Glasfasernetze 500 Milliarden Dollar vernichtet

In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre verbuddelten Telekommunikationskonzerne weltweit Glasfaserkabel im Wert von einer halben Billion Dollar. Inzwischen sind die optischen Netze kaum noch etwas wert, die Investitionen sind größtenteils futsch.


Glasfaserkabel: Gigantische Überkapazitäten, gigantische Wertvernichtung
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Glasfaserkabel: Gigantische Überkapazitäten, gigantische Wertvernichtung

Hamburg - 1998 galten Glasfasernetze als die Investition für das kommende Millennium. Telefonunternehmen, Internetprovider, Kommunikationskonzerne - alle investierten in fiberoptische Leitungen, um für das neue Datenzeitalter gerüstet zu sein. In den Jahren von 1998 bis 2001 gaben Telekommunikationsunternehmen und Netzwerkbetreiber mehr als eine Billion Dollar für Kommunikationsinfrastruktur aus. Etwa die Hälfte dieser Summe floss in den Aufbau von Glasfasernetzen.

Der Telekommunikationsanbieter Colt investierte allein für sein Netz in Frankfurt am Main satte 50 Millionen Euro. Zweifel daran, ob sich der massive Ausbau der Datenkapazitäten auch rentieren würde, gab es kaum. "Vom Markt her", sagte damals Colts Deutschlandchef Horst Enzelmüller der Presse, "gibt es kein Limit".

Eine Fehleinschätzung. Inzwischen ist klar, dass die Gesetze von Angebot und Nachfrage auch für den Glasfasersektor gelten. Investoren, die in den Bau von Glasfasernetzwerken investiert haben, werden den Großteil ihres Geldes vermutlich nie wieder sehen. Cyrus Mewawawalla, Analyst bei Nomura in London, schätzt die Überkapazitäten im Glasfaserbereich weltweit auf 95 Prozent. Bisher ließ sich der genaue Wert der Ende der Neunziger aufgebauten Datennetze allerdings nur schwer beziffern.

Die Pleite bringt es an den Tag

Nachdem jedoch mehrere Besitzer großer Glasfasernetzwerke in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind und ihr Anlagevermögen verkaufen müssen, wird deutlich, wie wenig der digitale Kabelsalat noch wert ist. Für das 85.000 Meilen umfassende Netz des bankrotten US-Unternehmens Global Crossing hätten Gutachter gerade mal einen Wert in Höhe von zehn Prozent der Investitionssumme angesetzt, berichtet die britische "Times".

Stephan Beckert, Analyst bei TeleGeography, vermutet, dass zehn Prozent der ursprünglichen Investitionssumme eine realistische Schätzung darstellen. In den USA seien bei Glasfaser-Auktionen in den vergangenen Monaten ähnliche Preise erzielt worden. Das hieße, dass die in Glasfasernetze investierte Summe von gut 500 Milliarden Dollar fast vollständig durch den Kamin gegangen ist. Besserung ist nicht in Sicht. "Die Nachfrage steigt zwar, aber die Kapazitäten haben sich in den vergangenen vier Jahren verzwanzigfacht", so Beckert, "deshalb werden wir noch lange Zeit einen Kapazitätsüberhang haben".



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