Glücksspiel Schwarzes Jahr für den Deutschen Lottoblock

Erst die Nachricht, dass "Lotto" kein geschützter Begriff ist, dann die Streiterei um staatliche Sportwetten - und nun die Entscheidung, dass auch private Vermittler Lottoscheine annehmen dürfen. Das erste Halbjahr 2006 ist für den Deutschen Lotto- und Totoblock eine einzige Pechsträhne.


Düsseldorf - Jahrzehntelang schien nichts den Zusammenschluss der Lottogesellschaften der Bundesländer erschüttern zu können. Jahr für Jahr machte der Lottoblock Millionäre und scheffelte gleichzeitig Milliarden für die Förderung von Sport und Kultur.

Lottoscheine: Künftig auch Angebot von privaten Vermittlern an Tankstellen oder in Supermärkten möglich
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Lottoscheine: Künftig auch Angebot von privaten Vermittlern an Tankstellen oder in Supermärkten möglich

Doch 2006 scheint den Lottoblock das Glück verlassen zu haben. Die Pechsträhne begann bereits im Januar, als er endgültig die Markenrechte an der Bezeichnung "Lotto" verlor.

"Lotto" sei lediglich eine Beschreibung für Glücksspiele. Das Wort könne deshalb nicht markenrechtlich geschützt werden, befand der Bundesgerichtshof damals auf Antrag eines privaten Lotterieveranstalters. Seitdem kann sich jeder Anbieter von Lotteriespielen mit dem Wort "Lotto" im Namen schmücken.

Schon im März kam der nächste Schlag - mit dem Sportwetten-Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Darin übten Deutschlands oberste Richter scharfe Kritik an der vom Lottoblock mit massiver Werbung zum Erfolg geführten Sportwette Oddset und stellten ein Ultimatum.

Die staatlichen Sportwetten-Anbieter müssten entweder ihre Werbung einschränken und die Menschen künftig besser vor den Gefahren der Spielsucht schützen, oder der Markt müsse für private Anbieter geöffnet werden. So oder so drohen dem Lottoblock beträchtliche Einnahmeverluste.

Mehr Wettbewerb in der Glücksspielbranche

Und nun haben auch noch Deutschlands oberste Wettbewerbshüter den Lottoblock ins Visier genommen. Das Bundeskartellamt will mehr Wettbewerb erzwingen und untersagte heute den staatlichen Lottogesellschaften, weiterhin den Markt regional unter sich aufzuteilen. Außerdem machte das Kartellamt in seiner "sofort vollziehbaren Entscheidung" den Weg dafür frei, dass künftig Lottoscheine von gewerblichen Spielvermittlern an Tankstellen oder in Supermärkten angeboten werden können.

Die Entscheidung der Wettbewerbshüter dürfte einschneidende Veränderungen in der Branche mit sich bringen: Am schnellsten könnten dies die mehr als 25.000 Betreiber von Lotto-Annahmestellen in ganz Deutschland zu spüren bekommen. Wenn private Lottovermittler wie Fluxx, Faber oder Tipp 24 ihre Pläne wahr machen, an Tankstellen und in Supermärkten Tausende von Tippautomaten aufzustellen, werde dies so manche etablierte Lotto-Annahmestelle in Existenznot bringen, warnen Branchenkenner.

Und auch für die Landes-Lottogesellschaften dürfte es weniger gemütlich werden. Bisher hatten die Ländergesellschaften laut Bundeskartellamt vereinbart, sich gegenseitig keinen Wettbewerb zu machen und nur im eigenen Bundesland um Kunden zu werben. Doch genau das hat das Bundeskartellamt jetzt verboten. Lotto-Managern drohen bei einem Verstoß gegen die Kartellamtsentscheidung Bußgelder bis zu einer Million Euro, den Lottogesellschaften sogar Strafen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes.

Gewinner des Machtpokers dürfte der Lottospieler sein. Er wird sich künftig nach dem Willen des Bundeskartellamtes bei gleichen Gewinnchancen den günstigsten Lottoanbieter aussuchen können, egal ob es eine der Landesgesellschaften oder ein privater Vermittler ist.

Erich Reimann, AP



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