GM und Opel Kanzlerin und Obama machen Autokrise zur Chefsache

Jetzt werden die Gespräche auf höchster Ebene geführt: Angela Merkel wird beim Nato-Gipfel mit US-Präsident Obama über den angeschlagenen Autobauer GM und dessen deutsche Tochter diskutieren. Die Opel-Mitarbeiter wollen sich finanziell an ihrem Arbeitgeber beteiligen, stellen aber Bedingungen.


Berlin - Die Zukunft von Opel hängt vor allem von der Zukunft des Mutterkonzerns General Motors (GM) ab. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) plant deshalb, mit US-Präsident Barack Obama über die Rettung des angeschlagenen Autoherstellers zu sprechen. Dies teilte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Freitag in Berlin mit. Eine Behandlung des Themas wäre am Rande des Nato-Gipfels in Straßburg vom 3. bis 4. April möglich, sagte Steg.

Kanzlerin Merkel: Gespräche mit Obama, Besuch in Rüsselsheim
AFP

Kanzlerin Merkel: Gespräche mit Obama, Besuch in Rüsselsheim

Bis zum 31. März muss der ums Überleben kämpfende amerikanische Konzern ein zukunftstaugliches Konzept vorlegen. Davon hängt dann auch die Zukunft der europäischen GM-Töchter ab.

Besuch schon im vergangenen Jahr verabredet

Nach den Worten Stegs will die Kanzlerin auch an ihrem Besuch des Opel-Stammbetriebs in Rüsselsheim am 31. März festhalten. Was die Kanzlerin dort vor den Opelanern ansprechen könne, hänge davon ab, wie weit die noch offenen Fragen der Bundesregierung zu dem Konzept des Mutterkonzerns geklärt seien. Der Besuch von Opel in Rüsselsheim sei bereits im vergangenen Jahr verabredet worden, als die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise in dem Umfang noch nicht absehbar gewesen seien, sagte Steg.

Steg sagte weiter, grundsätzlich sei es das Ziel der Bundesregierung, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu sichern. Welche Mittel dafür eingesetzt würden, sei offen. In Rüsselsheim wolle Merkel mit dem Management, mit Betriebsrat und Mitarbeitern sprechen, darunter GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster, Opel-Chef Hans Demant sowie Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz. Zudem wolle sie sich die neuen Entwicklungen in der Fertigung ansehen, insbesondere die des Opel-Modells Insignia. Bei einer Veranstaltung mit etwa 3000 Gästen wolle sie dann auch zu der Diskussion über die Zukunft des Unternehmens Stellung nehmen.

Die Beschäftigten der angeschlagenen General-Motors-Tochter streben gemeinsam mit den Händlern eine Sperrminorität bei dem Automobilbauer an. Nur so sei garantiert, dass die Mitarbeiter künftig Einfluss auf die Unternehmenspolitik nehmen könnten, sagte der Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz am Freitag in Rüsselsheim. Die ideologischen Grundsatzbedenken des Managements gegen eine Mitarbeiterbeteiligung seien nun ausgeräumt, ergänzte er.

400 Millionen Euro in drei Jahren

Die deutschen Opel-Händler hatten bereits zugesichert, sich finanziell an der Rettung des angeschlagenen Automobilkonzerns beteiligen zu wollen. Innerhalb von drei Jahren wollen sie aus den Erlösen aus dem Verkauf von Neuwagen insgesamt 400 Millionen Euro zusammen bringen.

Die Rüsselsheimer haben bei der Bundesregierung um Milliardenhilfen gebeten. Nach ihren Vorstellungen soll aus der Adam Opel GmbH eine europäische Aktiengesellschaft werden, an der sich Mitarbeiter, Händler oder Investoren beteiligen können. Der US-Mutterkonzern, der derzeit nur dank Milliardenhilfen vom Staat überlebt, solle dann nur noch einen kleinen Anteil behalten. Investoren sind derzeit jedoch nicht in Sicht.

Opel benötigt nach eigenen Angaben 3,3 Milliarden Euro und setzt dabei auf Unterstützung durch die europäischen Regierungen, vor allem aus Berlin. Die Bundesregierung zeigte sich jedoch bislang von dem vorgelegten Konzept für die Zukunft Opels wenig überzeugt. Die Rüsselsheimer selbst wollen einen Milliardenbetrag einsparen und kommen dabei an Entlassungen und Werksschließungen kaum vorbei. Betriebsratsvorsitzender Franz bekräftigte am Freitag jedoch seine Forderung nach dem Erhalt aller europäischen Werke.

sam/dpa



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