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Protest wegen schlechter Arbeitsbedingungen Lieferdienst Gorillas fürchtet Großstreik

Schwere Rucksäcke, verspätete Gehälter, unzureichende Schlechtwetterkleidung: Die Berliner Kuriere des Lieferdiensts Gorillas hatten in den vergangenen Wochen viele Gründe zum Protest. Nun rüstet sich das Unternehmen für größere Streiks.
aus DER SPIEGEL 27/2021
Anti-Gorillas-Protestierende in Berlin: Runter vom Fahrrad!

Anti-Gorillas-Protestierende in Berlin: Runter vom Fahrrad!

Foto: Christophe Gateau / dpa

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Kağan Sümer, Chef des Lebensmittel-Lieferdienstes Gorillas, hat erneut Ärger mit seinen Berliner Fahrradkurieren. In den vergangenen Tagen war es zu wilden Streiks gekommen, weil sich Fahrer und Fahrerinnen unter anderem über fehlende Regenkleidung und ausbleibende Gehälter beschwert hatten. Zuletzt hatte das Unternehmen indirekt davor gewarnt, aufgrund des Wetters die Arbeit niederzulegen. »Nicht aufzutauchen bedeutet, dass der Rest der Crew für dich aufkommen muss«, hieß es in einer internen Mail.

Nun stellt sich das Unternehmen nach SPIEGEL-Informationen auf einen möglichen Großstreik ein. Ankündigungen für eine Ausweitung der Arbeitsniederlegungen teilten die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zuvor in internen Chats.

Verschobene Fahrradtour

Eine Fahrradtour, mit der Sümer zur Deeskalation beitragen wollte, scheint deshalb vorübergehend auf Eis gelegt. Ab dem 28. Juni wollte der Firmenchef insgesamt 40 Lager in ganz Deutschland besuchen und jeweils mit den Mitarbeitern eine dreistündige Schicht übernehmen und Fragen beantworten. Das Unternehmen konnte auf Anfrage nicht mitteilen, ob Sümer überhaupt schon losgefahren ist.

In einem Statement schreibt Gorillas: »Bevor wir eine gemeinsame Tour fahren, konzentrieren wir uns aktuell zunächst auf die Umsetzung von operativen Veränderungen, die wir für unsere Rider angestoßen haben.« Unter anderem deshalb habe man das Format der Tour »angepasst.« Sümer werde »in den nächsten Wochen« kontinuierlich Lager besuchen und dort aus erster Hand Feedback zu den Maßnahmen einholen.

Innerhalb des Unternehmens ist man über die eskalierende Situation in Berlin verärgert. Proteste könne man verstehen, hieß es am vergangenen Donnerstag, aber wenn Leute wegen des schlechten Wetters nach Hause gingen, sei das eigentlich ein Grund für Abmahnungen. Die Fahrer bekämen schließlich eine vollständige Regenuniform zur Verfügung gestellt, »bestehend aus Cape und Regenhose mit Regenfüßlingen«.

Umfrage bescheinigt hohe Zufriedenheit

»Wir verstehen, dass bei der heutigen Wetterlage in Berlin auch diese Ausstattung nicht vollständig vor dem Nasswerden schützt«, schreibt Gorillas in einer Stellungnahme. »Diesen Umstand jedoch als Anlass für einen spontanen Streik ohne Rechtsgrundlage zu nehmen und zu weiteren Streiks in anderen Warehouses aufzurufen, können wir nicht nachvollziehen.«

Das Unternehmen verweist darüber hinaus auf eine deutschlandweite Umfrage, die vor Kurzem unter den Fahrradkurieren gemacht wurde. Die Frage, ob sie Gorillas Freunden oder Verwandten als Arbeitgeber empfehlen würden, hätten demnach 90 Prozent der Befragten mit mindestens 7 von 10 Punkten bewertet. Eine Auswertung über die Situation in Berlin veröffentlichte das Unternehmen nicht.

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