Gottesdienstleistung Diakon will Geldautomaten aufstellen

Wie man mehr Menschen in die Kirche bringt, darüber zerbrechen sich Geistliche schon lange die Köpfe. Ein britischer Erzdiakon kam jetzt mit einer bizarren Ideen. Er will die Kirchen zu Dienstleistungsbetrieben machen. Als erstes sollten dort Geldautomaten aufgestellt werden.


London - Drei Gedanken waren es wohl, die den Erzdiakon von Lincoln, Arthur Hawes, zu einer ungewöhnlichen Forderung trieben. Erstens: Immer weniger Menschen gehen in die Kirche. Zweitens: Wenn Gott die Menschen nicht in die Kirche zieht, müssen die Kirchen eben einen anderen Weg finden, die Menschen mal zum Vorbeischauen zu bewegen - und so vielleicht neugierig zu machen. Die Kirchen sollten deshalb mehr Dienstleistungen anbieten. Drittens: Auf dem Land müssen Christen wie Nichtchristen manchmal meilenweit zum nächsten Geldautomat laufen.

Kirche in Lassahn: Kirchen als "Zentrum der Gemeinde stärken"
Jürgen Pander

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In englischen Kirchen sollten also Geldautomaten aufgestellt werden, forderte Hawes jetzt. Das wäre der erste und sehr einfache Schritt auf dem Weg der Gotteshäuser zu einer Art Dienstleistungsbetrieb. Sie sollten viel stärker zum Alltag der Menschen gehören, erklärte der Diakon dem Fernsehsender BBC zufolge.

Er habe sich beim Studium mittelalterlicher Bräuche zu der Idee inspirieren lassen, sagte Hawes. Damals seien Gotteshäuser für verschiedenste weltliche Dienstleistungen genutzt worden. Heutzutage gebe es in einigen wenigen britischen Kirchen bereits Zweigstellen der Post. Das sei ebenso lobenswert wie die Einrichtung von Kochstuben oder öffentlichen Toiletten.

"Oft ist doch eine Kirche das einzige verbliebene öffentliche Gebäude eines Ortes", begründete Hawes seinen Vorstoß. Ein Sprecher der Church of England erklärte, es gebe einen zunehmenden Trend, durch Dienstleistungen die Rolle von Kirchen "als Zentrum ihrer Gemeinden zu stärken". In jedem Fall müsse aber eine Genehmigung der Kirchenführung eingeholt werden.

ase/dpa-AFX



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