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07. Juni 2005, 19:07 Uhr

GM

25.000 gestrichene Stellen sind nicht das Ende

Sinkende Absatzzahlen, ein verlustreicher Preiskrieg mit der Konkurrenz und ein horrender Schuldenberg haben den Autoriese General Motors in eine tiefe Krise geführt. Jetzt macht GM-Chef Rick Wagoner Fabriken dicht. 25.000 Arbeiter werden ihren Job verlieren.

GM-Chef Wagoner bei der Hauptversammlung: Weitere Kostensenkungen im Gespräch
DPA

GM-Chef Wagoner bei der Hauptversammlung: Weitere Kostensenkungen im Gespräch

Wilmington/USA - Die Senkung der Überkapazitäten und die Stellenstreichungen sollen laut Wagoner dazu beitragen, dass General Motors seine Kosten jährlich rund 2,5 Milliarden Dollar reduzieren kann. In seiner Rede auf der Hauptversammlung klagte der Konzernchef überdies über stark gestiegene Kosten für die Krankenversicherung der Mitarbeiter. Diese belasteten derzeit jedes Auto von GM mit rund 1500 Dollar. Es liefen intensive Diskussionen mit den Gewerkschaften über die Senkung der Kosten für die Gesundheitsfürsorge, sagte Wagoner.

Nach Überzeugung der Beschäftigten der deutschen Tochter Opel hat der von Wagoner verkündete Personalabbau mit der Restrukturierung der europäischen GM-Töchter nichts zu tun. Mit massiven Zugeständnissen hatten die Opel-Beschäftigten Anfang März 2005 nach zähen Verhandlungen im sogenannten Zukunftsvertrag die westdeutschen Werke des Traditionsunternehmens gesichert. 9000 Stellen werden abgebaut, die verbleibenden Mitarbeiter müssen Einbußen beim Gehalt hinnehmen. Dafür sind bis Ende 2010 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

Mittlerweile kann die GM-Tochter Opel in Deutschland einen positiven Auftragstrend vermelden: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg meldete am Dienstag, in den ersten fünf Monaten 2005 seien rund 145.000 Fahrzeuge von Opel zugelassen worden - ein Plus von 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Vorstandschef Hans Demant hatte zuvor der "Automobilwoche" gesagt, Opel gehöre zu den Herstellern, die deutlich gewinnen, auch auf europäischer Ebene laufe der Absatz gut. "Ich gehe davon aus, dass bei Opel nicht nachverhandelt wird", sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Klaus Franz, heute in Rüsselsheim. Nach Rücksprache mit dem Management von GM Europe gehe der Gesamtbetriebsrat davon aus, dass Opel über den bereits beschlossenen Personalabbau nicht hinausgehen werde. GM hat in diesem Jahr bereits mehrere Werke in den USA geschlossen. Über 5000 Beschäftigte sind davon betroffen. Ein Teil der Mitarbeiter wird aber voraussichtlich neue Stellen innerhalb des Konzerns finden.

Der Kurs der GM-Aktie stieg am Dienstag an der Börse um 1,6 Prozent auf 30,89 Dollar. Am gleichen Tag lief ein Kaufangebot des US-Milliardärs Kirk Kerkorian ab, der für ein knapp fünfprozentiges Aktienpaket 870 Millionen Dollar (677 Millionen Euro) oder 31 Dollar je Aktie zahlen wollte. Der frühere Chrysler-Großaktionär Kerkorian, der Anfang April vor einem US-Gericht mit seiner Klage gegen die Übernahme von Chrysler durch Daimler-Benz gescheitert war, wird dann rund neun Prozent an GM halten. Anfang Mai hatte die amerikanische Rating-Agentur Standard & Poor's die Anleihen von GM auf Grund der hohen Schuldenlast auf das Niveau von Ramschanleihen (Junk Bonds) herabgestuft. Für den Konzern ist es seitdem teurer geworden, sich auf den Finanzmärkten frisches Kapital zu beschaffen.

John Porretto, AP

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