Greensill-Skandal »Auf die Aufsicht müssen wir uns schon verlassen«

Die Finanz­aufsicht hat die Geschäfte der Bremer Greensill Bank per Moratorium ein­gefroren. Tamaz Georgadze, Chef der Plattform Weltsparen, über die ­Folgen für deutsche Kunden.
Ein Interview von Martin Hesse
Greensill Bank in Bremen: »Es ist zu früh, irgendwelche Lehren zu ziehen«

Greensill Bank in Bremen: »Es ist zu früh, irgendwelche Lehren zu ziehen«

Foto: FABIAN BIMMER / REUTERS

Die australisch-britische Finanzgruppe Greensill Capital war Anfang der Woche in Schieflage geraten und sucht einen Käufer. Eine wichtige Finanzquelle für den Konzern ist die Bremer Greensill Bank. Sie sammelte über Plattformen wie Zinspilot und Weltsparen in großem Stil Einlagen ein, nun droht sie im Sog des Mutterkonzerns unterzugehen.

Deshalb stehen jetzt auch die Zulieferer-Plattformen der Greensill Bank in der Kritik. Das Geschäftsmodell von Weltsparen ist es, Kunden Zugang zu mehr als 100 Banken in ganz Europa zu vermitteln, die teils auf Tages- oder Festgeldkonten etwas höhere Zinsen bieten als die meisten Kreditinstitute. Oft handelt es sich um Spezialbanken, die kein klassisches Massenkundengeschäft betreiben und daher nicht wie eine klassische Hausbank automatisch an Einlagen kommen.

Weltsparen hat etwa 15.000 Kunden an Greensill vermittelt, die dort Geld auf Festgeldkonten angelegt haben. Tamaz Georgadze, 42, der Weltsparen 2013 in Berlin gegründet hat, weist den Vorwurf zurück, seine Plattform habe Kunden in eine riskante Anlage getrieben.

SPIEGEL: Herr Georgadze, Ihre Kunden haben mehrere Hundert Millionen Euro auf Konten der Greensill Bank eingezahlt, die nun das Geschäft vorerst einstellen musste. Ist das Geld in Gefahr?

Georgadze: Nein, die über Weltsparen vermittelten Privatkundeneinlagen unterliegen unserem Kenntnisstand nach der Einlagensicherung.

SPIEGEL: Lädt eine Plattform wie Weltsparen Kunden ein, auf Kosten des Steuerzahlers zu zocken?

Georgadze: Bei uns geht es gerade nicht ums Zocken, wir vermitteln Kunden Zugang zu Banken in ganz Europa. Tages- oder Festgelder zählen zu den sichersten Anlagen. Und die Einlagensicherung speist sich aus Beiträgen der Finanzinstitute.

SPIEGEL: Der Vermögensverwalter GAM hatte schon 2018 Probleme, weil er wohl Fonds mit faulen Greensill-Papieren vertrieb. Haben Sie solche Warnsignale übersehen?

Georgadze: Das betraf eine Schwester der Greensill Bank. Wir können unseren Partnerbanken aber nicht nach Nachrichtenlage den Geldhahn auf- oder zudrehen.

SPIEGEL: Wie prüfen Sie, ­welche Banken auf Ihre Plattform kommen?

Georgadze: Wir arbeiten nur mit lizenzierten Banken, die der Bankenaufsicht sowie der Einlagensicherung unterliegen, außerdem sehen wir uns Geschäftsmodell und Eigen­tümerstruktur an. Aber wir können nicht mehr leisten als Finanzaufsicht und Wirtschaftsprüfer, auf deren Ar­beit müssen wir uns schon verlassen. Und vergessen Sie nicht: Noch 2019 hat der japanische Investor Softbank 1,5 Milliarden Dollar in Greensill Capital investiert.

SPIEGEL: Welche Lehren ­ziehen Sie aus dem Fall?

Georgadze: Wir wissen ja noch nicht einmal, ob überhaupt ein Sicherungsfall eintritt. Es ist zu früh, irgendwelche Lehren zu ziehen.

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.