Umstrittener Unkrautvernichter Glyphosat darf in der EU ein Jahr länger genutzt werden

Die Zulassung für Glyphosat in der Europäischen Union sollte eigentlich Ende des Jahres auslaufen. Die EU-Kommission will sie nun verlängern, obwohl viele Staaten nicht zugestimmt haben.
Landwirt versprüht Pflanzenschutzmittel: Glyphosat darf auch 2023 verwendet werden

Landwirt versprüht Pflanzenschutzmittel: Glyphosat darf auch 2023 verwendet werden

Foto: Florian Gaertner / photothek / IMAGO

Der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat darf in der EU ein Jahr länger genutzt werden als bislang vorgesehen.

Die EU-Kommission werde entscheiden, die befristete Zulassung des Unkrautvernichters bis zum 15. Dezember 2023 zu verlängern, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission der Nachrichtenagentur dpa. Formell sei die Entscheidung zwar noch nicht getroffen worden, dies werde aber bis zum 15. Dezember geschehen. Dann läuft die bisherige Zulassung für Glyphosat in der EU aus.

Die Kommission war nach eigenen Angaben rechtlich dazu verpflichtet, die Zulassung zu verlängern, auch wenn viele EU-Staaten der Verlängerung nicht zugestimmt haben. Es werde zusätzliche Zeit benötigt, damit die zuständige EU-Behörde alle notwendigen Informationen prüfen und die Sicherheit des Mittels rechtssicher einschätzen könne. Anschließend soll eine langfristige Entscheidung zur Verwendung von Glyphosat getroffen werden.

Foodwatch übt Kritik

Kritik an der Ankündigung der EU-Kommission kommt von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Der Fall zeige, dass die EU-Zulassungspraxis für Pestizide reformiert werden müsse. »Pestizide dürfen nur noch als letztes Mittel in Notfällen eingesetzt werden«, heißt es von der Organisation.

Glyphosat wurde vom US-Saatgutkonzern Monsanto in den Siebzigerjahren auf den Markt gebracht und ist einer der am meisten verwendeten Unkrautvernichter, der inzwischen von vielen Unternehmen verkauft wird. Monsanto gehört mittlerweile zum deutschen Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer. Glyphosat steht unter anderem in der Kritik, Krebs zu verursachen. Hersteller Bayer weist das vehement zurück.

Über den Einsatz von Glyphosat wird schon länger gestritten. Das Mittel war 2017 in der EU nach monatelangem Streit für weitere fünf Jahre zugelassen worden. Dagegen hatte es vor allem in Deutschland massive Proteste gegeben.

Deutschland will ab Anfang 2024 Glyphosat nicht mehr zulassen.

ptz/dpa
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