"Götzendienst der Wirtschaft" Porsche-Chef verurteilt Jagd auf schnelle Renditen

Porsche-Chef Wiedeking prangert die Finanzwirtschaft an: Unternehmen, die sich nur kurzfristigen Renditen unterwerfen, müssten nun feststellen, "einem Götzen gedient" zu haben.


Hamburg - Wendelin Wiedeking geißelt die Gier nach schnellen Renditen. "Unternehmen, die nur kurzfristigen finanziellen Kennzahlen wie Shareholder Value oder Quartalsrenditen hinterherrennen, müssen nun erkennen, dass sie damit einem Götzen gedient haben", schreibt der Porsche-Vorstandschef in einem Gastbeitrag für die "Financial Times Deutschland".

Wiedeking: Unternehmen "haben einem Götzen gedient"
DPA

Wiedeking: Unternehmen "haben einem Götzen gedient"

Wiedeking sieht in der Finanz- und Wirtschaftskrise eine fundamentale Sinnkrise: Sie markiere das definitive Ende des Finanzkapitalismus, wie er insbesondere in den angelsächsischen Ländern propagiert wurde. Wiedeking plädiert für eine härtere Regulierung der Märkte: Eine global immer stärker verflochtene Wirtschaft könne auf Dauer nur zum Wohl der Menschen funktionieren, "wenn es klare Regeln und vor allem internationale Institutionen gibt, die für deren Einhaltung sorgen."

Zugleich verteidigt der Porsche-Chef die Maßnahmen der Bundesregierung gegen die Krise, darunter auch das Gesetz zur Enteignung von Bankaktionären. Der Staat verleibe sich nicht rigoros privates Vermögen ein. "Er übernimmt nur, was ohne seine Geldspritzen ganz offensichtlich längst wertlos wäre."

Wiedeking fügte hinzu, "in der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit ist schnelles und pragmatisches Handeln gefragt". Deshalb gehe es im Moment nicht um Prinzipientreue, sondern um die Rettung vor dem Schlimmsten. Bislang hätten die europäischen Regierungen im Kampf gegen die Krise alles in allem richtig gehandelt.

cte/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.