GM-Chef Wagoner Tricky Rick wurschtelt sich durch

GM braucht nur ein paar Steuermilliarden, dann wird alles wieder gut - mit dieser frohen Botschaft geht Rick Wagoner hausieren. Doch sein ewiger Optimismus ist zunehmend grotesk. Politiker und Investoren sollten dem Konzernchef kein Wort mehr glauben.


George Richard Wagoner war bester Dinge. In seinem privaten Jet war er nach Washington D.C. gedüst, um dem US-Kongress Kredite abzuschwatzen. Das Geld, erklärte Wagoner den verdutzten Abgeordneten, brauche er nicht etwa, weil GM strukturelle Defizite habe - oh nein. "Was uns jetzt Probleme bereitet, sind nicht unser Produktportfolio, unser Geschäftsplan oder unsere Langfriststrategie." Schuld an der Misere sei einzig und allein die schwächelnde Konjunktur. Nur ein kleiner Überbrückungskredit - dann werde alles wieder gut.

GM-Chef Wagoner: Lächelnd durch die Apokalypse
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GM-Chef Wagoner: Lächelnd durch die Apokalypse

Zwei Monate und 13 Milliarden Steuerdollar später bittet der GM-Chef um Nachschlag. "Wir müssen nur den Sturm abwettern, dann geht es wieder los", sagte Wagoner der "USA Today". GM sei zu retten, mehr noch: Wenn der Kongress weitere 17 Milliarden Dollar bereitstelle, könne man binnen 24 Monaten "nachhaltige Profitabilität" erreichen.

GM und profitabel? Das wäre sicherlich die Krönung von Wagoners Laufbahn. Aber realistisch ist dieses Szenario nicht. Seit der schlaksige Mann 2000 GM-Chef wurde, hapert es mit der nachhaltigen Profitabilität ganz gewaltig - alleine in den vergangenen drei Geschäftsjahren häufte Wagoner über 50 Milliarden Dollar Verlust an. Freilich schrieb GM auch vor 1998 des öfteren rote Zahlen - da war Wagoner übrigens Finanzchef.

Dreist in Detroit

Wagoner, das muss man ihm lassen, besitzt derart viel Dreistigkeit und Chuzpe, dass er sich den Beinamen "Tricky Rick" durchaus verdient hätte. Politiker und Investoren sollten dem GM-Manager kein Wort mehr glauben.

Sein unerschütterlicher Optimismus ist angesichts der stetig neuen Hiobsbotschaften aus dem GM-Hauptquartier nur noch grotesk zu nennen. "GM lächelt sich durch die Apokalypse", schlagzeilte das Wirtschaftsmagazin "Fortune".

Wagoner hat ein Problem, mit dem viele langjährige GM-Manager kämpfen: Er glaubt, dass man nur irgendwie weiter wurschteln müsse - dann werde "The General" zum Schluss wieder seinen angestammten und rechtmäßigen Platz als größter und prächtigster Autokonzern des Universums einnehmen, so wie in den goldenen Sechzigern.

Wie resistent gegen Reformen der GM-Chef ist, zeigt der neue Sanierungsplan des Autobauers. Die PR-Leute des Konzerns bezeichnen das 900-Seiten-Papier als "mutig". Wer das Konzept jedoch genauer studiert, dem schwant, dass Wagoner sich erneut durchlavieren will. Der Staat soll zwar weiteres Geld geben - aber harte Einschnitte hofft der Berufsoptimist weiter vermeiden zu können.

Von den acht Konzernmarken will GM angeblich vier einstampfen - in der heute veröffentlichten Mitteilung des Unternehmens liest sich das aber etwas anders: Man wolle Saturn auslaufen lassen, "wenn der Lebenszyklus der Produkte" ende - also in einigen Jahren. Einen Verkauf der Geländewagensparte Hummer werde GM "evaluieren". Ferner verspricht Wagoner treuherzig, "nach Käufern für Saab zu suchen" und die Marke "Pontiac zu fokussieren". Das heißt wohl, dass kurzfristig nichts passieren wird.

Gerade, wenn jemand in der Vergangenheit mehrfach windige Versprechungen gemacht hat, müssen einen derart windelweiche Formulierungen stutzig machen. Das sollten auch Politiker aus Deutschland, Großbritannien oder Australien bedenken, wenn sie demnächst mit Wagoner über Staatshilfen verhandeln.

Der Sonnenschein-Manager aus Detroit würde bei den ausländischen GM-Liegenschaften gerne noch ein paar Milliarden Euro oder Pfund herausholen, als kleine Überbrückungshilfe. Im Gegenzug wird er versprechen, dass bei Opel, Vauxhall oder Holden bald alles wieder gut wird.

Wer das glaubt, ist selber schuld.



insgesamt 27 Beiträge
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volkmargrombein 18.02.2009
1. GM-Chef Wagoner: Tricky Rick wurtschelt sich durch
Zitat von sysopGM braucht nur ein paar Steuer-Milliarden, dann wird alles wieder gut - mit dieser frohen Botschaft geht Rick Wagoner hausieren. Doch sein ewiger Optimismus ist zunehmend grotesk. Politiker und Investoren sollten dem Konzernchef kein Wort mehr glauben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,608474,00.html
Die einen mögen es "ewigen Optimismus" nennen, andere haben eher den Eindruck, dass Wagoner krank ist. Ein Top-Manager, für den er sich hält - und wahrscheinlich nur er - muss krankhaft an Realitätsverlust leiden. Das bedeutet aber, dass seine Vorstandskollegen und der Aufsichtsrat eben so unfähig sind. Leider gibt es von diesen Figuren viele, viel zu viele, wie wir fast im Stundentakt beobachten müssen.
bipolar84 18.02.2009
2. Rationalisierung
Das Konzept von GM sieht vor rund 40 bis 50.000 Stellen abzubauen. Finde ich gut, dabei sollte man dort anfangen, wo das Problem begraben liegt. Ein Autokonzern sollte nicht die Leute feuern, die die Autos bauen und damit die nicht zu vernachlässigende Einnahmequelle des Konzerns bilden (für die BWL'er unter uns, die jetzt nicht mitkommen: Autos), sondern die Verantwortlichen des jahrelangen Missmanagements. Allen voran den seit einem halben Jahrhundert an der Spitze sitzenden Harvard-Business-School-Absolventen Rick Wagoner. Wenn man da nur lernt in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage Leute zu feuern, bedarf es meiner Meinung nach keinen MBA.
Realo, 18.02.2009
3. ???
Was soll man zu dem Artikel sagen ? Ich kenne den man viel zu wenig, also kann ich mir kein Urteil erlauben.
inci 18.02.2009
4. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Zitat von volkmargrombeinDie einen mögen es "ewigen Optimismus" nennen, andere haben eher den Eindruck, dass Wagoner krank ist. Ein Top-Manager, für den er sich hält - und wahrscheinlich nur er - muss krankhaft an Realitätsverlust leiden. Das bedeutet aber, dass seine Vorstandskollegen und der Aufsichtsrat eben so unfähig sind. Leider gibt es von diesen Figuren viele, viel zu viele, wie wir fast im Stundentakt beobachten müssen.
ich würde es auch nicht als "krank", sondern eher als ausgekocht bezeichnen. hier steht im vordergrund weder GM, noch eine interessante und innovative produktlinie, sondern einzig und allein das persönliche portfolio von herrn wagoner. daß nicht nur GM zigtausende autos auf halde stehen hat, konnte in zeiten des großen weltweiten schneeballsystem vernachlässigt werden. den umsatz hat man mit den autobanken gemacht, und solange es genug swaps, swops und drops zum verschieben gab, war die reale produktion vollkommen uninteressant. ich gehe davon aus, daß auf GM das gleiche wie auf siemens zutriftt, der man nachsagt, sie sei eine investmentbank mit angeschlossener werkhalle. und es war auch kein "fehlendes" oder "mangelndes" umweltbewußtsein, daß innovativere motoren und autos verhindert hat. ich halte jede wette, daß bei GM unter dem strich mehr analysten als entwickler angestellt waren.
audax, 18.02.2009
5. Ausgekocht und eingegerbt!
Zitat von inciich würde es auch nicht als "krank", sondern eher als ausgekocht bezeichnen. hier steht im vordergrund weder GM, noch eine interessante und innovative produktlinie, sondern einzig und allein das persönliche portfolio von herrn wagoner. daß nicht nur GM zigtausende autos auf halde stehen hat, konnte in zeiten des großen weltweiten schneeballsystem vernachlässigt werden. den umsatz hat man mit den autobanken gemacht, und solange es genug swaps, swops und drops zum verschieben gab, war die reale produktion vollkommen uninteressant. ich gehe davon aus, daß auf GM das gleiche wie auf siemens zutriftt, der man nachsagt, sie sei eine investmentbank mit angeschlossener werkhalle. und es war auch kein "fehlendes" oder "mangelndes" umweltbewußtsein, daß innovativere motoren und autos verhindert hat. ich halte jede wette, daß bei GM unter dem strich mehr analysten als entwickler angestellt waren.
Diese Wette gewinnen Sie bestimmt! Ich sah Herrn Wagoner persönlich auf der "Automesse" in São Paulo in den siebziger Jahren, er war damals Boss bei GM do Brasil, als er strahlend stolz das "neueste" "OPALA" Modell vorstellte! (Opel Rekord Modell 1968) !!!!!! Opala bedeutet auf brasilianisch "Opal" (wie der Edelstein). Hehehe! Was haben wir alle gelacht! Und der doofe Brasilianer fuhr geschlagene 18 Jahre lang mit alten Opelmodellen durch die Strassen. Und wie wird aus einem angeblich hochintelligenten Harvard-Absolventen ein ausgekochter Manager? Setxen Sie sich doch mal in einen Firmenjet...da wollen Sie auch nie mehr Holzklasse fliegen! Darum gehts nämlich!
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