Google Mitarbeiter proben Aufstand gegen 2500-Dollar-Kitaplätze

In Ranglisten für arbeitnehmerfreundliche Unternehmen steht Google meist ganz oben. Doch intern brodelt es: Die Mitarbeiter sind schwer verärgert über das Management, nachdem die Preise für die firmeneigene Kinderbetreuung drastisch erhöht wurden.


Berlin - 57.000 Dollar, das ist für die meisten Amerikaner ein ordentliches Jahreseinkommen. Beim kalifornischen Internet-Konzern Google ist es laut "New York Times" der Jahresbeitrag, den Eltern mit zwei Kindern für den hauseigenen Kindergarten bezahlen müssen.

Google-Zentrale im kalifornischen Mountain View: Aufstand im Arbeitnehmerparadies
AP

Google-Zentrale im kalifornischen Mountain View: Aufstand im Arbeitnehmerparadies

Nun verdienen einige der 20.000 Google-Mitarbeiter recht gut und können sich den stolzen Preis ohne Probleme leisten. Doch bei vielen anderen macht sich Unmut breit, wie die "Times" am Wochenende berichtete. In internen Fokusgruppen seien Eltern sogar in Tränen ausgebrochen. Anlass für die Beschwerden: Google hat die Preise in den firmeneigenen Kitas vor kurzem drastisch erhöht - laut "NYT" von 1425 Dollar auf rund 2500 Dollar im Monat für die Kleinsten.

Seit Google seinen ersten Kindergarten "Kinderplex" vor dreieinhalb Jahren eröffnete, war die Warteliste stetig gewachsen. Auf die 200 angebotenen Plätze warteten zeitweise 700 Bewerber. Für neue Mitarbeiter bedeutete dies eine Wartezeit von zwei Jahren.

Um die Warteliste zu reduzieren, erhöhte Google kurzerhand die Gebühren - nach der alten Business-Weisheit: Nachfrage regelt sich über den Preis. "Wir hatten das Problem, dass wir eine Betreuung für 200 Kinder anbieten konnten, aber 700 weitere keinen Platz bekamen", sagte Google-Sprecher Matt Furman. "Das Ziel war, diese Warteliste zu beseitigen."

Zahlreiche Eltern werfen dem Management des größten Suchmaschinenbetreibers jedoch vor, mit der Reform vor allem dem engsten Kreis um die Unternehmensgründer Larry Page und Sergey Brin Vorteile zu verschaffen. Ziel sei nicht eine bezahlbare Kinderbetreuung für alle Eltern, sondern elitäre Spieleinrichtungen für die Kinder des Managements.

Google wies die Vorwürfe zurück. Durch die Kürzung der Zuschüsse könne der Konzern das Platzangebot um 150 Prozent steigern, so Furman. Die Veränderungen seien nötig, um dem rapiden Unternehmenswachstum Rechnung zu tragen und Kinderbetreuung auch an anderen Standorten anzubieten. Die Preise seien zudem nicht höher als bei anderen führenden Kindergärten in San Francisco. Nach Angaben von Google wurden die Gebühren auch "nur" von rund 1000 auf 1700 Dollar im Monat erhöht.

cvo/Reuters



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