Glücksspiel Kartellamt attackiert Lotto-Monopol

Bisher dürfen nur die 25.000 offiziellen Annahmestellen Lottoscheine annehmen. Nach einem Entscheid des Bundeskartellamts bahnt sich nun eine Revolution an: Der Markt soll für private Vermittler geöffnet werden - die Annahme wäre dann auch in Tankstellen und Supermärkten möglich.


München - Mehr Wettbewerb beim staatlichen Lotto - das will das Bundeskartellamt mit der heute veröffentlichten Entscheidung durchsetzen. Auch Privatvermittlern soll es nun möglich sein, von Kunden Lottoscheine anzunehmen. Das Kartellamt stellt damit einen illegalen Boykott des Anbieters Fluxx durch die Lotto-Gesellschaften fest. Der Versuch, die von Fluxx in Supermärkten vermittelten Lottospiel-Tipps zu verhindern, sei ein Verstoß gegen das Kartellrecht.

Glücksspiel Lotto: Auch private Vermittler sollen Lottoscheine annehmen dürfen
DDP

Glücksspiel Lotto: Auch private Vermittler sollen Lottoscheine annehmen dürfen

Die Gesellschaften des Deutschen Lotto- und Totoblocks dürften die Annahme der von gewerblichen Spielevermittlern erzielten Spielumsätze nicht länger verweigern, teilte das Kartellamt in dem heute im Internet veröffentlichten knapp 200 Seiten umfassenden Beschluss mit.

Die staatlichen Gesellschaften müssen den Markt dem Beschluss zufolge damit öffnen, denn der Beschluss der Wettbewerbshüter soll ausdrücklich sofort umgesetzt werden. "Die sofortige Vollziehung hat für die Lottogesellschaften keine unbillige, nicht durch überwiegende öffentliche Interessen gebotene Härte zur Folge", hieß es in dem Text.

Zuvor hatte die "Süddeutsche Zeitung" über den Beschluss des Kartellamts berichtet. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt, dass es privaten Vermittlern künftig erlaubt sein soll, Spiele etwa in Tankstellen oder in Supermärkten anzubieten. Bislang geben die Spieler ihre Tippscheine vor allem in den rund 25.000 Annahmestellen ab, die von den Lotteriegesellschaften zugelassen sind. Die Verbraucher müssen die Möglichkeit haben, zwischen den Anbietern, deren Gebühren erhebliche Unterschiede aufweisen, zu wählen. Die regional abgegrenzten Gesellschaften sollen sich künftig Konkurrenz machen.

Der Beschluss könnte auch Auswirkungen auf den Liberalisierungsprozess im deutschen Markt für Sportwetten haben. Die Bonner Behörde hatte den Lottogesellschaften bereits im Mai eine Abmahnung geschickt. Bislang wird in Deutschland die Lotteriebranche mit einem Jahresumsatz von etwa 8,5 Milliarden Euro von den staatlichen Lotto-Gesellschaften beherrscht, die in jedem der 16 Bundesländer eine eigene Gesellschaft gegründet haben und durch strikte Gebietsaufteilung keinen Wettbewerb zulassen. Für die Länder ist das Glücksspiel eine einträgliche Geldquelle, die sie nur ungern mit privaten Konkurrenten teilen.

Anbieter Fluxx sieht sich bestätigt

Der Glücksspielanbieter Fluxx sieht sich durch den Beschluss des Bundeskartellamts zum Wettbewerbsverhalten der staatlichen Lotto-Gesellschaften bestätigt. "Der Versuch der Lotto-Gesellschaften, die von Fluxx in Supermärkten vermittelten Lottospiel-Tipps zu verhindern, stelle einen nicht zu duldenden Verstoß sowohl gegen deutsches als auch gegen europäisches Kartellrecht dar, so die obersten Wettbewerbshüter", teilte das Unternehmen heute mit.

"Gleichzeitig betrachtet das Bundeskartellamt die innerhalb der letzten Monate ergangenen Kündigungen der Verträge über gewerbliche Spielvermittlung durch Lotto-Gesellschaften in Niedersachsen, Brandenburg und Schleswig-Holstein als Auswuchs des Boykotts und erklärt sie somit für nichtig." Im SDax verzeichneten die Papiere von Fluxx einen Kurssprung von knapp 18 Prozent auf 5,10 Euro.

tim/AFP/Reuters



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