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GELD Goldiges Stück

Finanzminister Hans Matthöfer möchte sich und das deutsche Volk mit einer Zehn-Mark-Münze beglücken.
aus DER SPIEGEL 3/1981

Im Sommer vergangenen Jahres gab der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Günter Topmann dem Finanzminister einen Tip. Hans Matthöfer möge doch, riet der Abgeordnete aus Altena, Zehn-Mark-Münzen prägen lassen. Am neuen Geldstück könne der darbende Finanzminister Millionen verdienen.

Der Rat des Parteifreunds kam Hans Matthöfer damals ungelegen. Mitten im Wahlkampf hätte die Ankündigung, Bonn gebe jetzt Zehn-Mark-Münzen aus, nur die Inflationspropaganda der Union genährt.

Kaum war jedoch die Bundestagswahl gelaufen, da besann Matthöfer sich des guten Topmann-Tips. Am 17. Oktober beauftragte er seine Beamten, Kosten und Nutzen der Münz-Idee abzuwägen.

Der Nutzen war rasch ermittelt: Innerhalb von zwei Jahren könnte der Bund einen Gewinn von knapp 500 Millionen Mark einstreichen.

Anders als das Drucken von Papiergeld ist das Münzenschlagen nämlich nicht Sache der Bundesbank, sondern einträgliches Privileg des Bundes. Die Herstellung einer Zehn-Mark-Münze würde den Bund nur rund 50 Pfennig kosten, die Frankfurter Bundesbank müßte dem Bonner Finanzchef jedoch für jedes in Verkehr gebrachte Geldstück den vollen Nennwert gutschreiben.

Bei einer Erstauflage von 25 Millionen Stück -- das wären zehn Prozent der umlaufenden Zehner-Banknoten -könnte der finanzschwache Haushaltsminister bereits im Jahr der Einführung 237,5 Millionen Mark Profit erwirtschaften. Der stattliche Zugewinn würde auch im folgenden Jahr anfallen, wenn die Voraussagen von Matthöfers Experten eintreffen und die wertvolle Metallscheibe weitere zehn Prozent der umlaufenden Papiernoten aus der Gunst der Geldverbraucher verdrängt.

Nützlich könnte die neue Münze -sie soll zur Unterscheidung zum silbrigen Fünf-Mark-Stück mit einem Goldhauch versehen werden -- nicht nur für den Bonner Kassenverwalter werden. Ein neuer Zehner könnte auch Kunden und Kaufleuten das Geschäft erleichtern.

Insbesondere die wachsende Bedeutung des Automatenhandels und der Geldwertverfall der letzten Jahre sprechen dafür, es nicht mehr bei Fünf-Mark-Münzen zu belassen:

* Für die Tankfüllung eines Mittelklassewagens mit Supersprit schluckt der Zapfautomat inzwischen zehn Fünfer; vor einem Jahrzehnt reichten noch fünf.

* In rund um die Uhr zugänglichen Automatenstraßen werden zunehmend auch höherwertige und teurere Waren angeboten.

* An den Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs stehen inzwischen 3500 Fahrscheinautomaten, die Bundesbahn will zusätzlich 5300 S.69 Billetcomputer plazieren, auch solche für teurere Fahrscheine.

* Die Fabrikation automatensicherer Geldscheine ist weit teurer, die Prüfsysteme nicht einmal so betriebssicher wie bei Münzautomaten.

Doch trotz solch offenkundiger Vorteile -- für den Finanzminister wie für den Verbraucher -- ist noch keineswegs gewiß, ob das neue Rundstück bald die Portemonnaies der Bürger ausbeulen wird.

Als sicher gilt die Zustimmung der sozialliberalen Bundestagsmehrheit für die fällige Änderung des Münzgesetzes, das bisher nur Münzen bis zum Wert von fünf Mark zuläßt.

Für den Präge-Start braucht Matthöfer aber laut Gesetz auch die Zustimmung des Zentralbankrats. Und die ist keineswegs gewiß.

Die Währungshüter ließen erkennen, daß ihnen Matthöfers Münzpläne höchst suspekt erscheinen. Sie mögen nicht zulassen, daß der Finanzminister einen Teil seines Haushalts -- und sei er noch so gering -- durch die Geldpresse finanziert.

Bedenken hatte intern im Oktober auch Matthöfers Staatssekretär Manfred Lahnstein, inzwischen Chef des Kanzleramts, angemeldet. Lahnstein fürchtet, eine Verdoppelung des höchsten Münzwerts passe nicht in eine Zeit, in der die deutsche Währung international gegen Vertrauensschwund anzukämpfen hat.

Doch solche Einwände überzeugen Matthöfer nicht, auch wenn er sich gegenüber der Öffentlichkeit mit Werbesprüchen für das goldige Stück noch zurückhält.

Die Rolle des Propagandisten überläßt der Minister lieber dem Genossen Topmann, der auch persönlich gute politische Gründe hat, sich für die neue Münze stark zu machen: 1500 Beschäftigte einer Fabrik der Vereinigten Deutschen Metallwerke im sauerländischen Werdohl warten auf den Auftrag, die Münzrohlinge für den Bund herzustellen.

Und Werdohl liegt in Topmanns Wahlkreis.

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