Globaler Abschwung Deutsche Exporte stürzen ab wie seit 15 Jahren nicht mehr

Die globale Wirtschaftskrise trifft die deutschen Exportunternehmen hart: Die Ausfuhren sind im November im Vergleich zum Vorjahr so stark eingebrochen wie seit 1993 nicht mehr. Ökonomen sprechen von "grottenschlechten Zahlen".


Berlin - Der weltweite Abschwung macht den deutschen Unternehmen zu schaffen: Im November sanken die Exporte kalender- und saisonbereinigt um 10,6 Prozent im Vergleich zum Oktober, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Das sei der stärkste Rückgang gegenüber dem Vormonat seit Beginn der Erhebung 1991, sagte ein Statistiker.

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Die Unternehmen verkauften Waren im Wert von 77,1 Milliarden Euro ins Ausland. Gegenüber dem Vorjahr entsprach das sogar einem Minus von 11,8 Prozent. Ein größeres Minus gab es zuletzt im Oktober 1993 mit 13,3 Prozent. Überdurchschnittlich stark schrumpften die Ausfuhren in andere EU-Länder mit minus 14 Prozent.

Neben dem Export sind im November auch die deutschen Importe gesunken, teilte das Statistische Bundesamt weiter mit. Die Einfuhren hätten sich demnach im Jahresvergleich um 0,9 Prozent verringert. Kalender- und saisonbereinigt verzeichneten die Statistiker einen Rückgang im Monatsvergleich von 5,6 Prozent.

Der Einbruch bei den Ausfuhren fiel stärker aus als von Beobachtern vorhergesagt. Analysten hatten lediglich mit einem Minus von 2,8 Prozent gerechnet. "Die Zahlen sind grottenschlecht, der Rückgang ist ungewöhnlich steil. Vor allem die Euro-Zone ist betroffen, die Rezession spielt da eine große Rolle", sagte Ulrike Kastens, Ökonomin beim Bankhaus Sal. Oppenheim. Sie rechnet mit weiteren Hiobsbotschaften für die Exportwirtschaft.

"Das sind verheerende Zahlen. Die Nachfrage bricht weltweit weg. Da hilft auch nicht, dass die deutschen Unternehmen eigentlich sehr gut aufgestellt und hoch wettbewerbsfähig sind", sagte Alexander Koch von Unicredit. Der Ökonom erwartet infolge der Exportmisere einen Rückgang beim Bruttoinlandsprodukt.

Für die deutsche Wirtschaft mit ihrem hohen Exportanteil hat der globale Abschwung schlimme Folgen. "Investitionsprojekte werden überdacht, und die deutschen Firmen trifft es wegen ihres Produktmixes mit viel Investitionsgütern hart", sagte Sal.-Oppenheim-Ökonomin Kastens. Der private Konsum könne das nicht ausgleichen, es fehle an der Binnennachfrage. Auch die Konjunkturprogramme könnten bestenfalls stabilisieren.

Angesichts der wachsenden Probleme für die deutschen Unternehmen prüft die Große Koalition nun die Errichtung eines Schutzschirms für Firmen in der Wirtschaftskrise. Sowohl von der Union als auch von der SPD werden staatliche Bürgschaften für Unternehmen angepeilt, die die Staatsbank KfW oder andere Institute leisten könnten, hieß es am Mittwoch aus Unions- und Regierungskreisen. Offen ist allerdings noch der Umfang der Hilfen und die Frage, ob der Rettungsschirm bereits Teil des zweiten Konjunkturpakets sein wird, das am kommenden Montag von den Koalitionsspitzen beschlossen werden soll.

suc/Reuters/AFP/ddp/dpa-AFX



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