Globalisierung Verkaufte deutsche Marken - mal saniert, mal ruiniert

In Herzogenaurach verwurzelt, an Paris verkauft: Puma steht kurz vor der Übernahme durch den Luxuskonzern PPR. Gerade in den letzten Jahren fielen Dutzende andere deutsche Traditionsfirmen an ausländische Investoren. SPIEGEL ONLINE zeigt, wer erfolgreich saniert wurde - und wen Renditejäger ausgeweidet haben.


Hamburg - Die Eingreiftruppe aus New York erledigte ihren Job schnell und zupackend. Man schrieb den Herbst 2005, als die US-Investmentbank Goldman Sachs sich die in Osnabrück beheimatete Drogerie-Kette Ihr Platz einverleibte. Die deutsche Gründer- und Besitzerfamilie Frömbling wurde herausgedrängt - nach 120 Jahren.

Was klingt wie eine Geschichte von renditegierigen "Heuschrecken", die einen traditionellen deutschen Mittelständler aussaugen, ist tatsächlich das Gegenteil. Denn Ihr Platz war nach vielen Dekaden dynastischer Herrschaft heruntergewirtschaftet und insolvent. Die Aufkäufer aus Amerika schlossen 80 Filialen, ein Zentrallager und bauten in der Hauptverwaltung 30 Prozent der Stellen ab. Insgesamt gingen von fast 9000 Jobs aber vergleichsweise wenige verloren - einige Hundert. Für dieses Jahr peilt Ihr Platz wieder den Breakeven an. Ohne die US-Banker wäre die Drogeriekette wohl längst Geschichte.

Wenn deutsche Unternehmen von ausländischen Aufkäufern geschluckt werden - dann gibt es sie immer wieder, solche Erfolgsstorys. So ist der lange kriselnde Kamera-Hersteller Leica mit dem österreichischen Investor ACM gut gefahren. "Wir wollen Deutschland stärken", versprach der ACM-Chef erst jüngst in einem Interview.

Genauso oft gilt für die übernommenen Unternehmer: erst verkauft, dann kaputt gespart - oder gar abgewickelt. Als Skandal-Exempel ist BenQ Deutschland in Erinnerung. Die neuen taiwanischen Eigner fanden kein Konzept für die frühere Siemens-Handysparte, suchten wohl auch nicht ernsthaft - und überließen das Unternehmen der Insolvenz, die Mitarbeiter der Arbeitslosigkeit. Anderswo empört der Renditehunger der ausländischen Aufkäufer Mitarbeiter und Politik. So klagen die Pächter der Raststätten-Kette Tank & Rast, sie würden von den britischen Finanzinvestoren, denen das einstige Staatsunternehmen nun gehört, schikaniert und ausgepresst.

Geschichten von glücklosen oder gescheiterten Übernahmen gehören seit Jahrzehnten zum Wirken des globalen Kapitals - schon Ende der zwanziger Jahre verkauften die Gebrüder Opel ihr Unternehm nach Amerika. Allein: Durch die neue Beweglichkeit der Börsenfinanzen und die Liquiditätsschwemme in der Private-Equity-Szene nimmt die Zahl der transnationalen Übernahmen deutlich zu. Dass eine regional verwurzelte Bank wie die HVB an einen italienischen Konkurrenten verkauft wird, wäre noch in den achtziger Jahren kaum denkbar gewesen - 2005 wurde es Realität. Der Bankenstandort München hat darunter gelitten.

Nicht immer werden die Aufkäufer von Gier getrieben - oft genug sind ihre Absichten gut, nur verstehen sie die Bedürfnisse des nationalen Marktes nicht. Oft scheitern internationale Übernahmen an kulturellen Missverständnissen, an schlechtem Management. Und oft genug stehen auch deutsche Unternehmen im Ausland am Pranger - so wie derzeit Daimler.

Die amerikanischen Beschäftigten bei Chrysler jedenfalls können durchaus behaupten, die Deutschen hätten ihr Unternehmen zu Grunde saniert.

itz



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