten Mobilfunkkonzern in Indien, abschließen konnte.

Sarins Nachfolger Colao habe sich als Vize-Chef seit September 2006 den Respekt von Aktionären und Analysten verdient, schreibt die Zeitung. Er habe maßgeblich dafür gesorgt, dass Vodafone in seinen europäischen Unternehmen die Kosten senken und die Gewinne steigern konnte. Zudem wird Colao gutgeschrieben, dass es gelungen sei, mehr Kunden für Datenübertragungen wie das Websurfen mit dem Mobiltelefon zu gewinnen.

Was Sarin mit der "strategisch guten Aufstellung für einen Führungswechsel" meint, wird an den Zahlen deutlich, die der scheidende Vodafone-Boss vorlegte: Danach stiegen die Erlöse in dem am 31. März beendeten Geschäftsjahr um 14,1 Prozent auf 35,5 Milliarden britische Pfund, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen wuchs um 10,2 Prozent auf 13,2 Milliarden Pfund. Zu den stärksten Umsatztreibern zählte der Konzern sein Wachstum in Schwellenländern und positive Währungseffekte, etwa der starke Kurs der indischen Rupie und des Euro gegen das britische Pfund. Vodafone erzielt rund 60 Prozent des Umsatzes im Euro-Raum.

Vodafone Deutschland musste dagegen trotz deutlicher Kundenzuwächse Einbußen bei Umsatz und Gewinn hinnehmen. Der Umsatz sank um 4,7 Prozent auf 7,65 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verringerte sich sogar um 7,4 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro, wie der Konzern am Dienstag in Düsseldorf mitteilte.

Ausschlaggebend für die Einbußen des zweitgrößten deutschen Mobilfunkanbieters waren nach Konzernangaben insbesondere die von den Regulierungsbehörden angeordneten Preissenkungen für Auslandsgespräche und Terminierungsentgelte.

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Gesamtkonzern mit einem operativen Ergebnis von 11 bis 11,5 Milliarden Pfund. Der Umsatz soll auf 39,8 bis 40,7 Milliarden steigen. Sarin bezeichnete die wachsende Inflation und die steigenden Lebensmittelpreise in den Schwellenländern als eine Herausforderung für das Vodafone-Geschäft. Sarin bekundete außerdem ein Interesse des Konzerns an Zukäufen in Afrika und Asien, nannte aber keine Details.

Der Finanzmarkt reagierte positiv auf die Nachricht. Der Kurs der Vodafone-Aktie zeigte sich gegen 11 Uhr mit einem Plus von 1,2 Prozent, nachdem im Londoner Handel anfangs noch deutlichere Aufschläge verbucht worden waren.

mik/dpa-AFX/Dow Jones/AP



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