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Rekordpreis Nachfrage nach Goldschmuck hat sich fast halbiert

Gold ist so teuer wie nie zuvor - doch anders als die Händler von Münzen oder Barren spüren die Juweliere nichts von einem Run auf das Edelmetall. Im Gegenteil: Die Nachfrage ist eingebrochen.
aus DER SPIEGEL 33/2020
Goldschmuck

Goldschmuck

Foto: Piyal Adhikary/ picture alliance / dpa

Die Schmucknachfrage hat als Indikator für die Entwicklung des Goldpreises offenbar ausgedient. Im ersten Halbjahr hat sich der globale Bedarf für Ringe, Ketten oder Armreife auf 572 Tonnen fast halbiert - dennoch steigt der Goldpreis.

In Indien, neben China der weltgrößte Goldschmuckmarkt, ist die Nachfrage laut Zahlen des World Gold Council (WGC) zwischen April und Juni regelrecht eingebrochen: minus 74 Prozent. Auch die im Herbst beginnende Hochzeitssaison, in der üblicherweise viel Schmuck verschenkt wird, dürfte die Jahresbilanz kaum retten. Die Lockdown-Beschränkungen haben den Konsumenten offensichtlich die Kauflust genommen. In der gegenwärtig wirtschaftlich labilen Lage scheuen sie davor zurück, Juweliere zu besuchen.

Wachsender Einfluss von Spekulanten

Dass der Goldpreis in dieser Woche dennoch erstmals über 2000 Dollar pro Unze klettern konnte, zeigt den wachsenden Preiseinfluss von Spekulanten, die Investmentgold kaufen: Münzen, Barren und vor allem ETC-Wertpapiere ("Exchange Traded Commodities"), die mit physischem Gold hinterlegt sind. ETC-Anbieter haben in diesem Jahr bereits rund 700 Tonnen des Edelmetalls erworben, ungefähr doppelt so viel wie im gesamten Vorjahr.

Das weltweite Goldangebot dürfte 2020 bei rund 4700 Tonnen liegen. Das bedeutet, die ETC-Anbieter haben bereits etwa 15 Prozent des diesjährigen Angebots aufgekauft. "Das ist schon gewaltig", sagt Frank Schallenberger, Edelmetallexperte der Landesbank Baden-Württemberg.

Schallenberger warnt jedoch davor, diesen Trend fortzuschreiben. Die Nachfrage der Schmuckhersteller, aber auch der Notenbanken und der Industrie sei vergleichsweise schwach, doch diese drei Sektoren stünden immerhin für etwa zwei Drittel des Goldbedarfs insgesamt. Es sei gut möglich, dass der Markt zunächst noch eine Zeit lang "bullish" bleibe, erwartet der Edelmetallexperte. Die ETC würden "das Tempo ihrer Käufe aber kaum durchhalten können", sagt Schallenberger: "Damit stehen die Zeichen bei Gold wohl eher wieder auf fallende Preise auf mittlere Sicht."

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