Glossar Das ABC des Arbeitsmarkts

Was genau ist ein Fallmanager? Was geschieht in einem Jobcenter? Und was ist der Unterschied zwischen Mini- und Midijobs? Im ABC finden Sie Erklärungen zu allen wichtigen Stichworten rund um den Arbeitsmarkt.
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Agenda 2010

Sie sollte "Deutschland bis zum Ende des Jahrzehnts bei Wohlstand und Arbeit wieder an die Spitze bringen", wie der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder in seiner Regierungserklärung am 14. März 2003 erklärte. Durch das Konzept, zu dem unter anderem die Gesundheits-, die Steuer- und die Hartz-Reform gehören, sollen die Lohnkosten gesenkt, die Arbeitslosigkeit abgebaut und das Bildungs- sowie die Sozialsysteme grundsätzlich reformiert werden. Arbeitslosengeld II

Durch die Hartz-IV-Reform wurden Anfang 2005 Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe zum Arbeitslosengeld II (ALG II) zusammengefasst. Anders als bei der Arbeitslosenhilfe richtet sich diese Grundsicherung nicht nach dem letzten Lohn, sondern nach den Bedürfnissen der in einem Haushalt lebenden Personen. Eltern, Partner, minderjährige Kinder und hilfsbedürftige Arbeitsfähige gelten als sogenannte "Bedarfsgemeinschaft". Reicht ihr gemeinsames Vermögen zum Lebensunterhalt nicht, wird das ALG II bezahlt. Der Höchstsatz beträgt für Alleinstehende 345 Euro. Dem Koalitionsvertrag von SPD und Union zufolge soll der Satz in den neuen Bundesländern auf Westniveau angehoben werden. Die Kosten für das ALG II trägt der Bund.

Nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung haben etwa 17 Prozent der früheren Arbeitslosenhilfeempfänger keinen ALG-II-Anspruch. Für 53 Prozent von ihnen hat sich die Einkommenssituation verschlechtert, für 47 Prozent jedoch verbessert. Für ehemalige Sozialhilfeempfänger sind die Auswirkungen demnach relativ gering.

Das Arbeitsministerium kommt die neue Grundsicherung teuer zu stehen. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften schnellte von 4.303.656 im Februar auf 4.882.243 im September 2005. Insgesamt wurden 2005 rund 25 Milliarden Euro für das ALG II ausgegeben. Ursprünglich hatte der Bund mit etwa 14 Milliarden Euro kalkuliert. Auch dieses Jahr scheinen die tatsächlichen Kosten die Pläne der Bundesregierung bei weitem zu übersteigen: Bis Ende Juli 2006 lagen die Kosten für das ALG II bei rund 15,95 Milliarden und damit um 9,9 Prozent höher als in den ersten sieben Monaten des Vorjahres. Auf das Jahr hochgerechnet würden damit insgesamt rund 27 Milliarden Euro für die Unterstützungszahlung fällig - im Bundeshaushalt vorgesehen sind derzeit 24,4 Milliarden Euro. Ausbildungsplatzabgabe

Bereits am 7. Mai 2004 wurde im Bundestag mit den Stimmen der rot-grünen Regierungsmehrheit ein Gesetz zur Einführung der Ausbildungsplatzabgabe verabschiedet. Allerdings wurde das Gesetz mit dem Abschluss des Ausbildungspakts durch Regierung und Arbeitgeber vorerst ausgesetzt. Sollte die Ausbildungsplatzabgabe eines Tages doch Realität werden, müsste die Anzahl der benötigten Lehrstellen jährlich ermittelt und so ausgerechnet werden, wie viele Ausbildungsplätze jeder Betrieb anbieten müsste. Unternehmen, die ihre Quote nicht erfüllen, müssten eine Strafe in einen Fonds einbezahlen, mit dem wiederum die Firmen unterstützt würden, die ihr Soll an Lehrstellen übererfüllen.

Kritiker bemängeln, dass Betriebe sich durch die Ausbildungsplatzabgabe aus ihrer Verantwortung freikaufen könnten. Außerdem würde die Abgabe enorme Verwaltungskosten für Betriebe und Staat mit sich bringen und so Ausbildung in Deutschland noch teurer machen. Nicht zuletzt würden ohnehin strukturschwache Gebiete die Ausbildung in wirtschaftlich stärkeren Gebieten noch mitfinanzieren müssen. Ausbildungspakt

Der "Nationale Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs" wurde am 16. Juni 2004 von Regierung und Arbeitgebern besiegelt. Er soll neue Dynamik auf den deutschen Ausbildungsmarkt bringen und war zunächst auf drei Jahre angelegt. Für die Zeit seiner Geltung wurde die bereits beschlossene Einführung der Ausbildungsplatzabgabe ausgesetzt. Im Januar 2006 wurde die Vereinbarung bis 2010 verlängert.

Die vier großen Wirtschaftsverbände - der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Bund der Arbeitgeber (BDA), der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Zentralverband des Handwerks (ZDH) - verpflichten sich mit dem Pakt bis 2007 jährlich 30.000 neue Lehrstellen und 25.000 "Einstiegsqualifizierungen" zu schaffen. Die Vergütung für diese einjährigen Praktika von höchstens 192 Euro pro Monat sowie die Sozialversicherungsbeiträge bezahlen die Arbeitsagenturen.

Der Bund versprach im Ausbildungspakt unter anderem, die Zahl der Ausbildungsplätze in der Bundesverwaltung um 20 Prozent aufzustocken. Außerdem werden seit dem Inkrafttreten des Pakts von Kammern und Arbeitsagenturen jedes Jahr Nachvermittlungsaktionen für erfolglose Bewerber organisiert. Je nach "Ausbildungsfähigkeit" werden den Jugendlichen dort weitere Ausbildungs- oder Qualifizierungsangebote vermittelt. Dem Koalitionsvertrag zufolge sollen auch die Gewerkschaften künftig zur Teilnahme am Ausbildungspakt eingeladen werden.

Der bisherige Erfolg des auf drei Jahre angelegten Pakts ist umstritten. Bis zum Januar 2006 seien dank der Vereinbarung 63.000 neue Lehrstellen entstanden, erklärten die Pakt-Partner Anfang des Jahres. Damit sei der Pakt sogar übererfüllt worden. Allerdings berücksichtigt diese Bilanz nicht die Zahl der Ausbildungsplätze, die gleichzeitig bei anderen Betrieben weggefallen sind. Dann nämlich entsteht ein anderes Bild: Der Bundesagentur für Arbeit zufolge sank die Zahl der insgesamt abgeschlossenen Ausbildungsverträge im vergangenen Jahr von 573.000 auf 550.200. Die Gewerkschaften halten die Vereinbarung deshalb für gescheitert und fordern, endlich die auf Eis gelegte Ausbildungsplatzabgabe umzusetzen. Bundesagentur für Arbeit

Die Bundesagentur für Arbeit wurde 1927 als "Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung" errichtet. Sechs Jahre später, mit Beginn des Nationalsozialismus 1933, wurde sie gleichgeschaltet. In der Bundesrepublik hieß die 1952 neugegründete Behörde erst "Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung", dann ab 1969 "Bundesanstalt für Arbeit". 2004 wurde sie im Rahmen der Hartz-Reformen zur "Bundesagentur für Arbeit" (BA). Derzeit hat die Behörde bundesweit rund 90.000 Mitarbeiter. Ihre Aufgaben regelt das Sozialgesetzbuch III. Die BA soll demnach unter anderem Arbeit vermitteln und fördern, die Arbeitslosengelder bemessen und auszahlen, Arbeitsuchende beraten und die berufliche Fortbildung fördern. 2005 gab die BA insgesamt 53.089.000.000 Euro aus. Der Großteil dieser Summe wird aus den Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung finanziert. Rund 400 Millionen Euro musste der Bund zuschießen - weit weniger als erwartet, da die BA fast vier Milliarden Euro weniger ausgegeben hat als geplant. "Ein-Euro-Jobs" (Arbeitsgelegenheiten)

Mit der Hartz-IV-Reform wurden auch sogenannte Arbeitsgelegenheiten für Arbeitslosengeld-II-Empfänger geschaffen. Die Arbeitslosen sollen demnach für nichtkommerzielle Arbeitgeber wie etwa Sportvereine, öffentliche Einrichtungen oder Wohlfahrtsverbände gemeinnützige Aufgaben erledigen. Dafür erhalten sie eine "Mehraufwandsentschädigung" von rund einem bis zwei Euro pro Stunde. Der Zusatzverdienst wird nicht vom Arbeitslosengeld abgezogen. Ein zumutbares Ein-Euro-Job-Angebot darf nicht abgelehnt werden, wobei als zumutbar jede legale, nicht sittenwidrige Arbeit gilt.

über 500 Euro zusätzlich könnten Arbeitslose durch einen Ein-Euro-Job dazu verdienen, lobte der damalige Bundesarbeitsminister Wolfgang Clement die Reform zu ihrem Start. Darüber hinaus sollten die Jobs den Arbeitslosen neues Selbstwertgefühl verleihen und den Weg in den ersten Arbeitsmarkt ebnen - weil der Ein-Euro-Jobber Disziplin und Verantwortungsbewusstsein demonstrieren kann. Trotzdem haben die Ein-Euro-Jobs schon wegen dieses Spitznamens einen miesen Ruf. Schnell war von "Lohndumping" die Rede. Besonders Handwerkskammern und Innungen machen gegen die Arbeitsgelegenheiten für Arbeitslosengeld-II-Empfänger mobil, weil sie die Verdrängung regulärer Arbeit fürchten.

Existenzgründungszuschuss (Ich-AG)

Der eher unter dem Namen "Ich-AG" bekannte Existenzgründungszuschuss gehörte mit zu den umstrittensten Maßnahmen der Arbeitsagentur. Eingeführt wurde er mit der Hartz-II-Reform Anfang 2003. Genau wie das Überbrückungsgeld war er gedacht als unkomplizierte Hilfe für Arbeitslose, die sich selbständig machen wollen. Für die Bewilligung mussten sie Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben und ihre Firmenidee von einer fachkundigen Stelle - wie etwa einer Kammer oder einem fachkundigen Verband - absegnen lassen. Pro Monat bezogen Ich-AGler im ersten Jahr 600 Euro, im zweiten Jahr 360 Euro und im dritten Jahr 240 Euro.

Schon der Start der Ich-AG war schlecht. Anfang 2003 wurde der Begriff zum Unwort des Jahres 2002 erklärt. Die Wortbildung - die Aufbruchsstimmung und Gründergeist wecken sollte - verdecke menschliche Schicksale und soziale Schieflagen mit einer unangemessenen Börsensprache, befand die Jury. In die Kritik geriet die Ich-AG außerdem gerade weil sie so leicht bewilligt wurde: Arbeitslose würden in waghalsige Unternehmungen getrieben, die Missbrauchsquote sei zudem hoch, so lauten die Vorwürfe. Mehrfach wurden die gesetzlichen Vorgaben verschärft.

Trotzdem lastete die Ich-AG schwer auf dem Haushalt der Bundesagentur für Arbeit. Inzwischen gibt es rund 237.000 Ich-AGler. Insgesamt wurden 2005 1,35 Milliarden Euro für das Instrument ausgeben. Ursprünglich waren für das ganze Jahr nur 700 Millionen vorgesehen. Zum 1. August 2006 wurde die Ich-Ag deshalb mit dem Überbrückungsgeld zum so genannten Gründerzuschuss zusammengelegt. Fallmanager

Mit der Hartz-Reform wurden die Sachbearbeiter, die die Arbeitslosengeld-II-Empfänger in den Jobcentern betreuen, zu Fallmanagern. Sie sollen höchstens je 150 Arbeitslose betreuen. Bei Arbeitslosen unter 25 soll die Quote sogar bei 1:75 liegen. Real ist man inzwischen, nach starken Anfangsproblemen, bei 1:78 angelangt. Die Fallmanager sollen mit den Betroffenen einen genauen Plan zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt aufstellen und notfalls auch mit Sanktionen drohen. In der Beratung sollen gegebenenfalls auch Probleme wie etwa Schulden, ein Drogenentzug oder gesundheitliche Schwierigkeiten berücksichtigt werden.

Gründerzuschuss

Aus Ich-Ag und Überbrückungsgeld wurde zum 1. August 2006 der Gründerzuschuss. Dabei bekommen Existenzgründer zunächst für neun Monate je 300 Euro. Dafür müssen sie noch mindestens 90 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben. Außerdem muss ein tragfähiges Konzept vorgelegt werden, das einer fachkundigen Stelle wie etwa einer Handwerkskammer absegnet werden muss. Die Bundesagentur für Arbeit kann bei Zweifeln an den Kompetenzen des Existenzgründers die Teilnahme an Qualifizierungsmaßnahmen verlangen. Die Förderung kann nach Ablauf von neun Monaten um weitere sechs Monate verlängert werden. Grundsicherung

Rentner und dauerhaft Erwerbsunfähige erhalten eine Grundsicherung im Alter und bei Erbwerbsminderung. Der Satz ist der Gleiche wie beim Arbeitslosengeld-II, das heißt er liegt derzeit bei monatlich 345 Euro in den alten und 331 Euro in den neuen Bundesländern. Dem Koalitionsvertrag von SPD und Union zufolge soll der Satz in den neuen Bundesländern auf Westniveau angehoben werden. Hartz

Als "Blaupause für mehr Beschäftigung, mehr Eigeninitiative und mehr soziale Sicherheit" bejubelte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die Vorschläge, die die Kommission "Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt" unter der Leitung des ehemaligen VW-Personalvorstands Peter Hartz entwickelte. Das in vier Stufen aufgeteilte Reformkonzept wurde allerdings auch wegen der Kritik innerhalb der rot-grünen Koalition keineswegs "eins zu eins" umgesetzt, wie es Schröder zunächst versprochen hatte. Hartz I+II

Mit den ersten beiden Gesetzespaketen, die am 1. Januar 2003 in Kraft traten, wurde die ära der Ich-AGs, der Personal-Service-Agenturen sowie der Mini- und Midijobs ins Leben gerufen. Hartz III

Ein Jahr später begann mit Hartz III der Umbau der Arbeitsverwaltung. Der neue Name "Bundesagentur für Arbeit sollte das schwer demolierte Image der als äußerst behäbig geltenden Bundesanstalt für Arbeit aufpolieren und ihr den Anstrich eines agilen Dienstleistungsunternehmens geben. Die 16 Landesarbeitsämter wurden zu 10 Regionaldirektionen zusammengefasst, die Verwaltung wurde verschlankt, die lokalen Dienststellen wurde von nun an "Zentralen" genannt. Hartz IV

Die bekannteste und umstrittenste der Hartz-Reformen trat am 1. Januar 2005 in Kraft. Die Arbeitslosenhilfe wurde mit der Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld II (ALG II) zusammengefasst. Das wird seitdem von den Arbeitsagenturen verwaltet, allerdings erhielten 69 Kreise und Gemeinden durch das so genannte Optionsmodell die Möglichkeit, die Betreuung von Langzeitarbeitslosen eigenverantwortlich zu übernehmen. Bei der Berechnung des ALG II werden neben der Vermögens- und Einkommenslage des Antragstellers auch die bestimmter Angehöriger berücksichtigt und sogenannte Bedarfsgemeinschaften ermittelt. Ich-AG

siehe Existenzgründungszuschuss Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Das IAB wurde 1967 als Forschungsinstitut der Bundesanstalt für Arbeit gegründet. Laut Gesetz soll es Arbeitsmarktforschung aus Sicht verschiedener Disziplinen betreiben. Heraus kommen häufig recht nützliche sektorale oder betriebliche Analysen, Projektionen, internationale und regionale Vergleiche. Rund 170 Stellen gibt es in dem Institut. Jährlich legen die Mitarbeiter zwischen 250 bis 300 Publikationen vor. Jobcenter

Mit der Hartz-II-Reform wurden Sozialämter und Teile der Arbeitsämter zu Jobcentern zusammengelegt, die seitdem die Arbeitslosengeld-II-Empfänger betreuen. Die Arbeitsagenturen sind für die Arbeitslosengeld-I-Empfänger zuständig. Kombilohn

Die Idee des Kombilohns: Der Staat bessert das Einkommen bei niedrig bezahlten Arbeiten auf, das ohne den Zuschuss kaum über dem Arbeitslosengeldsatz liegen würde. In den letzten Jahren hat es mehrere Modellversuche zum Kombilohn gegeben. Das so genannte "Mainzer Modell", das der ehemalige Arbeitsamtschef Florian Gerster ausgearbeitet hatte, scheiterte kläglich. Arbeitnehmer mit niedrigen Gehältern konnten für ein halbes Jahr einen Zuschuss zu den Sozialversicherungsbeiträgen und gegebenenfalls einen Kindergeldzuschlag beziehen. Weil so in der Probephase nur rund 11.000 statt der erhofften 100.000 Stellen geschaffen wurden, wurde das Programm im März 2003 nach weniger als zwölf Monaten wieder beendet.

Nicht viel besser lief die Testphase in Kassel. Dort kam die hessische Arbeitsagentur nach dem Abschluss eines 1,5 Millionen Euro teuren Versuchs zu einem ausgesprochen ernüchternden Fazit: Viele Arbeitgeber hätten sich Arbeitsplätze bezuschussen lassen, die sie ohnehin schaffen wollten, außerdem sei nur schwer feststellbar, ob nicht einfach regulär beschäftigte Mitarbeiter durch Kombilöhner ersetzt worden seien. Die Erwartungen, dauerhafte neue Niedriglohnjobs zu schaffen, "hat sich nicht erfüllt". Eine landesweite Einführung des Kombilohns sei wegen der hohen Kosten "kaum realisierbar". Einzig Hamburg machte mit dem Kombilohn nach eigenen Angaben gute Erfahrungen.

Auf Druck von CDU und CSU wurde in den Koalitionsverhandlungen vereinbart, die erneute Einführung eines Kombilohns zu prüfen. Wie der Lohnzuschuss genau aussehen soll, ist noch unklar. 800.000 Stellen könnten so entstehen, hatte die Union im Wahlkampf versprochen. Der damalige Bundesfinanzminister Hans Eichel hatte in diesem Zusammenhang gewarnt, das Instrument könne Kosten in zweistelliger Milliardenhöhe verursachen. Bis zum Herbst 2006 will Bundesarbeitsminister Franz Müntefering nun einen Vorschlag zur Neuordnung des Niedriglohnsektors vorlegen. Einige Bundesländer wollen aber nicht so lange warten. So kündigte Niedersachsen an, ab dem 1. Juli 2006 die Einstellung eines Langzeitarbeitslosen zeitlich begrenzt mit 600 Euro monatlich zu fördern. 200 Euro sollen an den Arbeitgeber, 400 Euro an den Arbeitnehmer gehen. Auch in Hamburg soll der Kombilohn ausgeweitet werden. Midijobs

Der Bereich der Midijobs wurde mit der Hartz-II-Reform geschaffen. Dazu gehören Arbeitsstellen mit Einkommen zwischen 400 und 800 Euro monatlich. Bei den Midijobs steigen die Arbeitnehmer-Abgaben stufenweise von 4 auf 21,5 Prozent des Bruttoeinkommens. Vor der Einführung des Niedriglohnbereichs, gab es keinerlei Zwischenstufen zwischen niedriger, sozialabgabenfreier Beschäftigung und besser bezahlter, sozialabgabenpflichtiger Beschäftigung. Wie viele Arbeitnehmer in Midijobs derzeit arbeiten ist statistisch nicht erfasst. Die neuesten Zahlen sind von Dezember 2003: Damals waren rund 669.000 sozialversicherungspflichtige Jobs Midijobs, also rund 2,5 Prozent aller sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze. Minijobs

Mit der Hartz-II-Reform wurden die 630-Mark beziehungsweise die 325-Euro-Jobs grundsätzlich reformiert. Die Zeitbegrenzung von 15 Stunden wöchentlich fiel weg, die monatliche Höchstverdienstgrenze wurde auf 400 Euro aufgestockt. Minijobber zahlen keine Steuern, die Sozialabgaben werden vollständig vom Arbeitgeber übernommen und liegen bei insgesamt 25 Prozent des Einkommens beziehungsweise bei nur 13,3 Prozent für Minijobs in Privathaushalten. Den Anteil an der Rentenversicherung kann der Minijobber freiwillig aufstocken, um sich eine höhere Altersversorgung zu sichern.

Kritiker bemängeln, die Minijobs verdrängten sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen. Außerdem seien sie für Arbeitslose wegen des geringen Verdienstes kaum attraktiv, stattdessen nutzten vor allem Studenten und Hausfrauen das Instrument. Die Arbeitsagentur verkauft den sprunghaften Anstieg der Minijobs nach der Neuregelung dagegen als Erfolg: Im März 2003 gab es schon 6.210.600 Minijobber, 28 Prozent mehr als vor der Reform. Inzwischen sind es 6.587.000. Personal-Service-Agenturen

Die Personal Service Agenturen (PSA) gehören wohl zu den größten Pleiten der Hartz-Reformen. Jede Arbeitsagentur wurde von 2003 an verpflichtet, mindestens eines dieser privaten, von öffentlicher Hand bezuschussten Personalbüros einzurichten, das Erwerbslose gegen Gebühr an Unternehmen ausleihen soll. Bis zu 30.000 Arbeitslose sollten so als Zeitarbeiter vermittelt und in Zeiten ohne Job weiter qualifiziert werden. Bis Mitte des Jahres 2005 waren es insgesamt gerade einmal 7000. Nach einem Bundestagsbeschluss vom Dezember 2005 können deshalb jetzt die Arbeitsagenturen vor Ort entscheiden, ob sie eine PSA wollen oder nicht. Rente

Die Rente in Deutschland ist umlagengedeckt. Sie wird aus den Rentenbeiträgen finanziert, die je zur Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gezahlt werden. Hinzu kommt ein Zuschuss des Bundes für die Rentenversicherer, der derzeit jährlich rund 80 Milliarden Euro beträgt. Die Versicherer sind trotzdem in chronischer Geldnot. In den vergangenen Jahren blieben die Rentenbeitragszahlungen wegen der hohen Arbeitslosigkeit hinter den Erwartungen zurück. Schon seit September 2005 hat der Bund Teile seines Zuschusses deshalb im Voraus bezahlt. Ende November mussten die Rentenkassen erstmals ein Darlehen vom Bund in Höhe von 600 Millionen Euro aufnehmen.

Der Schätzerkreis Rente, dem Fachleute der Bundesministerien und Rentenversicherungsträger angehören, gingen letztes Jahr davon aus, dass die Rücklagen der Rentenversicherer bis Ende 2005 auf eine Milliarde Euro schrumpfen würden. Das entspricht rund sieben Prozent einer Monatsausgabe - von Gesetzes wegen muss die Reserve eigentlich 20 Prozent betragen. Im Laufe des Jahres 2006 wird sich die Lage der Rentenkassen den Berechnungen der Schätzer zufolge zwar verbessern, weil Unternehmen die Sozialbeiträge jetzt zwei Wochen früher abführen müssen und die Sozialkassen so 2006 insgesamt 13 statt nur 12 Monatseinnahmen haben. 2007 wird sich die Lage den Experten zufolge jedoch wieder verschlimmern. Die Große Koalition hat deshalb beschlossen, ab diesem Zeitpunkt die Beiträge zur Rentenversicherung von derzeit 19,5 auf 19,9 Prozent des Brutto-Einkommens anzuheben. Rentenversicherung

Neben der beruflichen und der privaten Alterssicherung ist die staatliche Rentenversicherung die dritte Säule der Ruhestandsvorsorge. Für Beamte gibt es eine eigene aus den öffentlichen Kassen bezahlte Altersversorgung.

Am 1. Oktober 2005 startete eine große Organisationsreform der gesetzlichen Rentenversicherung, durch die bis 2010 rund 350 Millionen Euro eingespart werden sollen. Die bis dahin bestehende Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), der Verband Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR), die Landesversicherungsanstalten (LVA) sowie Bundesknappschaft, Bahnversicherungsanstalt und Seekasse wurden grundsätzlich umorganisiert.

Seitdem sind unter dem Dach der Deutschen Rentenversicherung, an deren Spitze der ehemalige BfA-Chef Herbert Rische steht, folgende Träger zusammengefasst:

Die Deutsche Rentenversicherung Bund. Sie ist mit rund 51 Millionen Mitglieder der europaweit größte Rentenversicherer, hat ihren Hauptsitz in Berlin und ihre Datenstelle in Wiesbaden.

Die Regionalträger der Deutschen Rentenversicherung. Von den ursprünglich 22 Landesversicherungsanstalten sollen bis nächstes Jahr nur noch 15 übrig sein.

Die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See. Riester-Rente

Der ehemalige Bundesarbeitsminister Walter Riester ist Vater der "zusätzlichen kapitalgedeckten Altersvorsorge", wie die Riester-Rente offiziell heißt. Sie wurde mit der Rentenreform 2001 eingeführt, bei der das Rentenniveau leicht abgesenkt wurde. Bei der Riesterrente zahlt der Arbeitnehmer in eine Rentenversicherung, in einen Banksparplan oder in einen Fonds ein. Der Staat schießt eine Altersvorsorgezulage zu, oder der Versicherte kann die Beiträge als Sonderausgabe von der Steuer absetzen. Für die volle staatliche Förderung liegt der Mindesteigenbeitrag des Versicherten bei zwei Prozent des Vorjahresgehalts, ab 2003 bei drei und ab 2008 bei vier Prozent.

Der Start der Riester-Rente verlief wegen der komplizierten Förderverfahren, der geringen absoluten Förderung und niedriger Provisionserträge für die Anbieter schleppend. Viele Versicherungen nahmen ihre Angebote deshalb schnell wieder aus dem Programm. Anfang dieses Jahres wurde deshalb nachgebessert, der Paragrafendschungel wurde ein wenig gelichtet und die Verdienstmöglichkeiten für die Versicherungen wurden verbessert. SGB III

Das viel zitierte Dritte Buch des Sozialgesetzbuches enthält die Vorschriften für die Arbeitsförderung in Deutschland, definiert also die Aufgaben der Bundesarbeitsagentur. Die Behörde soll demnach unter anderem Arbeit vermitteln und fördern, die Arbeitslosengelder bemessen und auszahlen, Arbeitsuchende beraten und die berufliche Fortbildung fördern. Sozialgeld

Familienangehörige von Arbeitslosengeld-II-Empfängern, die selbst nicht erwerbsfähig sind - wie etwa Kinder - erhalten Sozialgeld. Der Höchstsatz entspricht dem des ALG II, also 331 Euro pro Monat in den neuen beziehungsweise 345 Euro pro Monat in den alten Bundesländer. Dem Koalitionsvertrag von SPD und Union zufolge soll der Satz in den neuen Bundesländern auf Westniveau angehoben werden. Überbrückungsgeld

Überbrückungsgeld können ebenso wie den Existenzgründungszuschuss (Ich-AG) alle Existenzgründer beantragen, die Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben und deren Geschäftskonzept von einer fachkundigen Stelle - wie etwa der Handwerkskammer oder einem fachkundigen Verband - abgesegnet wurde. Der Zuschuss wird über sechs Monate gezahlt und beträgt 175 Prozent des dem Arbeitslosen zustehenden Arbeitslosengeldes. Inzwischen beziehen rund 83.194 Firmengründer Überbrückungsgeld. 2005 hat die Bundesarbeitsagentur für das Instrument insgesamt 1,85 Milliarden Euro ausgegeben. Damit überstiegen auch diese Kosten die eigentlich für das Jahr kalkulierte Summe von 1,65 Milliarden Euro. Vermittlungsgutschein

Arbeitslosengeld-I-Empfänger können bei der Arbeitsuche einen privaten Arbeitsvermittler in Anspruch nehmen und ihn mit einem Vermittlungsgutschein der Arbeitsagentur bezahlen. Der Gutschein über 2000 Euro wird allerdings erst eingelöst, wenn die Vermittlungsversuche erfolgreich waren, das heißt, wenn der Bewerber eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit einer Arbeitszeit von mindestens 15 Stunden wöchentlich bekommen hat. Sechs Wochen nach der Einstellung werden dem Vermittler die ersten 1000 Euro ausbezahlt, der Restbetrag wird nach sechs Monaten fällig - sofern der Arbeitsuchende seinen Job dann immer noch hat. Die Vermittlungsgutscheine erwiesen sich allerdings 2005 als totale Flops. Im ganzen Jahr wurden nur 12.591 eingelöst. 2004 waren es noch 54.221. 58er-Regel

Arbeitslose über 58 können "Arbeitslosengeld unter erleichterten Voraussetzungen" beziehen. Wer diese Regelung in Anspruch nimmt, kann auf weitere Vermittlungsangebote der Arbeitsagentur verzichten. Er muss sich nicht mehr um einen Arbeitsplatz bemühen und kann nach Absprache bis zu 17 Wochen im Kalenderjahr außerhalb des Wohnorts verbringen, statt wie andere Arbeitslose nur drei Wochen. Im Gegenzug verpflichtet er sich dazu, zum frühest möglichen Zeitpunkt in Rente zu gehen - unter Umständen ein Nachteil, wenn ihm noch länger Arbeitslosengeld zustehen würde, das über dem Rentensatz liegt. Für die Bundesagentur für Arbeit hat die Regelung den Vorteil, dass Arbeitslose, die die 58er-Regel in Anspruch nehmen, nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auftauchen.

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